Casino VR-Gründer Marco Kobelt spielt mit der Datenbrille von Oculus Rift.

Marco Kobelt versucht die zwei Welten des Pokers zusammenzubringen. In der einen sitzen Herren in Anzügen an einem Tisch und nippen an ihren Drinks – jedes Zucken kann einen von ihnen verraten. Und in der anderen Welt hocken die Spieler vor sieben Bildschirmen. Jeder für sich. „Es geht bei dem Spiel im Netz nur noch um Wahrscheinlichkeiten“, sagt Gründer Kobelt, „Das hat wenig mit dem richtigen Poker zu tun.“

Mit dem Startup Casino VR wollen Kobelt und seine Mitstreiter ein virtuelles Casino erschaffen. Es soll ein Ort sein, an dem sich Spieler am Poker-Tisch unterhalten können. Wenn das Auge des Mitspielers zuckt, lässt sich das in die virtuelle Welt übertragen. An der Bar geht es dann mit dem Poker-Mitspieler auf einen virtuellen Drink. Weitere Spiele wie Black Jack und Roulette sind in Planung. „Unsere Vision ist es, dass die Leute nicht mehr nach Las Vegas fliegen müssen“, sagt Mitgründer Eric Adolphs.

In einer ersten Version müssen die Gamer erst einmal mit einer weniger ausdifferenzierten Welt Vorlieb nehmen. Ab Ende August ist das Spiel für die Entwickler-Gemeinde verfügbar. Mit einer Brille von Oculus Rift und einem Joystick von der Xbox 360 kann man sich durch die Spielhalle navigieren. Die Mitspieler können sich unterhalten – und durch den Raum zu laufen funktioniert auch. Bei den Emotionen hapert es noch: Das Team von Kobelt muss in diesem Punkt warten, bis die Technik aufholt. „Ein Unternehmen entwickelt beispielsweise gerade eine Möglichkeit, um die Bewegungen der Augen zu tracken“, sagt Kobelt.

Aufbruchstimmung bei Virtual Reality

Auf die Idee gekommen ist der Schweizer Kobelt mit fünf Kommilitonen. Einer davon ist der deutsche Mitgründer Eric Adolphs. Sie alle haben zusammen an der Universität in St. Gallen International Management studiert: „Wir haben gemerkt, dass bei der Technologie für Virtual Reality eine Aufbruchstimmung herrscht“, sagt Adolphs.

Anzeige
Bei nur einem Projekt aus der virtuellen Welt soll es deswegen nicht bleiben. Mit ihrem Company-Builder QBXNet sind weitere in Planung. Mittlerweile arbeiten in Pakistan 25 Entwickler an der virtuellen Casino-Welt. Und zehn Mitarbeiter in Barcelona und St. Gallen managen das Startup. „Wir haben uns zwischen London, Berlin und Barcelona entscheiden“, sagt Adolphs. In der spanischen Metropole will das Team von der aufstrebenden Virtual-Reality-Szene profitieren.

Gerade unter den Spiele-Entwicklern gilt das Schaffen virtueller Welten als großer Trend. Auf der diesjährigen Gamescom in Köln ist es eines der Hauptthemen. Auch Marco Kobelt ist da. Er testet die Brillen von verschiedenen Herstellern, zum Beispiel die HTC Vive. Die Brille von Oculus Rift in der Consumer-Version hat Kobelt ebenfalls getestet. Das Gerät soll Anfang 2016 auf den Markt kommen. „Das ist echt noch einmal eine krasse Verbesserung, alles ist sehr viel realer“, sagt Kobelt.

Eine Partie im virtuellen Casino

Denn bislang gibt es erst eine Version für Entwickler, etwa 200.000 hat das US-Unternehmen davon ausgeliefert. Das Gaming-Startup Casino VR plant 15.000 Downloads bis zum Ende des Jahres zu erreichen. „Wir wollen uns vor allem ein Feedback von der Community holen“, sagt der Schweizer Gründer.

Einnahmen durch Product Placement

Bis dahin will das Team ein siebenstelliges Investment einsammeln. Durch verschiedene Business Angels gab es für das Anfang 2014 gestartete Startup umgerechnet etwa 280.000 Euro Funding.

Beim Pokern im Casino geht es erst einmal nur um virtuelles Geld. Als Social-Game starten sie mit einem Freemium-Modell. Wem die Chips ausgehen, kann sich dann beispielsweise für reales Geld schneller wieder einkaufen. Auch Product Placements etwa von Whiskey-Marken können sich die Gründer vorstellen. „Später wollen wir dann auch ins Real-Money-Gaming einsteigen“, sagt Kobelt. Ein riesiger Markt in Europa.

Bilder: Casino VR