brillen.de

Brillen.de gibt es schon seit 2012 – doch die erste institutionelle Finanzierung holt sich das Startup erst jetzt. Und die hat es in sich: 45 Millionen Euro erhält das Unternehmen aus Wildau von Technology Crossover Ventures (TCV). Wie viele Anteile dafür abgegeben wurden, wollten die Beteiligten nicht mitteilen. Bisher war das Startup privat mit mehreren Millionen durch die Gründer und ein Darlehen von der KfW finanziert worden. Zuletzt generierte das Unternehmen einen Umsatz von 30 Millionen Euro, im nächsten Jahr sollen es dann mehr als 100 Millionen Euro sein.

Der neue Valley-Investor ist eine Institution: TCV wurde 1995 gegründet und investierte bereits in erfolgreiche Tech-Größen wie Facebook, Expedia, Spotify, Groupon oder GoDaddy. TCV-Geschäftsführer John Doran und Venture Partner Simon Breakwell wurden als Mitglieder des Aufsichtsrats von Brillen.de ernannt. Mit der Hilfe von TCV soll jetzt die Finanzstruktur gestärkt, die Verkaufs- und Marketingprozesse verbessert und das Technologie-Team ausgebaut werden.

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Die SuperVista AG, die Macher hinter Brillen.de, bezeichnen sich als Familienunternehmen: Die Gründer sind Matthias Kamppeter, seine Frau Christine Kamppeter, Daniel Thung und Marcus Seidel.

Seidel stieg 2014 aus dem Unternehmen aus, um sich anderen Projekten zu widmen. Die Kamppeters leiteten vor der Brillen.de-Gründung ein Filialnetz von 20 Optiker-Fachgeschäften in Deutschland. Matthias Kamppeter stammt aus einer Augenarztfamilie, sein Vater ist Augenarzt und sowohl Berater als auch Investor von Brillen.de. Thung kommt von der Börse und war für die TV-Finanzberichterstattung der Börse Düsseldorf zuständig.

Brillen.de setzt nicht auf den reinen Online-Verkauf von Optikerprodukten, sondern verfolgt einen Multikanal-Ansatz: An das Unternehmen sind nach eigenen Angaben 700 Augenoptiker-Fachgeschäfte aus Deutschland, Österreich, England und Spanien angeschlossen. Über sie erfolgt die eigentliche Beratung und der Verkauf. Dadurch sollen die unabhängigen Optiker ihren Marktanteil und Kundenstamm ausbauen können.

Online wächst weniger stark als gedacht

Brillen.de sehe sich selbst deshalb gar nicht als Onliner, sondern wolle langfristig zu einer Dachmarke für traditionelle Augenoptiker werden, so Thung auf Nachfrage. Der Grund: Brillen seien ein Produkt, für das Kunden präferiert in den Laden gingen. Denn im Gegensatz zu Kleidung oder Schuhen müssten Brillen millimetergenau passen, um ein perfektes Sehen zu ermöglichen. Deswegen seien vorab ein Sehtest und eine Beratung nötig, die bei Augenoptikern vor Ort stattfinden. Ansonsten komme es zu einer hohen Retourenquote im Online-Shop.

Das Unternehmen agiert in einem Markt, der laut einer Studie von Credit Suisse im nächsten Jahr auf 30 Milliarden Euro anwachsen soll. Allerdings ist Brillen.de nicht allein am Markt: Die beiden größten Online-Konkurrenten sind Mister Spex, die im vergangenen Jahr Lensit aus Norwegen kauften, um im skandinavischen Raum zu wachsen. Und Brille24, die kürzlich den kleinen slowakischen Online-Optiker Curlys übernahmen, um so die „osteuropäischen Märkte mit unseren Qualitätsbrillen zu erobern“, sagte Brille24-Geschäftsführer Christophe Hocquet.

Mit keinem der beiden will sich Brillen.de in einen Topf werfen lassen. Es handle sich da um pure Online-Player und der Markt dafür wachse nicht so stark, wie viele denken, so Thung. Zwar habe Mr. Spex auch Offline-Partner für Sehtests, aber die kämen immer in einen Interessenkonflikt, da die Offline-Optiker lieber ihr eigenes Sortiment verkaufen würden, so Thung.

Bild: Getty Images /  Smith Collection