Brainyoo

Die Brainyoo-Gründer Patrick Schmidt, Filip Lyncker und Armin Theis

Wer seid Ihr und was macht Ihr?

Wir sind Brainyoo (www.brainyoo.de) und kombinieren einen Marktplatz für digitale Lerninhalte mit einer Lernsoftware für jedermann. Genauer gesagt haben wir ein Modell entwickelt, das eine Freemium-Software, mit der jeder Lernende weltweit einfach und effizient Karteikarten erstellen und lernen kann, mit einem Marktplatz verknüpft, der Fach- und Bildungsverlagen den Einstieg in das digitale Geschäft ohne Investitionskosten ermöglicht.

Das Lernen mit Karteikarten ist zwar ein alter Hut, aber Generationen von Schülern und Studenten lernen erfolgreich mit dieser Methode. Brainyoo stellt die altbewährte Lernmethode mit Karteikarten aus Papier in virtueller Form zur Verfügung. Sachzusammenhänge können damit ebenso einfach und gut erlernt werden wie Vokabeln. Wir verbinden das Ganze mit wissenschaftlichen Erkenntnissen aus dem Bereich des Lernens, wie etwa dem Leitner-Algorithmus. Dabei reizen wir die Möglichkeiten neuester Technologien voll aus.

Die Brainyoo-Nutzer können entweder ihre eigenen Lerninhalte/Karteikarten erstellen und diese mit Bildern, Eselsbrücken, Multiple Choice, Audio Dateien et cetera ergänzen, oder sie begeben sich auf unseren Marktplatz und kaufen dort qualitätsgeprüfte Lerninhalte unserer Verlagspartner. Zu ihnen gehören unter anderem Klett, Springer, Schaeffer-Poeschel, Thieme, Elsevier oder uForm.

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Neben dem Thema Sprachen gibt es hier vor allem Prüfungsvorbereitungen, die vom Industriekaufmann und Wirtschaftsfachwirt über das BWL/VWL- und Psychologie-Studium bis hin zur Steuerberaterprüfung und Heilpraktikerausbildung reichen. Aber auch für die Abiturvorbereitung, den Sportbootführerschein oder den Integrationstest gibt es fertige Lernkartensets. Aktuell wird der Marktplatz um e-Books, Hörbücher und Video-Tutorials erweitert. Mit der Brainyoo-Lernsoftware kann der Lernende zukünftig auch diese Inhalte verwalten, lernen und um eigene Inhalte ergänzen.

Wie seid Ihr auf Eure Idee gestoßen?

Angefangen hat alles damit, dass Filip Lyncker sich für seinen Aufenthaltsaufenthalt in Brasilien ein kleines Lerntool programmierte, um effektiv portugiesische Vokabeln zu lernen. Auf dem Markt war etwas Entsprechendes nicht zu finden. Schnell zeigte sich, dass nicht nur beim Vokabellernen Bedarf besteht. Gemeinsam mit Juristen begannen wir das bestehende Tool zum Lernen juristischer Lerninhalte zu erweitern.

Die rasant zunehmende Zahl an Nutzern, die ihre Papierkarten durch unsere Software ersetzten, gab dann den Ausschlag: Fortan stand der Ausbau des noch relativ einfach gehaltenen aber dennoch effektive Lerntools zu einer umfassenden Software mit größtem Nutzen für Lernende und Fachverlage im Zentrum unserer Arbeit.

Wer sind die Gründer, was habt Ihr vorher gemacht und wie habt Ihr zueinander gefunden?

Das Unternehmerteam besteht aus Armin Theis (Diplom-Informatiker (FH)), Filip Lyncker (Diplom-Informatiker (FH)) und Patrick Schmidt (Diplom-Kaufmann). Armin und Filip lernten sich schon im Studium kennen und arbeiteten anschließend beide als Freelancer im Bereich der Softwareentwicklung. Über eine Wohngemeinschaft ihrer jetzigen Lebenspartnerinnen lernten sich dann Filip und Patrick kennen. Patrick sammelte nach seinem BWL-Studium mehrere Jahre Erfahrungen in Vertrieb und Marketing bei Automobilherstellern und in Beratungen.

Schnell zeigten sich zwischen den drei Geschäftspartnern viele Gemeinsamkeiten und Visionen, so dass die Idee einer Partnerschaft wuchs: Gesagt getan: Nun hat jeder der drei seinen festen Platz im Management Team gefunden. Das gemeinsame Ziel, ein internationales Unternehmen aufzubauen und ein technologisch führendes und skalierbares Produkt zu entwickeln, war und ist die unternehmerische Vision.

Was ist Euer USP und was macht Ihr anders als alle anderen?

Uns zeichnet die besonders hohe Kompetenz unseres Entwicklerteams aus. Somit bieten wir als einziger Anbieter in unserem Markt eine Cloud-Software bestehend aus Desktopversion für Mac und PC, einer Webversion und mobilen Apps für iOS- und Android-Betriebssysteme.

Für alle Lernenden schaffen wir somit eine vollkommen endgeräteunabhängige Nutzung. Die lokale Datenhaltung ermöglicht das Lernen online und offline. Die Inhalte und der individuelle Lernstand sind über die Cloud jederzeit abrufbar. So lerne ich zu Hause am Schreibtisch mit der Desktop-Software, während der Mittagspause im Büro mit der Webversion und unterwegs in der S-Bahn mit meinem Smartphone.

Das ermöglicht unseren Usern, auch die kleinsten Lücken im persönlichen Terminkalender für das effiziente Wiederholen des Lernstoffs zu nutzen. Entscheidend ist, dass ich immer und überall genau an der Stelle weiterlernen kann, an der ich zuvor mit einem anderen Gerät aufgehört habe.

Mit unserem Marktplatz für digitale Lerninhalte haben wir zudem ein einzigartiges digitales Geschäftsmodell etabliert. Verlage haben die Qualitätsinhalte und wir haben das Know-how der Softwareentwicklung. Wir entwickeln die Lernsoftware ganz nah an den Bedürfnissen der Lernenden, und die Verlage nutzen den Marktplatz inklusive einer hoch innovativen Lernsoftware als Transporter ihrer Inhalte. Sie müssen nicht in teure Softwareprojekte investieren und gehen somit auch kein Risiko ein.

Zum Business: Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell? Und wie groß ist das Marktpotenzial?

Unser Geschäftsmodell basiert auf zwei Erlösträgen. Dabei ist es uns wichtig, dass unsere Software generell kostenfrei bleibt, so dass jeder von der neuen Art zu lernen profitieren kann.

Zum einen verdienen wir anteilig bei Verkäufen über unseren Marktplatz. Zum anderen vertreiben wir unsere Lernsoftware im Freemiumm-Modell, was bedeutet, dass es neben einer kostenlosen Version auch eine kostenpflichtige Premium-Variante für Poweruser und den unternehmensinternen Einsatz gibt. Weitere Erlösquellen sind die Werbefinanzierung der Free-Version sowie individuelle Businesslösungen für Unternehmen, Schulen, Hochschulen und andere Bildungsanbieter.

Das gesamte Marktpotenzial setzt sich aus dem Markt für berufliche und außerberufliche Weiterbildung, dem Markt für studienbegleitende Lernmittel sowie für Prüfungsvorbereitungsangebote für Studenten und ähnliche Zielgruppen zusammen. Allein der deutsche Markt für berufliche Weiterbildung wird auf rund 35 Milliarden Euro geschätzt.

Der Markt für studienbegleitende Lernmittel (zum Beispiel Bücher, Skripte) wird auf zirka eine Milliarde Euro geschätzt, der für Prüfungskurse rund um das Studium (zum Beispiel Juristische Repetitorien) auf weitere 100 Millionen Euro, Tendenz steigend. Das Potenzial des deutschen Marktes allein mag schon Ansporn genug für ein Engagement im Bildungssektor sein. Noch deutlich größere Opportunitäten bietet aber der Weltmarkt.

Neben den klassischen westlichen Industrieländern zeichnen sich insbesondere China, Indien, Brasilien und weitere Schwellenländer durch einen enormen Bildungshunger aus. Selbst kleinste Anteile an diesen Märkten würden enorme Umsatzzuwächse bedeuten. Aus diesem Grund sind wir seit der Buchmesse 2013, bei der Brasilien Gastland war, auch mit einer brasilianisch-portugiesischen Brainyoo-Variante am Markt. Zur Zeit planen wir auch den Einstieg in den türkischen Markt.

Wie finanziert Ihr Euch?

In der Vergangenheit haben wir eine zweite Firma aufgebaut, mit der wir recht erfolgreich Softwareentwicklungsleistungen anbieten. Wir nennen das unser „Old-School“-Brot- und Buttergeschäft. Damit können wir unseren Einsatz, das Brainyoo-Entwicklerteam plus Mitarbeiter für Marketing und Support finanzieren.

Gibt es etwas, das Euch noch fehlt? Ein Mitarbeiter, ein Investor oder ein Büro?

Nachdem bisher insbesondere die technologische Entwicklung investiert wurde, müssen wir nun auch Geld für Marketing und Vertrieb in die Hand nehmen. Dass wir mit minimalem Vertriebs- und Marketingbudget bereits rund 15.000 Nutzer überzeugen konnten, täglich bis zu 200 neue Downloads verzeichnen und immer mehr Verlage mit Brainyoo ihr Produktangebot erweitern, macht uns stolz und zeigt, dass noch viel Luft nach oben ist. Deshalb machen wir uns jetzt auf die Suche nach einem strategischen Investor, der den Verlagsmarkt kennt und mit uns zusammen international erfolgreich sein möchte.

Gibt es ein großes Vorbild für Euch?

Richard Branson ist für uns einer der beeindruckendsten Unternehmer. Er ist ein unglaublicher Optimist, scheut kein Risiko, liebt es auch Unbekanntes neu zu erlernen und wenn er ein Ziel vor Augen hat kann Ihn so gut wie niemand mehr aufhalten. Er hat Spaß am „Unternehmersein“ und trägt soziale und gesellschaftliche Verantwortung.

Stellt Euch vor, Ihr könntet ein Lunch gewinnen. Wen würdet ihr aus der deutschen Startup-Branche gerne mit an den Tisch holen?

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Da wir ein Geschäftsmodell im Verlagsmarkt entwickelt haben, würde wir uns gern mit Michael Urban, dem Gründer von Buch.de, austauschen. Eine Startup-Elefantenrunde aus Lars Hinrichs, den Samwer Brüdern und Stefan Glänzer wär auch mit dabei. Als erfolgreichen Newcomer hätten wir gern auch Borahm Cho mit am Tisch. Der berühmt berüchtigte Kim Dotcom würde die illustre Gesellschaft „abrunden“.

Vor welchen Herausforderungen habt ihr den größten Respekt?

Davor, dass die Nutzerzahlen wirklich so schnell wachsen, wie wir uns das wünschen. ;-)

Falls wir die Möglichkeit bekommen, in diesem Jahr in Marketing und Vertrieb zu investieren, gehen wir von einem hohen Wachstum an Nutzern aus. Das treibt natürlich auch das Datenvolumen in die Höhe. Wir bereiten uns bereits jetzt darauf vor, besonders große Datenmengen zum Beispiel auch über Maßnahmen wie „Serverclustering“ zukünftig so zu handeln, dass die Performance des gesamten Systems nicht darunter leidet.

Wie werden Menschen in zehn Jahren lernen, ob für Schule oder Beruf?

Bereits in den letzten Jahren zeigte sich deutlich, in welche Richtung der Trend des Lernens geht: Flexibel, individuell, mobil und selbstbestimmt soll es sein. Heute schon haben wir 35 Millionen Smartphone-User in Deutschland. In zehn Jahren wird es wohl kaum mehr jemanden ohne geben. Damit wird das E-Learning, im Besonderen das Mobile-Learning, auch in Zukunft eine zentrale Rolle spielen, sodass speziell für Smartphones und Tablet-PCs entwickelte Angebote die Nase vorn haben werden.

Das virtuelle Klassenzimmer kommt. Dennoch sind wir der Meinung, dass auch das Präsenz-Lernen nicht gänzlich verschwinden wird. Vielmehr werden immer besser werdende digitale Angebote den Präsenzunterricht unterstützen und ergänzen.

Bild: Brainyoo