burnout

Ein Auszug aus dem Buch „So klappt’s mit dem Burn-out“ von Martin-Niels Däfler. Das Buch ist als Anti-Ratgeber geschrieben und gibt auf witzige Weise wieder, wie Normalos aus der grauen Masse der Dauergestressten herausragen können. Der folgende Buchauszug beinhaltet das sechste Kapitel „Fear of Missing Out (FOMO). Von der Couch-Potato zum Hispter.“.

Wie geht es dir? Hattest du Schwierigkeiten, die ersten fünf Schritte zu schaffen? Ich verstehe, wenn unser Programm schon jetzt anfängt, dir über den Kopf zu wachsen. Nur Mut! Das kriegen wir schon hin. So ein Burn-out will verdient sein. Da fließen schon mal Tränen. Aber das geht auch vorbei.

Damit zu unserer nächsten Aufgabe: Kennst du das Akronym „FOMO“? Nicht? Die Buchstaben stehen für Fear Of Missing Out und haben es schon zu einem eigenen Wikipedia-Eintrag gebracht. In den USA ist der Begriff unter Psychologen und Psychiatern schon lange bekannt. Er wird für Menschen verwendet, die Angst haben, etwas zu verpassen. Menschen, die bis zuletzt auf einer Party bleiben, weil ja noch etwas Cooles abgehen könnte. Menschen, die ein bestimmtes Buch lesen, nicht weil es ihnen gefällt, sondern damit sie mitreden können. Menschen, die auch den unbedeutendsten Mist mitmachen, aus lauter Angst, sie wären nicht mit dabei gewesen.

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Das Buch „So klappt’s mit dem Burn-out“ von Martin-Niels Däfler ist im Gütersloher Verlagshaus erschienen.

Ist ja auch völlig nachvollziehbar. Carpe diem! Pflücke den Tag, du weißt nie, wie lange du auf Erden wandelst, wann dich der liebe Gott, das Universum oder der heilige Klappstuhl abberuft. Draußen tobt das Leben, und du lümmelst auf der Couch und amüsierst dich bei Deutschland sucht den Superdepp. Nein, so geht es wirklich nicht. Memento mori – denke daran, dass du stirbst. Da gilt es doch wohl, jeden Moment bis ins letzte auszukosten und aber auch wirklich gar nichts auszulassen, was in unserer Multioptionsgesellschaft ja auch kein Problem ist. Das setzt einen natürlich ganz schön unter Druck. Aber genau das wollen wir ja.

Wäre es nicht wunderbar, wenn du auch zu so einem Menschen würdest, zu einem, der auf allen Hochzeiten tanzt? Einer, der keine fünf Minuten ruhig im Sessel sitzen kann, weil in dieser Zeit ja 136 andere Sachen passieren. Einer, der lieber eine Zahnwurzelbehandlung über sich ergehen lassen würde, als eine halbe Stunde auf sein Smartphone, sein Tor zur Welt, zu verzichten. Einer, der in schallendes Lachen ausbricht, wenn ihn sein bester Freund fragt, ob er spontan heute Abend Lust auf ein Bierchen hat.

Spontan? Heute Abend? Das nächste freie Zeitfenster ist bei dir in elf Wochen, und auch nur dann, wenn das Wetter schlecht sein sollte. Ansonsten bist du da nämlich zum Paragliden am Großen Arlberg. Es ist leichter, beim Papst eine Privataudienz zu bekommen, als mit dir ins Kino zu gehen. Gell, das wäre schon sehr vorteilhaft in Sachen Burn-out, wenn wir dich zum FOMO upgraden könnten? Im Folgenden also meine praxiserprobten Tipps.

Zunächst gehst du mal auf die Website www.ratemyfomo.com – dort kannst du einen Online-Selbsttest absolvieren und herausfinden, wie gut du schon bist.

Das ist natürlich nur ein Einstieg. Schauen wir uns nun mal an, was du in der Firma machen kannst, um zum FOMO zu reifen.

Wir hatten es gerade im letzten Kapitel: Meetings sind eine geniale Errungenschaft des modernen Geschäftslebens, zumindest unter dem Aspekt der Burn-out-Gefährdung. Sie halten einen von der eigentlichen Arbeit ab und verschaffen einem zusätzliche Aufgaben. Aber darum geht es uns nun nicht, sondern allein um die Tatsache, dass du in Besprechungen eine Menge Leute, oft aus anderen Abteilungen, triffst und auf diese Weise erfährst, was in eurem Laden so alles abgeht.

Nutze diese einmalige Gelegenheit, um herauszufinden, welche Projekte in den anderen Bereichen gerade so brodeln, welche Gerüchte derzeit im Umlauf sind und wer sich um die Nachfolge von Dr. Sprenger beworben hat. Also: Lass einfach keine Besprechung mehr aus – geh zu jedem Meeting, zu dem du eingeladen wirst. Sobald in deinem Outlook eine Einladung erscheint, akzeptiere sie, unabhängig davon, ob die Inhalte wirklich von Bedeutung für dich sind.

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