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Die Chatterbug-Gründer Scott Chacon (Mitte) und Tom Preston-Werner (rechts) mit dem Tech-Meetup-Macher Gabriel Matuschka

Scott Chacon unterhält sich nach seinem Pitch noch mit einem Zuschauer, als dieser ihn fragt: „Was hast du vor Chatterbug gemacht?“ Chacon antwortet: „Ich habe Github gegründet.“ Sein Gegenüber kann es kaum fassen: „Danke, dass du das gegründet hast, es hat mir so geholfen.“ Zusammen machen sie ein Foto.

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Es geht an diesem Abend auf dem Tech Meetup in Berlin nicht um die Vergangenheit von Scott Chacon und seinem Mitgründer Tom Preston-Werner – und doch schwingt sie mit: Beide haben das bekannte US-Startup Github mit aufgebaut. Das Code-Verzeichnis ist für Entwickler ein wichtiges Tool im Netz. Github ist mit mehr als 300 Millionen Dollar finanziert, das Geld kam von bekannten Investoren wie Sequoia und Andreessen Horowitz.

Um Chacon und Preston-Werner ist es in der vergangenen Zeit ruhig geworden. Chacon verließ das Startup Anfang 2016. Auf der Bühne in Berlin erzählt er, wie er mit seiner Familie nach Frankreich zog – und merkte, wie schwer es ist, eine Sprache zu lernen. „Es gibt viele Probleme, wenn du als Erwachsener eine Sprache lernst“, erklärt der Gründer. Entweder man leiste sich einen teuren Lehrer oder nutze Apps wie Duolingo oder Babbel. Das Problem: „Wer Duolingo verwendet, spricht nicht mit Menschen.“ Und so entwickelte Chacon die Idee für sein neues Projekt.

„Wir brauchen keine Lehrer mit viel Erfahrung“

Der Online-Service Chatterbug kombiniert zwei Elemente: Es gibt Lektionen für Vokabeln. Außerdem wird der Schüler mit einem Sprachlehrer per Video zusammen geschaltet. Das Programm werte genau aus, auf welchem Lernstand jemand sei, erzählt der Gründer: „Wir haben das Lernmaterial von Grund auf neu entwickelt.“ Seine eigene Sprachlehrerin habe ihm dabei geholfen, sie arbeite mittlerweile für das Startup. Die Lehrer erhalten dabei von Chatterbug genaue Anweisungen, was sie den Nutzern beibringen sollen: „Wir brauchen keine Lehrer mit viel Erfahrung“, sagt der Gründer. So will das Startup viele Lehrer auf die Plattform holen.

Als ersten Entwicklungsschritt hat Chatterbug die deutsche Sprache ausgewählt. „Deutsch hat noch keiner im Team gesprochen“, sagt Chacon. Das Startup richtet sich an Amerikaner und Briten, die Deutsch lernen möchten. Viele Expats würden lange in dem Land leben, aber die Sprache nicht richtig sprechen, sagt Chacon. In einer geschlossenen Beta-Phase testet das Startup gerade das Programm. Erst einmal will es alle Deutsch-Lektionen fertig machen – dann sollen andere Sprachen folgen. 

Eine Tätigkeit, die sich nicht automatisieren lässt

Als Mitgründer ist Tom Preston-Werner dazu gestoßen. Er hat Github bereits vor etwa drei Jahren nach einem Skandal verlassen, zuvor war er CEO des Unternehmens. Nach dieser Zeit arbeitete er für eine gemeinnützige Coding-Initiative. Als Chacon ihn anrief und von Chatterbug erzählte, fragte er sich: „Kann die Idee eine Million Jobs schaffen?“ Er entschied, dass sie groß genug dafür sei – und stieg bei dem neuen Unternehmen mit ein.

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Gerade in ländlichen Gegenden sei dies eine Chance für die Menschen, Geld im Internet zu verdienen – und zwar etwa zehn Dollar die Stunde, sagt Preston-Werner. Doch sind die menschlichen Sprachtrainer nicht nur ein Zwischenschritt bis sie von Sprachrobotern ersetzt werden? Preston-Werner verneint. Wenn man das Modell mit Uber vergleiche, gebe es einen großen Unterschied: Bei dem Ridesharing-Dienst müsse der Passagier von A nach B gebracht werden, mit einer vorgegebenen Route. „Du musst nicht kreativ sein“, sagt der Chatterbug-Gründer. Und deswegen lasse sich diese Tätigkeit irgendwann mit selbstfahrenden Autos ersetzen.

Anders beim Lernen einer Sprache. Der menschliche Austausch sei entscheidend, das Lernen müsse Spaß machen. Als Schüler wolle man einfach mal Dinge fragen, wie „Was ist auf Deutsch der Unterschied zwischen Frucht und Obst.“ Etwa zwei bis vier Stunden lernen die beiden Gründer selber pro Woche Deutsch.

„Und experimentieren Sie auch mit künstlicher Intelligenz?“, fragt ein Zuschauer die beiden. Die Antwort: Alle Tests in die Richtung, etwa mit einer automatischen Spracherkennung, hätten nicht gut funktioniert, sagt Chacon. „Schrecklich“ sei das Ergebnis gewesen. 

Bild: Gründerszene