Bootstrapping Schule

1. Das Bauen von Webseiten und Kommunizieren von Visionen

Selbst zu wissen, wie man Webseiten erstellt, und Visionen, Ideen und Projekte online präsentiert, ist zu einer absoluten Metafähigkeit geworden. Die Fähigkeit, professionelle Webseiten ins Netz zu stellen, ist ein Schlüsselkriterium für den zweiten Punkt, der an Schulen unbedingt gelehrt werden sollte – wie man Projekte startet.

Mit dem Wissen, wie man online auf eigenen Seiten Inhalte präsentiert, ist man befähigt, nicht nur als passiver Informationskonsument im Internet unterwegs zu sein, sondern tatsächlich auch ohne die Hilfe anderer, aktiv mit eigenen Ideen und Visionen im Internet partizipieren zu können.

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Wenn man „Eliten“ als die Kreise einer Gesellschaft betrachtet, die Einfluss auf andere ausüben, dann wäre das Vermitteln der Fähigkeit, Webseiten zu bauen und damit eigene Ideen und Meinungen der Online-Öffentlichkeit grundsätzlich zugänglich zu machen, ein wichtiger Schritt zur Elitenförderung und höherer Chancengleichheit in Deutschland.

Schließlich ist es nirgendwo so einfach, Einfluss aufzubauen, Fans zu finden und die Welt zu verändern, wie im Internet. Nirgendwo können Visionen, Ideen, Projekte, Produkte und Services so schnell bekannt werden und Einfluss nehmen wie im Netz. Und das Gute daran ist, dass jeder Zugriff haben kann – auch Schüler. Die Schülerin und Bloggerin Isadora Faber aus Brasilien ist bestes Beispiel dafür, wie eine Person mit einem Thema die Aufmerksamkeit von Millionen Personen erhalten kann. Auf ihrem Blog prangert sie die schlechten Verhältnisse ihrer und anderer öffentlicher Schulen in Brasilien an und hat damit schon erste Veränderungen erwirkt.

2. Wie man Projekte startet

Unsere Gesellschaft verändert sich rapide. Unser Schul-und Universitätssystem ist aber nach wie vor noch weitgehend auf eine Welt ausgerichtet, wie sie im Industriezeitalter existierte. Uniforme Lösungen werden häufiger gefördert als kreatives Denken und Einzigartigkeit. Das Denken in Konkurrenz wird eher gefördert als ein Denken in Win-win und Synergien. Und alles ist darauf ausgerichtet, Kindern und Jugendlichen anzutrainieren, Anweisungen möglichst schnell und präzise ausführen zu können. Meist nach einem vorgegebenem Muster.

Jedoch ist die Sicherheit, dass man „lebenslänglich“ für einen Arbeitgeber arbeiten‚ darf, wenn man den Anweisungen folgt, nicht mehr vorhanden. Was also könnten die Schulen Kindern und Jugendlichen vermitteln, das ihnen eine andere Grundlage für (finanzielle) Sicherheit für die Zukunft bieten könnte?

Die Antwortet lautet: Wie man Projekte startet.

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Wer weiß, wie man Projekte startet, Lösungen zu Problemen findet und diese Lösungen intelligent vermarktet, der ist auch in einer schnelleren und unverbindlicher werdenden (Arbeits-)Welt nicht ohne Sicherheit. Mit der notwendigen Kreativität kann man entweder ein eigenes Unternehmen starten und seine Lösungen anbieten oder man kann seine eigene Arbeitszeit klug verkaufen.

Das Wissen und die Erfahrung darum, dass man jederzeit ein Projekt starten kann, um sich ein Einkommen aufzubauen, bietet mehr psychologische Sicherheit als die Hoffnung, dass der Arbeitgeber einen nicht bei der nächsten Restrukturierungsmaßnahme rausschmeißt.

Ein weiterer Vorteil darin, eigene Projekte zu kreieren, liegt darin, dass man die Freiheit hat, sich genau mit den Themen zu beschäftigen, die einen interessieren. Alles, was dazu erforderlich ist, ist Mut und das Wissen darum, wie man Projekte um die eigenen Interessen, Fähigkeiten und Potenziale herum baut. Das Arbeit auch Spaß machen kann und keinen Stress bedeuten muss, wird leider noch viel zu selten vermittelt. Burnout und Sinnkrisen quittieren allzu häufig einen ungesunden, arbeitsbedingten Lebensentwurf, der nicht ausschließlich, aber häufig auch in Schulen und Universitäten propagiert wird.

Ja, es ist wichtig in die Bildung von Kindern und Jugendlichen zu investieren, um ihnen eine gute Zukunft zu ermöglichen. Genauso wichtig ist es aber auch, dass an den Schulen Inhalte vermittelt werden, die den Kindern und Jugendlichen wirklich helfen, ihre persönliche Zukunft erfolgsversprechend zu gestalten. Projekte zu initiieren und durchzuführen, ist einer dieser essentiellen, erlernbaren Inhalte, die Kinder und Jugendliche dazu befähigen könnten.

3. Wie man mit Geld umgeht

Ein weiterer wichtiger Bereich ist der Umgang mit Geld. Wenn ein Unternehmen nicht geschickt mit Geld umgeht, rutscht es in die Insolvenz. Genauso sieht es aber auch für Privatpersonen aus. Und obwohl Geld einen großen Einfluss auf unser Leben hat und dem Geldverdienen in der Regel ein großer Teil der Lebenszeit gewidmet wird, lernt man an der Schule nichts oder nur sehr wenig über einen geschickten Umgang mit Geld.
Was kann man aus der unternehmerischen Praxis lernen, was auch dem Unterricht an Schulen zu Gute kommen könnte?

Drei Regeln kommen hier in den Sinn

Sparsamkeit und unternehmerische Vorsicht

Für die meisten Unternehmer zahlt es sich aus, eine gewisse Sparsamkeit und unternehmerische Vorsicht an den Tag zu legen. Genauso, wie sich ein Unternehmen mit Bootstrapping für unter 1.000 Euro starten lässt, so lassen sich auch im privaten Leben durch Vorausschauen und Planung viele Kosten sparen. Und das, ohne sich über alle Maßen einschränken zu müssen oder zum Geizhals zu werden. Zusammengefasst lässt sich die Regel folgendermaßen auf das Privatleben übertragen: Man gibt nicht mehr aus, als man einnimmt. Man kauft nicht alles, was man in den Schaufenstern sieht. Man ist vorausschauend.

Buchführung

Unternehmen führen nicht umsonst Buch darüber, was sie ausgeben und was sie einnehmen. Die Zahlen sind nicht nur für das Finanzamt interessant, sondern auch für die Unternehmer selbst. Ohne verlässliche Zahlen wären die meisten Unternehmen wie ein Boot im Nebel. Man wüsste nicht, ob man gut auf Kurs ist oder sich Klippen nähern. Auch im privaten Bereich hat es Sinn, Aufzeichnung darüber zu führen, wie viel Geld reinkommt und wie viel man ausgibt. Würden schon Kinder dieses Prinzip lernen, gäbe es vermutlich weniger Kreditkartenschulden und Privatinsolvenzen.

Budgetieren

Die meisten Unternehmen führen früher oder später Budgets für verschiedene Teilbereiche und Ausgabenkategorien des Unternehmens ein. Ein Budget für Marketing, eines für Personal und ein Budget für die Instandhaltung von Maschinen. Was unternehmerisch Sinn ergibt, ergibt auch privat Sinn. Ein Budget für regelmäßige Ausgaben wie Miete und Versicherungen, ein Budget für Einkäufe und alltägliche Ausgaben, ein Budget als private Rücklage und eines als Rücklage zum Vermögensaufbau. Wie viele Budgets man sich anlegt, ist dabei weniger relevant als den generellen Nutzen zu erkennen, den Budgetierung hat.

Fazit

Würden Kinder in ihrer Schulzeit diese drei „unternehmerischen“ Fähigkeiten theoretisch und praktisch vermittelt bekommen, hätten sie eine wunderbare Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben. Vor allem müssten sie sich weniger Sorgen um ihre finanzielle Sicherheit machen, da sie jederzeit ein neues Projekt starten könnten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, und Kontrolle über ihre Finanzen hätten. Nicht zuletzt hätten die Kinder vermutlich eine deutlich bessere Perspektive für das Leben und ihre Karriere.

 

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Bild: Karl-Heinz Laube  / pixelio.de