Portrait by Michel Buchmann

Antonia Albert (26) startete Careship gemeinsam mit ihrem Bruder

Als ihre Großmutter zum Pflegefall wurde und Antonia Albert keinen passenden Betreuer fand, nahm sie die Sache selbst in die Hand – und gründete die Online-Plattform Careship. Dort werden Senioren und ihre Angehörigen über Leistungsansprüche informiert und mit persönlichen Betreuern und Pflegern zusammengebracht.

Das Unternehmen gründete sie gemeinsam mit ihrem Bruder Nikolaus Albert im vergangenen Jahr. Während sie zuvor für Rocket Internet im Business Development arbeitete, hat er einen Hintergrund in der Luft- und Raumfahrttechnik. Heute arbeiten 15 Mitarbeiter für das Startup, das Geld über ein transaktionsbasiertes Provisionsmodell verdient. Konkret heißt das: Careship bekommt pro gebuchter Stunde 20 Prozent. Verfügbar ist das Angebot von der Plattform in Berlin, Hamburg, Frankfurt und Düsseldorf. In Kürze sollen München, Köln und weitere Städte folgen.

Anfang dieses Jahres sammelten die Berliner bei einer Finanzierungsrunde einen sechsstelligen Euro-Betrag ein, unter anderem mit Business Angel Christophe Maire, der verstärkt im Food- und Healthcare-Bereich investiert. Auch Mariella Ahrens unterstützt die Plattform. Der Promi engagiert sich mit einem Verein seit elf Jahren für Senioren.

Die Gründerin im Kurzinterview.

Antonia, Du willst die Lebensqualität von Senioren verbessern. Wie machst Du das?

Es gibt so viele Senioren, die den ganzen Tag alleine sind und keine Unternehmungen mehr machen, weil die passende Unterstützung fehlt. Dabei braucht es dafür oft nur einen unterstützenden Arm, ein offenes Ohr und etwas Zeit. Doch Angehörige haben meist kaum Zeit oder wohnen zu weit weg. Durch individuelle Hilfe möchten wir Senioren im Alltag unterstützen und ihnen helfen, das zu tun, was ihnen Freude bereitet. Vom Theaterbesuch über gemeinsames Kochen, Wegbegleitungen und Hilfe im Haushalt ist alles möglich. Wir sind überzeugt, dass wir durch passende Unterstützung die Lebensqualität von Senioren steigern können.

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Du warst vorher bei der Firmenschmiede Rocket Internet. Dort geht es um Quantität und nicht Qualität. Wie passt das zusammen?

Es gibt bei Rocket unzählige Leute, die einfach etwas gründen wollen, um zu gründen. Ehrlich gesagt war ich nie einer davon. Ich habe mit dem Thema Pflege nie etwas zu tun gehabt und bin vor einem Jahr völlig unvorbereitet darauf gestoßen, als meine Großmutter plötzlich pflegebedürftig wurde. Wir haben keinen passenden Betreuer für sie gefunden, das war unfassbar frustrierend. Ich habe mit meinem Bruder zusammen gegründet, um andere Familien in einer ähnlichen Situation zu unterstützen. Wir wollen etwas besser machen, einen richtigen Mehrwert schaffen und setzen 100 Prozent auf Qualität.

Gerade findet in Deutschland die Pflegereform statt. War auch das ein Grund für die Gründung?

Die Pflegereform ist die größte und weitreichendste Reform seit der Einführung der Pflegeversicherung. Und sie kommt unserem Modell sehr zugute, weil es neue Leistungen und mehr Unterstützung von den Krankenkassen gibt, speziell was Betreuungsleistungen betrifft. Aber das war nicht der Grund, es zu gründen.

Es gibt einen Pflegekraftmangel in Deutschland. Bei Euch auf der Plattform nicht?

Ja, das sehen wir auch so: Es gibt einen Pflegekraftmangel in Deutschland, bei uns auf der Plattform aber eine steigende Zahl an Betreuern. Es gibt unfassbar viele Menschen, die andere Menschen im Alltag unterstützen wollen – und können. Man braucht aber nicht für jede Tätigkeit eine ausgebildete Krankenschwester. Wir arbeiten natürlich auch mit Pflegekräften zusammen, haben aber auch einen großen Anteil an Seniorenbetreuern und Alltagshelfern auf der Plattform. Es geht darum, Strukturen effizienter aufzusetzen.

Seine Eltern oder Großeltern einer fremden Person anzuvertrauen, ist für viele keine schöne Vorstellung. Wie siehst Du das persönlich?

Die Situation ist nie schön. Aber man kann versuchen, eine bestmögliche Lösung zu finden. Man kann die Pflege und Betreuung selbst übernehmen, den Senior ins Pflegeheim geben oder externe Hilfe holen. Wer selbst pflegt, geht einen tollen Schritt, muss sich beruflich aber meist stark verändern. Ins Pflegeheim möchte kein Senior, 90 Prozent der Senioren wollen zuhause alt werden. Wenn man einen passenden Betreuer findet, der auch angenommen wird, ist das eine große Hilfe. Für den Senior wird die Lebensqualität gesteigert, und Angehörige können mit einem sicheren Gefühl Entlastung erfahren.

Bild: Careship