Die drei Partner von Cherry Ventures: Christian Meermann, Filip Dames und Daniel Glasner (von links)

Cherry Ventures war plötzlich einfach da. Und investierte in Startups, die die deutsche Szene bewegen. Von Quandoo, Amorelie und Flixbus über Lesara und Kitchen Stories bis zu GoButler und der Auto1 Group – überall beteiligte sich der Risikokapitalgeber in frühen Phasen der Startups. „Unser erster Fonds ist sehr gut gelaufen“, resümiert Cherry-Partner Filip Dames im Gespräch. „Er hat die Investments um ein Vielfaches zurückgebracht.“

Jetzt schließt der VC, hinter dem Zalando-Manager der ersten Stunde stehen, seinen neuen Fonds über 150 Millionen Euro. Etwa 15 Investments pro Jahr sollen damit getätigt werden. Der Fokus bleibt wie gehabt: Early-Stage-Startups und Consumer Tech.

Die Millionen geben zahlreiche große Geldgeber, sogenannte Limited Partners, in den Fonds – beispielsweise Haniel, ProSiebenSat.1, der Europäische Investitionsfonds und Pensionskassen.

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Ein Teil des Geldes stammt aber auch von bekannten CEOs, zum Beispiel den Zalando-Gründern Robert Gentz und David Schneider, die bereits in den ersten Fonds von Cherry Ventures investierten. 6Wunderkinder-Macher Christian Reber ist ebenfalls dabei. Weiter beteiligen sich die Gründer von AmorelieLea-Sophie Cramer und Sebastian Pollok, an dem neuen Fonds. Auch die Flixbus-Gründer Jochen EngertDaniel Krauss und André Schwämmlein sowie Lesara-Gründer Roman Kirsch investieren. Bemerkenswert, schließlich investierte Cherry einst selbst in diese drei Startups. „Wir wollen so nah am Geschehen bleiben und ein Netzwerk für die Gründer aufbauen“, erklärt Dames. Die Expertise der Geldgeber solle ihnen in schwierigen Zeiten weiterhelfen.

Doch wer sind eigentlich die Leute hinter Cherry Ventures, die es schaffen, all diese Namen um sich zu scheren? Und woran glauben sie? Drei Partner leiten den VC: Ex-Zalando-Manager Filip Dames und der ehemalige Zalando-CMO Christian Meermann haben Cherry 2012 gestartet.

Später ist Daniel Glasner hinzu gestoßen. Er ist Gründer von Citydeal und Quandoo – ein Cherry-Investment, das vergangenes Jahr für bis zu 200 Millionen Euro an die japanische Recruit Holdings verkauft wurde. Profitiert hat Cherry Ventures auch bei dem Exit des Sexshops Amorelie an ProSiebenSat.1.

„Wir suchen bei unseren Investments Leute, die große Firmen bauen können und wollen“, sagt Filip Dames über Cherrys Strategie. „Dafür muss der Markt, in dem sich das Startup bewegt, natürlich sehr groß sein.“ Es sei nicht so schlimm, wenn bei dem Geschäftsmodell noch nicht alles sitze. Cherry will weiterhin sehr früh in Startups investieren, kleine Tickets schreiben und später nachlegen, wenn es gut läuft. Dabei gebe es keine festen Grenzen, so Dames. In der ersten Runde sollten die Investments nun in der Regel zwischen 300.000 Euro und einer Million Euro liegen, über mehrere Runden könne die Investmentsumme auch achtstellig werden. „Das ist, was wir am besten können“, sagt Dames, „Firmen bereit für die Serie A machen.“ Im Schnitt peile man an, zwischen 10 und 15 Prozent an den Startups zu halten.

„Man darf keine Entscheidungen aufdrücken“

Mit dem ersten Fonds leistete Cherry Ventures insgesamt 22 Investments. Dames sieht sich als Teil einer neuen deutschen VC-Landschaft. „Vor fünf, sechs Jahren war es in Berlin noch schwierig, an viel Kapital zu kommen, um richtig groß werden zu können. Rocket Internet war häufig die einzige Alternative.“ Heute sei das nicht mehr so – und nennt als ein Beispiel das mit Milliarden bewertete Auto1 aus dem Cherry-Portfolio.

An den Unternehmen möchte Dames nah dran sein, die Mentalität vom strategischen Business Angel beibehalten. Er glaubt: „Wir als Investoren können einen Unterschied machen. Mit relativ wenig Zeitaufwand können wir häufig schon weiterhelfen, sei es durch die richtigen Kontakte oder unsere operative Erfahrung.“

Wenn ein Investor aber seinen Portfolio-Firmen so nahekommt, kommt es da nicht zu Konflikten? Dames erklärt, dass man in der Regel einen Sitz im Board habe. Bestimmte Entscheidungen müssten die Gründer darin natürlich absegnen lassen. „Aber bei unserem Anteil können wir gar nicht blockieren“, so Dames. Und: Bestimmen müssten die Gründer selbst. „Man muss fair bleiben und seine Meinung sagen“, sagt er, „darf aber keine Entscheidungen aufdrücken.“

Bild: Cherry Ventures