Campus Party Berlin

Campus Party klingt wie eine Studentenparty. Abgesehen von der hohen Teilnehmerrate an Studenten hat es damit allerdings nicht viel auf sich. Das Computer-Festival kam in der vergangenen Woche zum ersten Mal nach Deutschland und beherbergte 10.000 Technik- und Internet-begeisterte Menschen im ehemaligen Flughafen Tempelhof in Berlin. Mit Talks und Workshops von Astronomie über Computerhardware bis hin zu Entrepreneurship waren die Veranstaltungstage prall gefüllt. Gründerszene war vor Ort und lauschte Top-Speakern von Paulo Coelho bis Sir Tim Berners-Lee.

Campus Party: LAN-Party mit Philipp Rösler und Neelie Kroes

Die Campus Party kommt ursprünglich aus Spanien. 1997 hat sie als LAN-Party angefangen und ist mittlerweile ein Festival der Innovation und Technik. Seit 2008 hat sich die Veranstaltung in Südamerika ausgebreitet und ist immer größer geworden. Mit Deutschland betrat das Tech-Festival in diesem Jahr ein zweites europäischen Land.

Auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof versammelten sich vom 21. bis 26. August 10.000 Gamer, Programmierer, Blogger, Studenten und Vertreter von Regierungen und Universitäten aus aller Welt. Sie redeten, experimentierten und lauschten zu den Themen Internet und Technik.

Für das Festival wurde die halboffene „Flugzeuggarage“ des ehemaligen Großflughafens aufbereitet; der Platz unter dem gigantischen Vordach wurde mit Standardcontainern vom ehemaligen Rollfeld abgegrenzt. In der langen Halle wurden insgesamt neun Bühnen aufgestellt, dazwischen befanden sich lange Reihen mit Tischen und Stühlen. Jeder Platz war mit Internetanschluss versehen – WLAN gab es nicht, dafür direkte Verbindungen über ein Netzwerkkabel. Um alle Teilnehmer mit Internet zu versorgen, mussten insgesamt mehr als acht Kilometer von diesen Kabeln verlegt werden.

Einen Teil der Party macht noch immer das Gaming aus – einige Besucher kamen extra nach Berlin, um Computer zu spielen und mitunter hohe Geldpreise abzugreifen, neben den 500 Speakern fiel die LAN-Party aber nicht mehr auf. Zudem schafften es die Main-Speaker Paulo Coelho, Tim Berners-Lee, Don Tapscott, Neil Harbisson und Jon „Maddog“ Hall selbst, die Gamer zeitweise von ihren PCs zu holen.

Unzählige Talks und Präsentationen auf der Campus Party

Bei der Größe der Veranstaltung und der Fülle des Programms war es nicht möglich, alles mitzubekommen, was auf der Campus Party gleichzeitig passierte. Auf der Galileo Stage wurden Computer umgebaut, Roboter präsentiert und sogar erklärt, wie man Dinge baut, die im All fliegen. Was kann man mit all den Daten da draußen machen, wie kann man sie darstellen und präsentieren? Aber auch Vorträge über Design, Film und Fotografie fanden statt – auf der „Michelangelo“-Bühne.

Auf den insgesamt neun Bühnen ging es außerdem um Blogs, Webentwicklung, Biotechnologie, freie Software, Sicherheit und Netzwerke und natürlich Entrepreneurship. Und dies beschreibt bei Weitem noch nicht die Vielfalt der Themen auf der Konferenz.

Insgesamt waren viele der Talks eher Einführungen in die Themen als tiefergehende Arbeiten. Also perfekt, um sich anzuhören, wie man kleine Satelliten baut, obwohl man weder Ahnung von Physik noch von Technik hat. Andere Themenfelder waren bekannter und daher eher oftmals redundant.

Neben den Präsentationen war auch unter den Workshops einiges für Gründer dabei: Ideen für Apps einfach umsetzen, bei Barcamps den Businessplan vorstellen oder sich einfach mal auf den neuesten Stand im Übertakten von Prozessoren bringen.

Politik will Innovation fördern

Gleich zu Beginn der Party am Dienstagabend hatten Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler auf der Bühne und EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso über eine Videobotschaft ihre Unterstützung für die Campus Party ausgesprochen. „Campus Party kann wirklich einen Unterschied machen!“, mit diesen Worten ermutigte Barroso die Internet- und Technik-Freunde. Rösler ging sogar noch weiter und meinte: „Menschen wie Sie hier auf der Campus Party gestalten unsere Zukunft, angetrieben von ihrem Sinn für Optimismus und Enthusiasmus für Technologie.“

Als eine der letzten Talks präsentierten die Gewinner der #I4DA Initiative ihre Ideen für die digitale Agenda Europas. Bei der Initiative sollten Menschen auf Twitter ihre Ideen zu den Themen Youth Employment, Entrepreneurship, Aging Well, Health und Internet Rights posten. Die jeweils beste Idee für jedes Thema wurde dann zusammen mit EU-Viezepräsidentin und Kommissarin für die digitale Agenda Neelie Kroes präsentiert.

Sie betonte dabei, dass 2016 700.000 neue Arbeitsplätze in Informations- und Kommunikationstechnologien entstünden, die mit begeisterten und kompetenten Leuten besetzt werden müssen und dass Innovation in diesem Bereich genutzt und gefördert werden müsse.

Campus Party Berlin – ein wichtiger Schritt mit Potenzial

Die Campus Party war in jedem Fall ein starkes Event, das Aufmerksamkeit auf eine wichtige Branche und Entwicklung gezogen hat. Um noch mehr als Aufmerksamkeit und Interesse zu wecken, muss die Campus Party Berlin allerdings noch ein wenig mehr Orientierung geben.

Es war sehr schwer, im Vorfeld einen Überblick darüber zu gewinnen, was die Teilnehmer eigentlich erwartet. So hat man leicht interessante Vorträge verpasst und erst im Nachhinein erfahren, dass es interessant gewesen wäre. Mit einem besseren Überblick finden sich auf der nächsten Campus Party auch die Techies mit ähnlichen Interessen ohne Umwege.

Bilder: Aythami Melián Perdomo, Magdalena Räth und Campus Party Berlin 2012