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Buffer-Mitgründer Leo Widrich auf der Bühne des Pirate Summit in Köln

Vor sechs Jahren gründete der Österreicher Leo Widrich gemeinsam mit Joel Gascoigne das Social-Media-Tool Buffer in San Francisco. Mittlerweile hat das Unternehmen über drei Millionen registrierte Nutzer und knapp vier Millionen US-Dollar Funding eingesammelt.

Widrich und Gascoigne setzen bei Buffer auf viel Transparenz: Unternehmensdetails wie Gehälter oder Umsatz sind für jeden öffentlich einsehbar. Dementsprechend offen erzählt Widrich auch auf der Startup-Konferenz Pirate Summit in Köln die Geschichte seines Unternehmens – anhand von zehn Personen und ihren Zitaten, die die beiden Gründer stark geprägt haben.

1. Hiten Shah

„Ihr müsst mich nicht überzeugen, ich verstehe es.“

Buffers ersten Investor Hiten Shah trafen Widrich und Gascoigne in einem Coffeeshop in San Francisco. Er sei damals gerade 21 Jahre alt gewesen und habe bisher von Investoren nur Ablehnung erfahren, erzählt Widrich. Die Investoren vor dem Crazy-Egg-Gründer Shah hätten eine Beteiligung an Buffer als das „schlechteste Pitch-Deck, das sie je gesehen haben“ abgetan. Shah hingegen habe wirklich an Buffer geglaubt.

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2. Thomas Korte

„Wie wird hieraus ein Milliarden-Unternehmen?“

Der AngelPad-Gründer Thomas Korte war ein weiterer früher Investor. Jeden Tag fragte er die beiden Gründer dieselbe Frage: Wie kann aus Buffer ein Milliarden-Unternehmen werden? Widrich gibt zu, dass ihn das zuerst ziemlich genervt habe. Doch nun finde er es wichtig, jemanden zu haben, der ihn immer wieder herausfordere.

3. Carolyn Kopprasch

„Ich hoffe, Ihr wurdet nicht zu sehr mit E-Mails überschwemmt, nachdem Ihr die Happiness-Hero-Stelle online gestellt habt.“

Kopprasch war die erste Mitarbeiterin bei Buffer. Das Zitat ist der erste Satz ihrer damaligen Bewerbung um eine Position als Kundenservice-Mitarbeiter, die bei Buffer Happiness Hero heißen. Dem Gründer gefiel, dass sie sich zuerst nach dem Unternehmen erkundigte – und in ihrer Bewerbung nicht durchgehend von sich redete. Kopprasch ist nun Chief Happiness Officer – und Widrich rät jedem, mindestens eine einfühlsame Person im Unternehmen zu haben, die das Wohl anderer über ihr eigenes stellt.

4. Dharmesh Shah

„Aufgrund einiger Leute, die bei Euch mit an Bord sind, habe ich entschlossen, mich [an der Seedrunde] zu beteiligen.“

Der HubSpot-Mitgründer Dharmesh Shah beteiligte sich ebenfalls an Buffer. Der einzige Kontakt vor Shahs Investment seien zwei E-Mail-Konversationen gewesen, erzählt Widrich auf der Bühne. Kein Telefonat, kein Treffen. Die richtigen Leute hätten das Fundraising erleichtert. Wichtig sei zu zeigen, was man bereits erreicht habe.

5. Buffer-Kunden nach dem Hack

„Wir sind noch Freunde.“

2013 wurde Buffer Opfer eines Hacks, bei dem Twitter- und Facebook-Accounts von Buffer-Nutzer gehackt wurden. „Das war Buffers schlimmster Albtraum“, erinnert sich Widrich. Sie gingen offen mit dem Hack um, was ihnen half, größeren Imageschaden bei den Nutzern zu vermeiden. Es sei einfach transparent zu sein, wenn alles gut laufe, so Widrich. Doch worauf es wirklich ankomme, sei Offenheit, wenn es Probleme gebe.

6. Ein Bewerber bei Buffer

„Ich habe das Gefühl, mehr über Buffer zu wissen als über das Unternehmen, für das ich gerade arbeite.“

Das antwortete ein Bewerber auf Widrichs Frage, warum er bei Buffer arbeiten will. Widrich und sein Mitgründer haben länger überlegt, ob sie wirklich so transparent sein und sogar die Gehälter öffentlich machen wollten. Sie fürchteten sich vor den Reaktionen. Doch Bewerber wie dieser zeigten ihnen, dass man an den eigenen Werten festhalten sollte.

7. Courtney Seiter

„Du stehst an der Spitze der Privilegien-Pyramide.“

Seiter ist bei Buffer für die Themen Zugehörigkeit und Kultur zuständig. Durch sie habe er richtig verstanden, dass die Tech-Welt ein Diversitätsproblem habe, erzählt Widrich. Außerdem sei ihm klar geworden, dass angeborene Privilegien dazu beitragen, dass er dort stehe, wo er jetzt sei. Widrich glaubt, jeder brauche eine Person an seiner Seite, die einem die Augen öffnet.

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8. Steven Sinofsky

„Zwei Dinge haben Priorität: Du willst nicht, dass die falschen Leute gehen und du willst die Würde der Leute bewahren, die du entlässt.“

Der ehemalige Windows-Chef Sinofsky gab Widrich diesen Rat, als dieser Mitarbeiter entlassen musste. Erst vor einigen Monaten strichen die Gründer zehn Stellen, weil das Unternehmen zu viel Geld ausgab. Nun arbeiten noch rund 80 Mitarbeiter für Buffer. Sein Rat an das Publikum: „Findet jemanden auf Eurem Weg, der Euch [in diesen schwierigen Situationen] hilft.“

9. Crystal Schall

Schall sei eine Buffer-Kundin, die den Kundenservice als eine Art „Therapie“ genutzt habe, erzählt Widrich. Als der Ehemann der Kundin starb, schickte sie ihre Gedanken an einen Buffer-Mitarbeiter, der sich mit ihr unterhielt. Erst durch die öffentlichen Dankes-Tweets der Kundin erfuhr Widrich davon. Dass sich jemand in seiner Firma so fürsorglich verhalte, zeige ihm, dass Buffer auf einem guten Weg sei, sagt er.

10. Roy Opata Olende

„Es fühlt sich an, als ob wir durch die Hölle kriechen.“

Mitarbeiter von Buffer können an einem internen Accelerator-Programm teilnehmen, wo sie Produkte entwickeln und ein eigenes Startup gründen können. Roy Opata Olende nahm daran teil – und antwortete auf Widrichs Frage, wie es läuft: „Es fühlt sich an, als ob wir durch die Hölle kriechen.“ Widrich gibt zu, dass er mit der Zeit vergessen habe, wie schwierig es sei, ein Startup aufzubauen. Die Ehrlichkeit seines Mitarbeiters habe ihm das wieder vor Augen geführt.

Bild: Gründerszene