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„Ab dem ersten Euro Fremdkapital muss man Profi sein“

Mit dem Finanzdienstleister AWD war Carsten Maschmeyer selbst einer der erfolgreichsten deutschen Gründer. Ende 2007 verkaufte er sein Unternehmen an den Schweizer Versicherer Swiss Life – für 1,2 Milliarden Euro. 2011 zog sich Maschmeyer aus dem Geschäft zurück. Seither ist er vor allem als Investor tätig, unter dem Dach der Maschmeyer Group hat er drei Investmentfirmen versammelt: den High-Tech-Frühphaseninvestor Mic, die Vermögensverwaltung Paladin sowie für Beteiligungen an Firmen aus den Bereichen Internet, Technologie, Gesundheit, Green und Clean Tech die Investmentfirma Alstin

Mit Alstin ist Maschmeyer an einer ganzen Reihe von Startups beteiligt – an Barzahlen etwa, Crossvertise oder Orderbird. Im Interview erklärt Maschmeyer, wann Startups für ihn interessant werden, welche Gründertypen der Star-Investor sucht und welche Gründe das Scheitern seines Portfoliounternehmens HausMed hatte, das im Januar Insolvenz anmelden musste.

Herr Maschmeyer, mit Ihrer Investmentfirma Alstin sind Sie an über 30 Firmen mit ganz unterschiedlichen Geschäftsmodellen beteiligt. Gibt es für die einen gemeinsamen Nenner? Etwas, das Sie in jedem Startup suchen?

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Das Geschäftsmodell soll dazu führen, das Leben der Menschen bequemer, einfacher, günstiger zu machen. Das kann vieles sein: Mobile Event Guide zum Beispiel sorgt dafür, dass schwere Messekataloge überflüssig werden und alle Informationen in einer App sind, mit der man auch die letzten Aktualitäten erfahren und sich verabreden kann; Nu3 bietet den Kunden günstig die besten Nahrungsergänzungsmittel und Vitamine. Oder Blacklane, hier aus Berlin, die größte Limousinen-Online-Plattform. Limousinen holen Sie ab, Sie zahlen nur Taxipreise. Das sind großartige Geschäftsmodelle mit enormen Zukunftschancen.

Sie sind als Startup-Investor erst seit wenigen Jahren aktiv. Wie fällt Ihre Bilanz bisher aus?

Entscheidend ist natürlich die Auswahl. Die wiederum hängt davon ab, was für Menschen dahinter stehen. Wir haben branchenverändernde Produkte kennen gelernt, in die wir trotzdem nicht investiert haben – denn es war fraglich, ob es da eine gute Execution geben würde, ob das Management die nötigen PS auf die Straße bringen und die Beteiligten sich untereinander verstehen würden. Wir hatten auch schon mal eine Idee, bei der wir kein ganz großes Vertrauen in das Produkt hatten, dafür aber umso mehr in die Leute. Es hat geklappt. Natürlich ist die Idee aber sehr wichtig. Wir gehen ganz schnell in die Marktforschung, reden mit potenziellen Kunden. Menschen, die nicht wissen, dass wir uns für dieses Unternehmen interessieren, fragen wir: Würdet ihr das kaufen, würdet ihr das nutzen, würdet ihr da klicken? Unsere Vorstellung muss positiv sein, wir müssen Spaß mit diesen Menschen haben und sie wiedersehen wollen.

Eines Ihrer Investments war ein Fehlschlag: das Hausärzteportal HausMed. Was hat da nicht gestimmt?

Das ist ganz einfach: HausMed ist eine Initiative des Hausärzteverbandes, der maßgeblich an der Gesellschaft beteiligt war. Als Investor kommt man ja nicht darauf, dass der Hausärzteverband ein Hausärzteportal nicht einmal selbst auf die Reihe bekommt. Verbände funktionieren nicht wie rationale, effektive Unternehmen. Ein weiterer Punkt war: Der Geschäftsführer hatte nur fünf Prozent Aktien. Das ganze Management hatten gar keine Anteile. Das wird uns in Zukunft nicht mehr passieren. Entscheider, Gründer und Geschäftsführer müssen einen hohen Anteil haben, denn nur dann ist gewährleistet, dass sie sich auch richtig reinhängen. Wir streben nie die Mehrheit an.

Lernen Sie bei der Beschäftigung mit Startups eigentlich noch etwas dazu?

Vor allem bekomme ich einen Blick in die Zukunft. Wir haben letztes Jahr 1200 Ideen auf den Tisch bekommen, das ist hochspannend und enorm inspirierend.

Sie haben in der Vergangenheit erwähnt, dass Sie Alstin auch für externe Investoren öffnen wollen. Wann wird das soweit sein?

Es hat sich herumgesprochen, dass wir die Unternehmen gut weiterentwickeln, sie tatkräftig unterstützen und dadurch der Break Even schneller erreicht wird und der Unternehmenswert steigt. Wir geben ja nicht nur einfach Geld, sondern immer Smart Money. Wir unterstützen bei der Personalsuche, beim Vertrieb, in rechtlichen Themen und stellen unser Netzwerk zur Verfügung. Das spricht sich herum. Und wir haben Erfolg. Nehmen wir Blacklane: Da sind wir mit einer kleinen Summe eingestiegen, jetzt haben die zehn Millionen von Daimler bekommen auf einer 58-Millionen-Bewertung. Nun fragen bereits größere Family Offices an, aber auch institutionelle Investoren, ob sie mit investieren können. Wir werden das im Sommer für einige möglich machen.

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Welche drei Hauptfehler machen Gründer, die Sie ablehnen?

Wenn sie zu cool sind und meinen, sie könnten ihren Tagesablauf beliebig gestalten und nach der Finanzspritze erstmal einen Gang runter schalten. Das geht nicht. Ab dem ersten Kunden, ab dem ersten Euro Fremdkapital muss man Profi sein. Das zweite ist: Die Gründer müssen ganz schnell merken, wo sie nicht gut sind und für diese Bereiche erfahrene Senior-Leute einstellen. Drittens: Sie müssen lernen, so schnell wie möglich ihre Dienstleistung, ihr Produkt so kommunizieren zu können, dass der Vorteil offensichtlich ist.

Wenn Sie heute nochmal am Anfang Ihrer Karriere stehen würden, als junger Unternehmensgründer, würden Sie es da in der Digitalwirtschaft versuchen?

Wahrscheinlich. Als ich angefangen habe, vor 35 Jahren, da gab es nur face to face. Heute wird geklickt. Aber das ist eine hypothetische Frage. Klar: Was wir so sehen und wo wir uns beteiligen, da geht es sehr viel ums Internet. Aber wir haben genauso spannende Investments in Biotechnologie, Pharmazie oder Medizin. Da sind Erfindungen unterwegs, die das Leben vieler Menschen oder deren Gesundheit verbessern oder Krankheiten verkürzen können. Wir sind zum Beispiel an der Firma beteiligt, die das beste Medikament gegen den weißen Hautkrebs entwickelt. Und an einem Unternehmen, das im orthopädischen Bereich eine Revolution erzielt hat, Wenn ein Patient nach einem Hand- oder Fußbruch Schrauben eingesetzt bekommt, müssen die nach einem Jahr in der Regel wieder herausoperiert werden. Das ist jetzt vorbei. Die Schrauben lösen sich auf. Also: halbes Geld, halbes Leid, halbe Infektionsgefahr, halbe Zeit. Das sind Innovationen, die Industriegeschichte schreiben können. Solche Erfindungen und Produkte sind uns am liebsten, die echte Blockbuster werden können und die Geschäftsmodelle der traditionellen Unternehmen ablösen können.

Bild: www.carsten-maschmeyer.de