Co-CEO von Celonis Alexander Rinke hält einen Vortrag an der TU München

10.000 Euro reichten für den Anfang. Damit legten die drei Studenten der TU München vor vier Jahren los, entwickelten eine Big-Data-Software. Aus den laufenden Einnahmen bauten sie Celonis, ein Unternehmen, das heute 60 Mitarbeiter beschäftigt. Jedes Jahr verdoppelt das Startup seither seinen Umsatz aus eigener Kraft. Die Software nutzen mittlerweile 200 Unternehmen, darunter Siemens, RWE, Bayer und Edeka.

Nicht genug. Der Software-Gigant SAP nimmt die Münchner nun unter seine Fittiche und vertreibt das Produkt zusammen mit der eigenen Hana-Plattform – eine globale Expansion fast zum Nulltarif sozusagen. Das ist die unglaubliche Geschichte einer Münchner Tech-Bude.

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Den Erfolg haben die drei – Martin Klenk, Bastian Nominacher und Alexander Rinke – ihrer Process-Mining-Software zu verdanken. Hinter diesem technischen Begriff versteckt sich eine Big-Data-Plattform, die Arbeitsabläufe analysiert. Beispiel Online-Shop: Bestellt ein Kunde etwas, entstehen bei jedem Schritt Daten: die Suche nach dem Produkt, der Weg in den Warenkorb, die Adresseingabe, der Bezahlvorgang. Jeder Klick produziert Daten. Millionen dieser Daten wertet die Software von Celonis in Echtzeit aus. So können die Unternehmen beispielsweise sehen, an welchem Punkt der Bestellung die Kunden abbrechen – und dort den Ablauf verbessern.

Entstanden aus einem Rundfunk-Projekt

Los ging alles mit einer Spielerei, erzählt Co-Geschäftsführer Alexander Rink gegenüber Gründerszene. Der Bayerische Rundfunk hatte den Studenten große Datenmengen gegeben, damit sie ausprobieren, „was man damit so machen kann“. Sie versuchten die herkömmlichen Data-Mining-Verfahren anzuwenden – und wollten Abläufe bildlich darstellen. Schnell kamen sie mit den Algorithmen nicht weiter. Auch in der Forschung fanden sie erst wenige Papers, die sich mit dem sogenannten Process Mining auseinandersetzten. So entschieden sie sich „selbst etwas zu schreiben“. Und gründeten Celonis.

Der Software-Riese SAP erkannte früh das Potential der drei Münchner und nahm das Startup 2012 in sein Förderprogramm für junge Unternehmen auf. Vor einem Jahr gewann Celonis den SAP Hana Innovation Award. Die Big-Data-Software der Münchner lässt sich gut in die Echtzeit-Plattform Hana eingliedern, weil viele der Daten, die Celonis auswertet, im SAP-System anfallen, erklärt der 26-jährige Alexander Rinke.

Partnerschaft für die globale Expansion

Nun gehen die Walldorfer noch einen Schritt weiter – und vertreiben das Produkt von Celonis zusammen mit ihrer Plattform. „Celonis ist das erste Unternehmen aus dem SAP-Startup-Focus-Programm, welches ein Reseller Agreement mit SAP geschlossen hat“, sagt Anja Schneider, Head of Innovation Sales, zu Gründerszene. An dem Startup-Programm nehmen mehr als 2.000 Startups in etwa 60 Ländern teil. Reseller Agreement heißt, dass Celonis auf einer Preisliste für die Hana-Kunden direkt zu sehen ist. „Unternehmen können die Leistung direkt über ihren SAP-Account kaufen“, erklärt Geschäftsführer Rinke.

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Das Startup hofft auf einen Push. „Durch die 12.000 SAP-Vertriebsleute können wir an viele neue Kunden herantreten“, sagt Rinke. Bislang kommt noch ein Großteil der Kunden aus Deutschland, Schweiz und Österreich, doch dieser Anteil sinke ständig. Sie wagen einen Blick in die Welt hinaus. „Durch die Partnerschaft mit SAP können wir noch schneller global skalieren, was sonst viel länger gedauert und auch mehr Geld gekostet hätte“, sagt Rinke.

Abwarten. Die Partnerschaft mit dem Riesen aus Walldorf ist sicherlich nicht die letzte Nachricht von dem kleinen Münchner Startup mit der rasanten Wachstumsgeschichte.

Bilder: Celonis