Es ist ein Investment, das für Aufsehen sorgt: Ein Essener Energie-Startup hat viel Kapital von dem japanischen Atomkraftwerk-Betreiber Tepco bekommen. Ganze 3,5 Millionen Euro erhält Conjoule von dem Konzern, der unter anderem das Werk in Fukushima betreibt.

Tepco gilt als höchst umstritten, seit das Atomkraftwerk in Fukushima bei einer Naturkatastrophe 2011 große Mengen radioaktives Material freisetzte. Seit Ende Juni dieses Jahres müssen sich drei Tepco-Manager in Japan vor Gericht verantworten. Erst vor wenigen Tagen erregte Tepco erneut Aufsehen, als der Konzern vorschlug, radioaktives Wasser in den Tanks der Fukushima-Anlage ins Meer zu leiten.

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Conjoule, ein Spin-Off des Essener Energiekonzerns Innogy, scheint das nicht zu stören. Conjoule-Mitgründer Sam Warburton rechtfertigt die Kapitalspritze von Tepcos Investmentarm so: „Die Liberalisierung des Strommarktes ist in Japan aktuell ein großes Thema. Daher besteht auch dort ein großes Interesse an Innovationen und der Entwicklung von dezentralen und digitalen Energiedienstleistungen“, sagt er. Deutschland gelte als Vorreiter der Energiewende, Innogy sei damit ein attraktiver Partner für den japanischen Konzern.

Seitdem der japanische Energiemarkt für nicht-staatliche Anbieter geöffnet wurde, wächst der Druck auf Konzerne wie Tepco. Sie suchen händeringend nach neuen Geschäftsmodellen – unter anderem gilt die Blockchain in der Energiebranche als Technologie der Zukunft.

Und auf die Blockchain setzt Conjoule: Mit ihrer Hilfe sollen Privatleute selbst erzeugten Strom verkaufen können. Über eine Plattform können Hausbesitzer mit einer Solaranlage auf dem Dach ihren Strom direkt in die Nachbarschaft vertreiben. Ein Umweg über Energieversorger wird dadurch überflüssig. Bei der Abwicklung werden mithilfe der Blockchain-Technologie alle Transaktionen auf den teilnehmenden Computern abgespeichert. Befürworter der Technologie versprechen sich dadurch mehr Transparenz und Sicherheit.

Privatleute sollen mehr Geld für ihren Strom bekommen

Seit einigen Monaten betreibt das junge Unternehmen ein Modellprojekt in den Ruhrpottstädten Mühlheim und Essen. Auf seiner Website wirbt es um weitere Solaranlagenbesitzer, die ihren Strom an lokale Supermärkte, Schulen oder Wasserwerke verkaufen möchten. Das Angebot sei attraktiv, da Privatleute dadurch mehr Geld für ihren selbst erzeugten Strom erhalten als durch die übliche Einspeisevergütung, sagt der Conjoule-Mitgründer Warburton. Diese Einspeisevergütung erhält zum Beispiel jeder Solaranlagen-Besitzer, der Strom in das Netz einspeist.

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Neben Tepco hat auch Innogy selbst eine Millionensumme in das Startup investiert. Mit dem Geld solle das Team von derzeit fünf auf dann zehn Mitarbeiter vergrößert und das Produkt in mehreren europäischen Ländern zur Marktreife gebracht werden, heißt es.

Auch andere Energieunternehmen experimentieren mit der Blockchain. Das australische Startup Power Ledger plant laut Heise.de sämtlichen Kunden des staatlichen Netzanbieters Western Power den Stromhandel untereinander zu ermöglichen, derzeit läuft noch ein kleines Pilotprojekt. Bereits im März vergangenen Jahres startete ein Experiment der US-amerikanischen Firmen LO3 Energy und Consensus. Hierbei versorgen sich zehn Haushalte im New Yorker Stadtteil Brooklyn gegenseitig mit Strom.

Innogy selbst setzt auch in anderen Bereichen des Energiesektors auf die Blockchain. So hat das konzerneigene Innovation Hub kürzlich das Startup Share and Charge hervorgebracht, das eine Abrechnungslösung für die Elektromobilität entwickelt.

Foto: Innogy