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Accel-Investor Fred Destin, hier beim Pioneers Festival

Fred Destin beobachtest die Tech-Szene in Europa schon lange. Seit einer Weile tut er dies für den bekannten VC Accel Partners, der bei Startups wie Worldremit, Slack, Spotify oder Deliveroo investiert ist.

Fred, wie hast Du die Entscheidung der Briten aufgenommen?

Sie hat vor allem den Riss zwischen alt und jung gezeigt – und sie ist ein deutlicher Rückschritt. Natürlich bin ich etwas geschockt. Aber es war eine demokratische Entscheidung. Man sollte jetzt aber nicht überreagieren oder den Briten das Label verpassen, rechts-orientiert, kurzsichtig oder sonst etwas zu sein. Stattdessen muss die EU überlegen, ob man nicht das eine oder andere doch anders machen sollte als bislang. Vor allem sollte man sich in Acht nehmen, Großbritannien nun bestrafen zu wollen. Das würde beiden Seiten schaden und wäre wirklich dumm.

Wie verändert sich die europäische Startup-Szene durch den Ausstieg der Briten aus der EU?

Man muss natürlich damit rechnen, dass es zukünftig nicht mehr so einfach sein wird, vom Festland nach Großbritannien zu ziehen oder umgekehrt. Für junge Entrepreneure, Programmierer oder andere Startup-Interessierte ist das ein wichtiger Faktor. Vor allem für Fintech-Unternehmen wird das vermutlich wegfallende Passporting Probleme verursachen, also die automatische Zulassung von Finanzdienstleistungen in EU-Ländern und Großbritannien. Gleiches gilt für den Single Market in der E-Commerce-Branche. Das könnte das Festland für einige Unternehmen sicher reizvoller machen. Aus EU-Sicht muss man leider hinnehmen, dass sich der Gesamtmarkt nun etwas verkleinert.

Macht ihn das aus VC-Sicht weniger attraktiv?

Nicht wesentlich. Wir bauen da auf den Unternehmergeist. Wenn Politiker Mist bauen machen, dann müssen Entrepreneure das wieder hinbiegen.

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Wann könnten die Auswirkungen spürbar werden?

Man muss natürlich keine dramatischen Umbrüche erwarten. Eine graduelle Erosion von London hin zu anderen Zentren wäre aber durchaus möglich. Wenn es irgendwann nicht mehr möglich ist, sich frei zwischen der EU und Großbritannien zu bewegen und unterschiedliche Gesetzgebung Startups ausbremst, dann ist das schmerzhaft.

Ein „Aus“ für London wird das aber sicher nicht bedeuten, oder?

London ist ein starker Startup-Hub. Es dauert lange, so etwas aufzubauen, etwa 30 Jahre. Das heißt aber auch, dass das Ökosystem in der britischen Hauptstadt nicht von jetzt auf gleich verschwindet. Und es liegen ja auch Chancen in der Veränderung. Wenn den Briten EU-Regulatorien zu komplex und langatmig sind, können sie nun beweisen, dass es auch besser geht. Und das könnte dann sogar zum Standortvorteil werden.

Zusammen mit möglichen Steuervorteilen…

Man sollte da zwar nicht gleich an eine Steueroase denken, aber ich glaube schon, dass Großbritannien auch auf dieser Basis den Wettbewerb suchen wird. Und London war meist schnell, wenn es um neue Gesetzgebungen ging.

London ist zum einen eine wichtige Anlaufstelle für internationale (Tech-)Konzerne, die nach Europa kommen wollen. Ändert sich das mit dem Brexit?

Das ist ein ganz wahrscheinliches Szenario – Berlin und andere europäische Großstädte könnten für Großunternehmen aus den USA oder China künftig attraktiver werden.

Gilt das auch für VCs wie Accel?

Venture Capital ist mobil. Wir investieren in mehr als 20 Ländern und nutzen unser Office in London dafür als Basis. Investoren müssen viel reisen. Von wo aus sie das tun, ist nebensächlich.

Fred, vielen Dank für das Gespräch.

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Bislang galt London als Fintech-Hauptstadt – nun wird sich nach dem Brexit für die Startups einiges ändern. Andere Städte könnten davon profitieren.

Bild: Gründerszene