Im Juni dieses Jahres war der Kochboxen-Versender Blue Apron an die Börse gegangen. Und es lief von Anfang an nicht gut: Auf eine Bewertung von 3,2 Milliarden US-Dollar hatte das Startup gehofft, der tatsächliche Wert betrug zum IPO dann aber nur 1,9 Milliarden. Nach einem leichten Kursgewinn von rund 30 Cent auf 8,38 am zweiten Handelstag ging es rapide bergab. Nach knapp zwei Monaten pendelte sich die Aktie auf einem Wert von ca. 4,50 Euro ein. Seit Anfang November ging es nochmal deutlich abwärts. Aktuell liegt der Wert bei 2,58 Euro – weniger als ein Drittel des Ausgabepreises.

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Damit droht Blue Apron zum schlechtesten Börsengang des Jahres in den USA zu werden, wie das US-Magazin Recode errechnet hat. Im Vergleich mit allen Unternehmen, die zum Zeitpunkt des IPO mit über 500 Millionen US-Dollar bewertet wurden, weist Blue Apron die schlechteste Bilanz auf. Einen Kommentar des Unternehmens zur jüngsten Talfahrt gibt es bislang noch nicht.

Die desaströse Entwicklung von Blue Apron dürfte auch das deutsche Pendant HelloFresh beunruhigen, das ebenfalls in den USA aktiv ist. Unbeeindruckt vom durchwachsenen Börsengang von Blue Apron legte auch der deutsche Kochboxen-Versender Anfang November seinen IPO hin, nachdem dieses Vorhaben vor zwei Jahren bereits einmal verschoben wurde.

Der Börsengang brachte HelloFresh rund 318 Millionen Euro ein, die Rocket-Tochter wurde dabei mit rund 1,7 Milliarden Euro bewertet. Auch für HelloFresh ging es an der Börse nach einem kurzen Hoch am ersten Tag bergab. Doch mit einem Minus vom Ausgabepreis von 10,25 Euro auf 8,96 Euro (Stand 14.11.2017) ist die Entwicklung hier noch längst nicht so extrem wie bei Blue Apron.

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Der Grund für den Abwärtstrend bei dem US-Unternehmen wird vor allem bei Amazon gesehen. Der US-Gigant hatte kurz vor dem IPO von Blue Apron die Supermarktkette Whole Foods gekauft. Damit wurde deutlich, dass das Unternehmen von Jeff Bezos weiter in den Lebensmittelversandhandel investieren will und sich als mächtige Konkurrenz für Blue Apron etablieren wird. Zudem hatte Blue Apron zuletzt Ärger mit seinen Aktionären, die sogar eine Sammelklage anstrebten. Das Unternehmen soll seine Anteilseigner unter anderem nicht ausreichend über zusammengestrichene Marketingausgaben informiert haben. Außerdem habe es Lieferverzögerungen gegeben, durch die viele Kunden abgesprungen seien, heißt es. 

Bild: Blue Apron