Daniel Strieder bietet mit Cashpresso ein Onlinekonto an – by Chris Marxen Link Headshots-Berlin.de

Daniel Strieder bietet mit Cashpresso einen Online-Dispokredit an

Wer schnell einen Kredit braucht, ist bei Banken oft an der falschen Adresse. Fintechs wie Cashpresso wollen ihren Kunden daher unkompliziert zu Geld verhelfen. Über das Onlinekonto von Gründer Daniel Strieder sollen Kunden in kürzester Zeit an bis zu 1.500 Euro kommen.

Strieder gründete Cashpresso gemeinsam mit Jörg Skornschek und Michael Handler im Jahr 2015. Das Unternehmen sitzt in Wien. Bislang konnte das Startup 2,7 Millionen Euro einsammeln. Neben dem Investor Speedinvest und dem Business Angel Hansi Hansmann ist auch Reimann Investors investiert. Sie sind der Eigentümer der Deutschen Handelsbank, welche die Kredite in Kooperation mit Cashpresso vergibt und finanziert.

Daniel, Ihr bezeichnet Euer Angebot als Dispo, aber es ist trotzdem eine Form von Online-Kredit. Und die haben nicht unbedingt den besten Ruf, weil die Anbieter oft Wucherzinsen verlangen.

Wir wollen uns ganz bewusst von den vielen Kleinkredit-Anbietern absetzen. Es geht uns nicht darum, hochverzinste Darlehen an solche Kunden zu vergeben, die bei der Bank kein Geld mehr bekommen. Uns geht es vor allem um Einfachheit: Der komplette Anmeldeprozess kann in weniger als zehn Minuten abgeschlossen werden – inklusive Bonitätscheck und Überprüfung der Identität.

9,55 Prozent Nominalzinsen müssen die Cashpresso-Kunden zahlen.

Damit liegen wir etwa in der Mitte dessen, was sonst im Markt verlangt wird, zwischen sechs und 14 Prozent sind üblich. Was aber viel wichtiger ist: Es gibt keine versteckten Gebühren. Und man zahlt die Zinsen nur für den Betrag, der auch wirklich in Anspruch genommen wird. Der Kunde kann jederzeit genau einsehen, wie viel Zinsen bereits gezahlt wurden und wie viel noch ansteht. Was außerdem wichtig ist: Drei Prozent des ausgebuchten Betrags müssen monatlich zurück gezahlt werden, damit die Schulden der Nutzer nicht weiter anwachsen.

Ihr habt Eurer Startup in Wien gegründet. Ist das hinsichtlich des Standorts ein Nachteil, weil die Startup-Szene nicht so groß ist wie etwa in Berlin oder London, dem größten Fintech-Hub in Europa?

Die Gründerszene in Österreich ist sehr interessant. Um Speedinvest als wichtigsten Startup-Geldgeber und die vielen Business Angels wie Hansi Hansmann hat sich ein tolles Ökosystem gebildet. Natürlich gibt es immer wieder Leute, die das anders sehen. Der Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer hat mir einmal gesagt: „Gute Idee, aber ihr müsst das in Berlin machen.“ London als Standort mag derzeit Vorteile haben, aber niemand kann sagen, wie die Situation nach dem Brexit aussehen wird.

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War es leicht für Euch, genug Kapital für Euer Unternehmen zu bekommen?

Wir hatten da bisher keine Probleme, bei uns sind sind neben Speedinvest und Hansi zum Beispiel die Gründer des von Adidas übernommenen Sport-App-Startups Runtastic und der deutsche Geldgeber DvH Ventures engagiert. Dass alles vielleicht etwas kleiner ist als in Berlin oder London hat den Vorteil, dass ich meine Investoren immer schnell erreichen kann. Und mit Reimann Investors, der Investmentgesellschaft der gleichnamigen Unternehmerfamilie, haben wir einen weiteren deutschen Geldgeber, der uns auch strategisch weiterhelfen kann. Die Familie ist auch bei der Deutschen Handelsbank engagiert, unserem Bankpartner.

Weil die meisten Fintechs auf ein Kreditinstitut im Hintergrund angewiesen sind. Können Startups trotzdem die Finanzwelt auf den Kopf stellen?

Ich glaube schon. Aber es muss ja nicht immer Wettbewerb sein. Wir glauben, dass man ohne Kooperationen nicht erfolgreich sein kann – das gilt aber in beide Richtungen. Derzeit sprechen wir mit einigen größeren Banken darüber, wie eine Zusammenarbeit aussehen könnte. Wir können uns vorstellen, unser Angebot auch mit dem Label der Institute anzubieten. Damit können die ihren Kunden eine gute Dienstleistung bieten und wir haben Zugang zum Kundenstamm der Banken.

Was war bislang die größte Herausforderung für Euch?

Der Fintech-Bereich ist nicht ganz ohne: Man darf sich keine Fehler erlauben und man muss von Beginn an viel Geld für Anwälte ausgeben, damit auch alles seine Richtigkeit hat. Nicht einmal eine Woche hat es nach dem ersten kleinen Test unter Freunden gedauert, bis ein Brief von der Aufsichtsbehörde da war. Es war auch nicht einfach, einen geeigneten Bankpartner zu finden. Und auch die Suche nach Entwicklern ist etwas schwieriger, weil sich wenige junge Programmierer mit dem Bankgeschäft auskennen.

Ihr steht mit dem reinen Dispo-Angebot noch ganz am Anfang. Was kommt als nächstes?

Im Sommer werden wir eine Kreditkarte anbieten, über die der Dispokredit überall und für alles in Anspruch genommen werden kann. Darüber hinaus wollen wir Cashpresso vor allem als Finanzierungslösung im Internet etablieren, da kann es dann wie eine Vorauskasse in Anspruch genommen werden, als eine Art Finanzierung oder zum direkten Bezahlen, wie es der Kunde möchte. Außerdem wollen wir unser Angebot in weiteren europäischen Ländern anbieten.

Legt Ihr Euch damit nicht auch mit Paypal, Apple, Google oder den Banken an, die auch alle das Bezahlen im Internet einfacher und flexibler machen wollen?

Ich glaube, dass wir als kleiner Anbieter einen brauchbaren Anteil erreichen können. Unsere Konkurrenten, dazu zähle ich vor allem Anbieter wie die Commerz Finanz oder der Targobank, sind groß und ihre Kredite komplex. Wir haben unseren Fokus von Beginn an auf eine einfache Bedienbarkeit gelegt. Studenten sind für uns eine große Zielgruppe, die will sich nicht mit langen Verträgen und Anmeldeprozessen auseinandersetzen. Auf Anbieterseite zielen wir zudem auf kleinere und mittelgroße Geschäfte ab. Oder auf den Reisemarkt. Der ist riesig und es gibt kaum gute Lösungen.

Daniel, vielen Dank für das Gespräch!

Bild: Chris Marxen