Skype-Investor Morton Lund

Morten Lund findet süß, was die Deutsche Bank da versucht. Auf der Konferenz WIRED Money 2016 hat der Skype-Investor und Venture-Capitalist nur eine Botschaft: „Es ist nicht genug, nur ein wenig mit Fintech zu spielen.“

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Kurz zuvor hatte Markus Pertlwieser, Digitalbeautragter der Bank, seine Pläne zur Digitalisierung vorgestellt. 750 Millionen will die Bank in nächster Zeit in ihre digitale Renovierung stecken. Sie erforscht die Macht der Blockchain, hat diese Woche eine eigene recht erfolgreiche App für ihre Kunden auf den Markt gebracht. Pertlwieser benutzt Wörter wie Bank as a Service, Crypto-Currency und Cognitive Analytics. Das klingt modern, für viele Konferenz-Gäste gehen die Bemühungen aber nicht weit genug. Für Lund, eine Art Rockstar der Investment-Szene, sind sie nur „Mambo Jambo“. „I come for you“, sagt er, und meint die großen Finanzinstitute.

Etwa 400 deutsche Fintech-Startups haben diesen Weg eingeschlagen, um mit ihren Banking-Apps oder Anlagerobotern den Banken ihr Geschäft streitig zu machen. Anhand von Technologie entflechten sie das Bankgeschaft und verpacken es schöner – zu günstigeren Preisen. Dabei greifen sie allerdings auf die alte Infrastruktur des Bankensystems zurück. Eine Entwicklung, die anderen Startups nicht weit genug geht. Als Fintech-Unternehmen der zweiten Generation werkeln sie an einem Finanzsystem, das auf die Banken als Intermediär verzichten kann.

Die zweite Fintech-Generation macht sich auf den Weg

Als Vertreter der ersten Fintech-Welle standen gestern in Berlin die Gründer der Banking-App Number26 oder des Roboadvisers Scalable Capital auf der Bühne der WIRED Money. Statt eines Bankberaters entscheidet beim Münchner Finanzanlage-Startup ein Algorithmus, wie der Kunde sein Geld anlegt. So lasse sich das Risiko-Gewinn-Verhältnis bestimmen und ihr Angebot sei 50 bis 80 Prozent günstiger, sagt Gründer Florian Prucker. Für ihren Roboadviser kooperiert Scalable Capital mit der Baader-Bank.

Beim estnischen Startup Funderbeam gibt es erste Anzeichen dafür, wie die Geschäfsmodelle der nächsten Fintech-Generation aussehen könnten. Über die Plattform lassen sich Geschäftsideen von der Crowd finanzieren – mithilfe der Blockchain. „Zwischen mir, die ich Geld geben möchte, und dem Unternehmen, dass mein Geld annehmen möchte, gibt es immer noch viel zu viele Mittelsmänner“, erklärt Funderbeam-Gründerin Kaidi Ruusaleepp die Nachteile des alten Systems. Diese Mittelsmänner ließen sich durch die dezentrale Datenbank – die Blockchain – ausschalten.

Hype oder Revolution: Einmal Blockchain zum Mitreden, bitte!

Einmal Blockchain zum Mitreden, bitte!

Alle sprechen drüber – doch es ist nicht leicht zu verstehen, was Blockchain sein soll. Das Potential der Technologie reicht weit über den Finanzsektor hinaus.

In dieser Technologie sieht sie wie viele andere die größte Chance für den nächsten, echten Umbruch. „Die Blockchain ist die nächste Stufe der Revolution nach der Einführung des Internets“, sagt Ruusaleepp. Beim Internet ging es um den Austausch von Information, das nächste Level sei die Übertragung von Wert – eben durch die Blockchain. Ein genaues Verständnis, was sie die Blockchain überhaupt sei, brauche es nicht. „Wer weiß schon, wie das Internet funktioniert“, sagt Ruusaleepp.

Diese Startups stellten bei der Wired-Money-Konferenz aus:

GocardlessHOLVISatoshiPayInvestifyGetSafeMyfeelix,
BuchhaltungsbutlerDataLionSeedmatchCringleSlimPay,
Gini GmbHCoinifybarzahlen.deAzimo

Blockchain ist ein Buzzword, das auf fast jedem Panel der Fintech-Konferenz zur Sprache kommt. Mit ersten Ideen, wie sich diese Technologie einsetzen lässt. Ein Beispiel von Musikrechten, erzählt Christian Reitwiesser von Ethereum. Wer das Recht an einem Lied in der Blockchain gespeichert habe, bekomme bei jedem Download ein Teil des Preises ausgeschüttet, erklärt Reitwiesser die Idee eines Blockchain-Startups. Und selbst, wenn man dieses Lied in einem Remix neu verwende, gebe es für den Urheber des Originaltitels eine Entlohnung. Sobald die Blockchain-Technik im Mainstream angekommen sei, verschwinde auch ihr Name. „Viele werden dann die Blockchain verwenden, ohne es zu wissen“, sagt Reitwiesser voraus.

Per Blockchain andere Zielgruppen erschließen

Nicht nur Technik-Enthusiasten sind von dem neuen System überzeugt: Dank der Blockchain sei er in der Lage mehr Menschen auf der Welt zu erreichen, sagt Peter Smith, der mit seinem nach der Technologie benannten Bitcoin-Wallet Wellen schlägt. Für die viele Menschen in Asien und Afrika, die keinen Zugang zum Finanzsystem haben, bietet die Blockchain eine große Hoffnung. „Die Blockchain ist fucking kompliziert, aber sie ist ein Gamechanger“, findet übrigens auch Star-Investor Morton Lund.

Zusammengestellt von Caspar Tobias Schlenk, Gründerszene. Mitarbeit: Max Biederbeck und Timo Brücken von WIRED Germany.

Funderbeam-Gründerin Kaidi Ruusaleepp

Bilder: WIRED