Es kommt nicht gerade häufig vor, dass man in seinem Redaktionsalltag die Möglichkeit hat, sich in 14 Tagen 146 Pitches von Startups anzuschauen. Da fehlt einfach die Zeit. Unsere Kollegin Biz Carson von Business Insider UK hat es trotzdem geschafft. Sie hat die Demodays von Y Combinator und 500 Startups besucht. „Fünf oder sechs dieser Startups können das nächste Airbnb, Dropbox oder Reddit sein“, vermutet sie. „Der Rest wird einfach verschwinden, von einer größeren Firma gekauft oder den Betrieb vollkommen einstellen.“

Carson konnte durch das Marathon-Pitching aktuelle Trends ausmachen, die in der Szene gerade weit verbreitet sind.

Sicherheit

Target, Sony, Ashley Madison: Eine lange Liste von Unternehmen ist in letzter Zeit Ziel eines Datenhacks geworden. Klar, dass es immer mehr Startups gibt, die sich mit Datensicherheit beschäftigen. Dabei wird das Thema Sicherheit aus vielen verschiedenen Perspektiven behandelt. Aber noch kein Unternehmen hat den neuen Sicherheits-Standard gesetzt. Hier gibt es jede Menge Potenzial.

Hardware

Alleine beim Pitchevent von YCombinator präsentierten sich 20 Hardware-Startups. Genau so viele wie B2B-Startups. Dabei ging es nicht nur um die Weiterentwicklungen von Smartwatches. Die jungen Firmen entwickeln alles. Von einer neuen Dusche, über Brühautomaten für Gemüse bis zu Robotern, die Sandwiches machen. Fitbit hat mit seinen Fitnessprodukten bewiesen, dass man mit Hardware Erfolg haben kann. Jetzt wird alles neu erfunden. Sogar Bettdecken.

Recruiting

Viele Startups wollen den Recruiting-Prozess verbessern und neue Wege finden, wie Firmen und neue Mitarbeiter zueinander finden. Was heißt das für die Job-Suchenden? Es kann sein, dass sie in Zukunft einen automatisierten Test oder Einstellungsinterviews außerhalb ihrer Wunschfirma machen müssen, bevor sie überhaupt als Bewerber zugelassen werden.

Netzwerke

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Soziale Netzwerke sind tot. Offenbar will niemand gegen Facebook antreten. Nur zwei der 146 Startups waren soziale Netzwerke. Eins kümmerte sich um die Vernetzung von Studenten, das andere begann als Dating-App für lesbische Frauen und will nun ein Netzwerk für alle Frauen werden. Keine einzige Messaging-App, Foto-Sharing-App oder Location-Check-In-App wie Foursquare war am Start.

Gewinn

Viele der Tech-Startups waren in Wirklichkeit kleine, profitable Nicht-Tech-Businesses. Ein junges Unternehmen, das nach eigener Aussage giftfreie Kondome produziert, die Frauen gut finden, ging in der Präsentation lediglich auf die tolle Gewinnmarge ein. Nicht auf die Technologie hinter dem Design – oder warum Frauen nun so scharf darauf wären.

Ein X für Y

Da gibt es das Bloomberg für Investoren oder das Twitch für für Programmierer. Ein Vergleich mit bestehenden Produkten macht die Präsentation leichter. Es sei offensichtlich, was das Uber für Umzüge plant. Es wird für diese Art Startups schwierig sein, eine richtig große Firma zu werden, sagt Carson, wenn es schon vergleichbare Multimillionen-Player auf ihrem Gebiet gibt.

Raus aus dem Valley

Auch wenn das Leben in San Francisco und Umgebung sehr bequem sein kann: Startups blicken verstärkt auf Märkte außerhalb der USA. Chaldal baut klimatisierte Mikro-Lagerhäuser, um alle Kunden, die in der Stadt Dhakar wohnen, innerhalb einer Stunde mit frischen Einkäufen versorgen zu können. Red Carpet konzentriert sich mit einem Onlineshopping-Konzept für kleinere Läden auf den indischen Markt.

Rein in die Nische

Startups gehen mit ihren Produkten in die Nische. Mag sein, dass viele Märkte bereits gesättigt sind, aber es wird immer noch eine Lücke gefunden. Das erobert neue Märkte, auch wenn sie nur sehr klein sind. Ein Startup lässt das bestellte Essen in Universitäten oder Schulen von Studenten und Schülern ausliefern, die sich in ihrer Gegend und in den Gebäuden perfekt auskennen. Nischenprodukte und -märkte machen es nicht leichter, Investoren zu überzeugen. Aber Facebook ist auch von einem Nischenprodukt für Studenten zu einer globalen Marke geworden.

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