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Die Book-A-Tiger-Gründer Claude Ritter (links) und Nikita Fahrenholz

Ohne großes Aufheben hat das Berliner Startup Book A Tiger seine Preise erhöht. Von durchschnittlichen 18,10 Euro auf 19,90 Euro pro Stunde – und zwar unabhängig davon, ob man die Reinigungskraft einmalig oder regelmäßig beauftragt. Damit kosten die Dienste des jungen Unternehmens mittlerweile deutlich mehr als die des Konkurrenten Helpling, der einen Stundenpreis ab 12,90 Euro anbietet. Im Berliner Bezirk Pankow zahlt man für eine wöchentliche Reinigung beispielsweise 13,90 Euro pro Stunde.

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Während Helpling auf freiberufliche Arbeitskräfte setzt, entschied sich Book A Tiger schon Anfang 2016 dafür, seine Putzkräfte fest einzustellen. Der Schritt sollte den Service für die Kunden verbessern. 

Doch hat die Umstellung auf festangestellte Reinigungskräfte jetzt zu einem finanziellen Engpass geführt und die Preiserhöhung nötig gemacht?

Geschäftsführer Claude Ritter, der das Startup im März 2014 mit Nikita Fahrenholz gründete, sagt dazu: „Der Hintergrund ist, dass wir einen Preispunkt gesucht haben, den wir langfristig halten können und der es uns ermöglicht, mehr in Qualität zu investieren.“ Schon vor der Preiserhöhung sei der Service teurer gewesen als beispielsweise die Preise, die auf dem Schwarzmarkt gezahlt würden: „Trotzdem hat es uns die Marge nicht erlaubt, nach unserem Empfinden genug in Maßnahmen hinsichtlich Qualität und Prozesssicherheit zu investieren“, so der Mitgründer.

Laut ihm fließen die Mehreinnahmen nun beispielsweise in zusätzliche Vor-Ort-Trainings durch den Quality-Manager, außerdem werden die Reinigungskräfte mit weiterem Material ausgestattet. Die Putzkräfte selbst verdienen weiterhin 10 Euro brutto pro Stunde – sie profitieren also nicht von der Preiserhöhung. Ritter betont allerdings, dass die Firma dazu noch den Arbeitgeberanteil von 20 Prozent übernimmt: „Unsere Mitarbeiter sind sozialversicherungspflichtig angestellt, sie haben kaum Abzüge und bezahlten Urlaub.“

Doch nicht alle Kunden reagieren mit Verständnis auf die Preiserhöhung. Schon in den ersten Tagen nach Bekanntgabe der Preiserhöhung hätten mehr als 500 Kunden gekündigt, berichtet Ritter. Der Rückgang an Neukunden sei vorhersehbar und eingeplant gewesen, sagt Ritter. „Die Anzahl der Kündigungen war wesentlich geringer als wir erwartet hatten, insofern hat uns das positiv überrascht und spricht dafür, dass wir eine Dienstleistung erbringen, die unsere Kunden wertschätzen.“

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Erst im Februar gab Book A Tiger eine Finanzierungsrunde bekannt, deren Höhe nicht bekannt ist. Neben zahlreichen Altinvestoren wie Tamedia, Target Global und DN Capital beteiligen sich auch neue Geldgeber an dem jungen Unternehmen.

Wettbewerber Helpling wurde in den vergangenen Monaten ebenfalls mit neuen Millionen ausgestattet. Das von Rocket Internet gestartete Putzkraft-Startup erhielt im März ein großes Investment über zehn Millionen Euro. Diese Woche wurde bekannt, dass Unilever Ventures, der VC des britisch-niederländischen Konsumgüterherstellers, bei Helpling einsteigt. Die genaue Summe ist nicht bekannt. Laut TechCrunch soll es sich aber um mehrere Millionen Euro handeln. 

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Bild: Steve Bergmann für Book A Tiger