catcap europe m&a market 2014

Internet-M&A 2014: die wichtigsten Trends und Zahlen

Aufschwung im M&A-Markt: Mit 668 statt 509 Transaktionen wurden in Europa 2014 gut ein Drittel mehr Deals geschlossen als im Vorjahr. Das ergibt sich aus dem jüngsten M&A-Report für die europäische Internetindustrie der Corporate-Finance-Beratung Catcap. Das Unternehmen hat für den Report, der Gründerszene vorliegt, 45 europäische Länder untersucht.

Mit 17 statt 8 Transaktionen gab es in Europa 2014 deutlich mehr Deals im Bereich über 100 Millionen Euro als im Vorjahr. Dafür sank die Zahl der Deals im Bereich 20 bis 50 Millionen Euro auf 15 (im Vorjahr 22). Die aktivsten M&A-Märkte waren Deutschland und Großbritannien mit jeweils rund 250 Transaktionen. Dahinter liegen Frankreich mit knapp 170 Deals, außerdem Spanien und die Niederlande mit jeweils etwa 50.

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Die Top-3-Deals fanden ohne deutsche Beteiligung statt: Poker-Spezialist Rational Group aus Großbritannien ging für irre 3,6 Milliarden Euro an Amaya Gaming aus Kanada; 1,9 Milliarden Euro brachte der Verkauf von Minecraft-Entwickler Mojang aus Schweden an den US-Riesen Microsoft; und für knapp 1,1 Milliarden Euro übernahm Russlands Mail.ru den verbliebenen Anteil des sozialen Netzwerks VKontakte.

Wenig überraschend: Käufer, die von außerhalb Europas kommen, stammen in den allermeisten Fällen aus den USA. Ziemlich überraschend: Aus China kam 2014 kein Käufer eines europäischen Internet-Unternehmens.

Mit 27 statt neun IPOs im Vorjahr gab es 2014 deutlich mehr europäische Börsengänge. Und: Immer mehr Private Equity fließt in Digitalunternehmen.

„Das Motto für 2015? Fressen oder gefressen werden“

Einer der Autoren des Berichts ist Catcap-Partner Mark Miller aus Hamburg. Im Kurz-Interview interpretiert er die wichtigsten Ergebnisse des Reports.

Was waren für Dich die wichtigsten Entwicklungen im Jahr 2014?

Zunächst einmal das satte Wachstum bei der Anzahl der Transaktionen. Aber auch die Verdopplung der Deals mit einem Wert über 100 Millionen Euro – ein weiteres Zeichen dafür, dass die europäische Internetindustrie erwachsen wird. 99 Mal kam der Käufer aus den USA, das entspricht einem Anstieg von 74 Prozent. Für einen „Slacker with low expectations“, wie Peter Thiel Europa betitelt, ist das doch gar nicht so schlecht. Die meisten Transaktionen liefen im Commerce-Segment, aber Adtech hat am stärksten zugelegt. In diesem immer noch stark fragmentierten Markt werden die großen Networks und die international aufgestellten Unternehmen die erfolgreich gewachsenen Adtech-Spezialisten weiter mit Kusshand aufnehmen und integrieren.

Stimmt der Eindruck, dass sich viele Branchen gerade konsolidieren?

Absolut. Das gilt nicht nur für Adtech, sondern auch für das Commerce-Segment. Ein Beispiel: das hier angesiedelte Subsegment Classifieds. Hier kauft allen voran Axel Springer mit seiner Digital-Classifieds-Sparte diverse nationale und internationale Portale zu. Hinzu kommen internationale Private-Equity-Gesellschaften, die etablierte Unternehmen bei der Umsetzung ihrer Wachstumsstrategien unterstützen, wie die Beteiligung von KKR an der Schweizer Scout24-Gruppe verdeutlicht. Die Jahre der zweistelligen Wachstumsraten im E-Commerce kamen 2014 zu einem Ende. Damit verschieben sich die Deal-Hintergründe bei M&A weg von Wachstums-M&A hin zu einer Marktkonsolidierung zur Senkung der Wettbewerbsintensität.

Im E-Commerce sieht es also nicht so gut aus. Oder?

Ja und nein. Die Abschwächung des Wachstums war sicher für viele eine Überraschung. Damit sind zunehmend Effizienztugenden gefragt: Retail is detail. Größere Player tun sich einfacher mit den notwendigen Investitionen und nutzen Skalierungseffekte. Fressen oder gefressen werden, das wird hier das M&A-Motto 2015 sein. Positiv zu sehen ist die Offenheit des Kapitalmarkts für E-Commerce-Unternehmen. Die Börsengänge von ZalandoRocket Internet und AO World könnten Signalwirkung für weitere Unternehmen haben.

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Werden wir endlich noch mehr Börsengänge sehen?

Schon 2014 gab es im Vergleich zum Vorjahr relativ viele Börsengänge. Mit Ausnahme von Zalando und Rocket, die sich nach anfänglicher Schwäche positiv entwickelt haben, gab es allerdings auch einige Unternehmen, die eine schlechte Performance seit dem IPO hatten. Zu hohe Ausgabepreise kamen zusammen mit den enormen Wachstumserwartungen, die teilweise im Verlauf des Jahres nicht erfüllt wurden. Bravofly etwa hat seine Anleger zunächst enttäuscht und steuert nun mit der Akquisition von Lastminute.com gegen. Wenn die Emittenten 2015 mehr Vernunft walten lassen, dann kann sich der Aktienmarkt immer mehr als Exit- und Finanzierungs-Kanal etablieren. Die Liquidität dafür ist da und die Anleger haben Hunger auf reife Geschäftsmodelle, die das Internet mittlerweile zuhauf zu bieten hat. Wenn die Störfaktoren Griechenland und Ukraine nicht den Aktienmarkt beeinträchtigen, dann wird es mehr Börsengänge geben.

Mit welchen Themen kann sich Europas Digitalwirtschaft profilieren?

Das heißeste Thema für Fundraising und M&A wird 2015 der Fintech-Sektor sein. Nicht nur Payment, sondern das komplette Bankwesen wird gerade neu erfunden. Das Internet of Things mit Industrie 4.0, Smart Home, E-Health und Connected Car wird den aktuellen Kondratjew-Zyklus der Informationstechnologie am Leben erhalten. Das erlaubt der europäischen Internetindustrie – in Konvergenz mit in Europa traditionell starken Branchen – im globalen Wettbewerb eine wichtigere Rolle zu spielen.

Was war für Dich persönlich der spannendste Deal 2014?

Die Übernahme von Pizza.de durch Delivery Hero: Zum einen war es einer der größten Deals, zum anderen verdeutlicht er den Konsolidierungstrend in der Lieferdienst-Industrie. Außerdem zeigt er, wie schnell sich das Blatt wenden kann. Lange Zeit galt Pizza.de als Marktführer in Deutschland, wurde dann allerdings von seinem finanziell stärkeren Konkurrenten überrollt.

Bild: © panthermedia.net / Anton Balazh