Ist der Businessplan noch zeitgemäß? firmade

Experten sind sich uneinig darüber, ob der Businessplan heute noch Relevanz besitzt

Zwischen Geschäftsidee und Firmengründung schreiben Unternehmer in der Regel einen Businessplan. Mit ihm sollen Banken, Förderinstitute, Business Angels und Investoren von der Geschäftsidee überzeugt werden. Durch sein umfangreiches Zahlenwerk können einerseits geplante Entwicklungen durchkalkuliert und ein konkreter Fahrplan mit Meilensteinen für die nächsten Jahre erstellt werden.

Auf der anderen Seite wird er von vielen Gründern als sinnlose Pflichtübung betrachtet. Dem Businessplan wird häufig vorgeworfen, er sei bereits veraltet, sobald er aus dem Drucker kommt. Schließlich seien die Märkte zu instabil, als dass präzise Wachstumszahlen prognostiziert werden könnten. Auch die Auswirkungen technischer Innovationen können in ihm nicht vorhergesehen werden. Hier bietet das Business Modeling eine gelungene Alternative: Dabei wird die Geschäftsidee auf einem Whiteboard entwickelt und konzeptionell durchgerechnet. Business Modeling gilt als variabler, ist aber gleichzeitig unpräziser.

Warum hat der Businessplan nicht ausgedient?

Verbindet das moderne Business Modeling mit dem klassischen Businessplan: Jan Evers von SmartBusinessPlan

Jan Evers ist Experte für Investitionsentscheidungen und berät seit 14 Jahren Banken, Förderinstitute und Startups und ist sowohl mit dem Businessplan als auch dem Business Modeling bestens vertraut. Für die Online-Software-Firma SmartBusinessPlan hat er eine Funktion entwickelt, die das Business Modeling automatisch in den Businessplan integriert. Der Experte ist sich sicher, dass der Businessplan noch lange nicht ausgedient hat, im Gegenteil: Der Businessplan strukturiere Evers zufolge das Denken der Gründer.

Durch ihn könnten diese bereits im Vorfeld der Gründung die Schritte zur Umsetzung der Geschäftsidee planen und sich einen Überblick darüber verschaffen, wieviel Kapital sie benötigen. „Ein gut ausgearbeiteter Businessplan liefert eine Roadmap für den Gründungsprozess und die ersten Monate danach. Mit seiner Hilfe kann ich beispielsweise schon früh festlegen, wen ich akquiriere und meine Vertriebsmaßnahmen skizzieren. Merke ich, dass diese Maßnahmen nicht funktionieren, bin ich in der Lage, rechtzeitig auf einen Plan B umzustellen“, ist sich Evers sicher.

Doch auch nach der Gründung  sollten Startups über eine konkrete Liquiditätsplanung verfügen. Diese kann der Businessplan vorgeben. Auch die Wege, wie Kapital in das Unternehmen fließen soll, können so im Vorfeld ausgearbeitet werden.

Auch Banker, Investoren und Förderinstitute bauen auf den Businessplan. Bei ihrer Investitionsentscheidung nutzen sie die Kalkulation, um sich einen Überblick über die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen des Unternehmens zu verschaffen. Erst dann treffen sie eine Kaufentscheidung, denn sie wollen sehen, wohin die Reise führt. Um hierzu verlässliche Aussagen zu treffen, bedarf es mehr als nur eines Ausschnitts. Um eine Investitionsentscheidung treffen zu können, kommt es darauf an, präzise Vorhersagen über die Entwicklung von Mitarbeiterzahlen, Umsätzen und Gewinnen treffen zu können. Der Businessplan liefert diese belastbaren Zahlen und schafft eine vernünftige Entscheidungsgrundlage für die Beteiligten.

Dennoch ist sich auch Evers sicher, dass der Businessplan niemals genauso eintrifft, wie er kalkuliert wurde: „Auch ich bin überzeugt, dass man einmal die gesamte Idee durchrechnen sollte, um abschätzen zu können, ob sie überhaupt umsetzbar ist.“ Daher ist es für Banken durchaus sinnvoll, auf einen Businessplan zu bestehen, der auf drei Jahre durchgerechnet wurde. „Klar wird wahrscheinlich schon der fünfte Monat anders verlaufen als geplant und selbstverständlich weichen im zweiten Jahr die Zahlen und Entwicklungen stark von den Businessplanprognosen ab, aber wenn alles einmal sauber durchkalkuliert wurde, bekommt man ein Gefühl für die Zahlen,“ empfiehlt Evers angehenden Gründern.

Aber dann liege es auch am Unternehmer selbst, diese Zahlen richtig zu bewerten. Denn es sei genauso falsch, sich zu hundert Prozent auf den Plan zu verlassen, wie ganz auf den Plan zu verzichten. Evers hat auch hierbei schon etlichen Startups aus der Krise geholfen: „Ich höre häufig das Problem, dass die Ausgaben voll im Plan liegen würden, aber die Einnahmen dem Plan hinterherhinken. Dann müssen Gründer nachjustieren, anstatt am Businessplan festzuhalten.“

An dieser Stelle ist firma.de ein hilfreicher Partner: Der One-Stop-Shop aus Wiesbaden prüft kostenlos für Gründer den Businessplan und unterstützt Startups auch nach der Gründung mit seinem Beraternetzwerk. Bundesweit kann aus bis zu 50 geprüften Gründungsexperten ausgewählt werden, die darauf spezialisiert sind, solche Probleme zu lösen. Mit ihrer Erfahrung, Routine und Kompetenz können so frühzeitig Stolpersteine identifiziert werden.

Wie realistisch ist der Businessplan?

Ist der Businessplan noch zeitgemäß? firma.de

Kritisiert den klassischen Businessplan: Professor Günter Faltin

Doch auch der Businessplan hat seine Kritiker. Einer davon ist Günter Faltin. Der Berliner Professor für Entrepreneurship vergleicht den Businessplan mit einer Sportwette: „Stellen Sie sich vor, Sie sollen den Stand in der 57. Minute eines Fußballspiels vorhersagen. Das ist unmöglich, weil keiner den Verlauf des Spiels vorhersagen kann.“ Dabei sei der Verlauf eines Fußballspiels wesentlich einfacher zu prognostizieren, als die Entwicklung eines Startups abzuschätzen: „Ein Fußballspiel findet in einer verhältnismäßig einfachen und stabilen Konfiguration statt: Das Spielfeld ist klar definiert. Auf beiden Seiten stehen elf Spieler auf dem Platz. Die Spielregeln sind vorher bekannt und ändern sich im Verlauf des Spiels auch nicht.“

Ein Startup hingegen müsse sich auf einem nicht klar definierten Spielfeld mit der Konkurrenz messen und eine klare Abgrenzung von anderen Spielfeldern gebe es nicht. Wenn ein Startup beispielsweise Mobiltelefone entwickle, müsse es sich auch gegenüber Konkurrenten aus anderen Kommunikationsfeldern wie Skype oder Whatsapp durchsetzen. Des Weiteren würden ständig neue Konkurrenten auf die Märkte strömen und wieder verschwinden. Außerdem könnten sich auch die Regeln schlagartig ändern, wenn beispielsweise ein Discounter das Produkt zu einem Dumpingpreis verkaufe oder wenn sich die Gesetzeslage verändere, so Faltin. Selbst für ausgewiesene Experten ist es demnach unmöglich, Entwicklungen fünf Jahre im Voraus zu prognostizieren.

Doch auch wenn es bei einem Fußballspiel unmöglich ist, den Spielstand zu einer bestimmten Spielminute vorherzusagen, sollte ein Trainer seine Taktik dann wirklich nur für die ersten 20 Minuten planen? Auch er muss eine möglichst konkrete Vorstellung vom gesamten Spielablauf haben. Ähnlich ist es mit dem Businessplan: Eine prinzipielle Vorstellung von Wachstumszahlen und Marktentwicklungen kann nicht verkehrt sein.

Die flexible Alternative: Das Business Modeling

Doch wie kann auf diese äußeren Faktoren nun reagiert werden? Wie können Startups ihre Kalkulationen anpassen und zeitnah auf Marktveränderungen reagieren? Die Lösung bietet die Ausarbeitung eines Geschäftsmodells, das sogenannte Business Modeling. Business Modeling gilt als variabler als der Businessplan und erfreut sich deshalb besonders bei Startups in der Technologiebranche äußerster Beliebtheit. Beim Business Modeling wird das Kerngeschäft auf einer Leinwand oder am PC entwickelt. Dazu wird das gesamte Modell in verschiedene Bausteine unterteilt, die zur Erstellung des Produkts oder der Dienstleistung notwendig sind. Das Modell umfasst also auch Zulieferer oder andere Geschäftsbereiche, die häufig vernachlässigt werden. Entwickelt wird das Modell anhand von Fragen an den Gründer, die auf einem Whiteboard beantwortet werden und an den  entsprechenden Stellen in den Bausteinen eingefügt werden. Dabei entsteht ein flexibles Modell und eine klare Wertschöpfungskette wird deutlich. So werden aus losen Konzepten feste Strukturen, Fehler offensichtlich und Geschäftsideen zur Marktreife gebracht. Am Ende steht eine grafische Übersicht des Geschäftsmodells. Die Flexibilität ergibt sich daraus, dass das Modell zu jedem Zeitpunkt überarbeitet und an neue Marktgegebenheiten oder Nachfragen angepasst werden kann.

Evers weiß allerdings auch, dass das Geschäftsmodell nicht ohne Schwächen auskommt: „Das Modeling ist eher darauf ausgerichtet, die Zauberformel für ein Produkt zu finden, aber für die Masse der Gründer ist es eine Überforderung.“ Viele Gründer investieren zu viel Zeit in das Modell und verpassen den Weg in die Praxis. Am Ende spricht auch die Statistik gegen das Modell: „Das Ziel des Business Modelings ist es, eine unschlagbar tolle Idee zu entwickeln und dann einen Investor zu finden. Doch wer findet schon einen Investor? In Deutschland kommt auf 99 Bankkredite lediglich ein Investor.“ Seriengründer und firma.de-Vorstand Michael Silberberger rät Gründern, das Geschäftsmodell anhand der Proof-of-Concept-Methode zu testen: „Hierbei wird mit einfachsten Mitteln ein Prototyp produziert oder ein Testlauf durchgeführt. Mit dieser Methode können Investoren und Banken überzeugt werden, dass eine Nachfrage besteht, die Dienstleistung erbracht werden kann und die Idee funktioniert.“

Theorie und Praxis

Prinzipiell kommen Startups weder ohne Businessplan noch ohne Business Modeling aus. Die Fragen, was wie und zu welchem Preis produziert werden soll, müssen geklärt sein. Die gefeierten Startups, also die Ubers dieser Welt, die eine bahnbrechende Idee entwickeln und genau ein Problem lösen, werden weiterhin einen Großteil der Zeit am Reißbrett verbringen, einen reduzierten Kern entwickeln und mit ihrer Idee ohne Probleme einen Investor finden. Aber diese Startups stellen nur einen minimalen Teil der gegründeten Unternehmen dar. Der Großteil der Gründer in Deutschland wird weiterhin Businesspläne schreiben und sich einen Kreditgeber suchen müssen.

Doch in einem Punkt sind sich alle einig: Am Ende zahlt sich aus, Zeit in das Geschäftsmodell zu investieren und den Businessplan sauber durchzukalkulieren. Denn je besser durchdacht eine Idee und je besser ein Businessplan ist, desto leichter fällt der Start mit einem Unternehmen. Als Kompromiss schlägt Evers vor, das Beste aus beiden Welten zusammenzuführen. Wer zuerst das Produkt im Business Modeling entwickelt und die Erkenntnisse daraus in den Businessplan überträgt, profitiert von den Vorteilen beider Methoden.

Egal ob Businessplan oder Business Modeling: Die Profis von firma.de betreuen Ihre Firmengründung für Sie und bieten Ihnen die ideale Outsourcing-Lösung für Ihre Lohnbuchhaltung an. Auch eine komplette und auf die Google-Suche optimierte Webseite können Sie bei firma.de buchen.
Rufen Sie uns einfach an und informieren Sie sich unter 0611 17 207 0. Wir freuen uns auf Ihren Anruf!

 

Bild 1: Minerva Studio | fotolia.com
Bild 2: SmartBusinessPlan
Bild 3: Günter Faltin
Text: Daniel Grühn