Techcode

Ein chinesischer Inkubator mit mehr als 15 Standorten weltweit hilft nun auch deutschen Gründern bei ihrem Eintritt in den chinesischen Markt. Dabei bilden Produktlokalisierung, Partner- und Kundensuche nur einen kleinen Teil – Techcode hilft auch bei der Finanzierung.

 

Startup-Business von Peking nach Berlin

Es ist Freitagabend, 19 Uhr in Peking. Genauer: in Zhongguancun, dem High-Tech-Mekka Asiens. Auch die fleißigsten Unternehmer im Silicon Valley Chinas, wie das Viertel im Pekinger Stadtteil Haidian oft genannt wird, freuen sich auf das bevorstehende Wochenende und auf ein wenig Abstand von der Arbeit. Zumindest auf den räumlichen Switch in die eigenen vier Wände und das heimische Sofa.

Auch die junge Chinesin und Techcode-Mitarbeiterin Li Na ist dabei, ihr Notebook zuzuklappen und sich auf den Weg nach Hause zu machen, als eine weitere Mail in ihrem Postfach landet. Nicht ungewöhnlich dieser Tage, handelt es sich um eine Mail zu später Stunde, die ihre sofortige Aufmerksamkeit fordert. Denn ihre Teamkollegen sitzen nicht etwa, wie man annehmen müsste, einige Tische weiter, sondern haben ihr Lager im Berliner Bezirk Mitte zwischen dem Hackeschen Markt und dem Alexanderplatz aufgeschlagen. Dort möchte man den angebrochenen Tag noch nutzen, um für die bevorstehende Produktanpassung eines Berliner Startups die vorerst letzten Feedbacks eines chinesischen Pilotkunden einzusammeln. Dieser scheint auf die Mails aus Berlin zurzeit nicht zu reagieren, weshalb man Li Na darum bittet, der Sache auf den Grund zu gehen. Und das am besten, bevor sich die chinesische Szene, zumindest aber die Belegschaft des Pilotkunden, in den Freitagabend und somit ins wohlverdiente Wochenende entlässt.

Für Li Na hält die dauerhaft große Entfernung zu ihren Teamkollegen in Berlin in zweierlei Hinsicht große Herausforderungen bereit. Zum einen, weil ein Arbeitstag in Deutschland immer dann beginnt, wenn sich derselbe in China seinem Ende nähert. Zum anderen, weil die üblichen Instant-Messaging-Dienste, die Startups in Deutschland und im Rest der westlichen Welt nutzen, im Land der Mitte nur eingeschränkt, in den meisten Fällen sogar schlichtweg gar nicht funktionieren.

Und genau dieser fast trivial wirkende Umstand fordert Li Na und ihre Kollegen in Berlin immer wieder aufs Neue heraus. Im Besonderen dann, wenn es schnell gehen muss. Und das muss es fast ausnahmslos. Denn wer Zeit verliert, verliert Markt, verliert Umsatzpotenziale an die Konkurrenz. Das gilt für China mehr als für jede andere Region der Welt und insbesondere für westliche Startups, die daran gehen Märkte in Fernost für sich zu entdecken.

Hinzu kommt, dass ein chinesischer Investor wie Techcode, der deutsche Gründer nicht nur mit Kapital ausstattet, sondern vor allem mit der nötigen China-Expertise mehr als nur eine unterstützende Rolle spielt. Immer wieder findet sich das Team in Berlin in einer Rolle wieder, die der eines Co-Founders wesentlich stärker ähnelt als der eines Investors mit starker Hands-On-Mentalität. Das wiederum bedeutet, dass die Kommunikationskette, die zwischen Startup und chinesischem Kunden besteht, um ein weiteres Glied ergänzt wird, was zusätzlich Geld, vor allem aber Zeit kostet. Die Achillesverse eines jeden Startups. Umso bedeutender ist hier die Rolle, die der Bauen-Messen-Feedback-Schleife zukommt. Geschwindigkeit in China ist und bleibt Key.

Die neue Wucht des chinesischen Marktes

Und wie hoch diese Geschwindigkeit in China insgesamt ist, das zeigt auch das Tempo, in dem zunehmend mehr Venture Capital in die junge Szene fließt. Allein in der ersten Jahreshälfte 2016 flossen mehr als 37 Mrd. US-Dollar in junge chinesische Tech-Firmen. Eine Verdopplung im Vergleich zu den ersten zwei Quartalen des Vorjahres.

Interessant dabei: die Anzahl der geschlossenen Deals ist zugleich rückläufig, was bedeutet, dass die Einzelvolumina der getätigten Investments unaufhaltsam in die Höhe schnellen. So sammelte kürzlich Lianjia, der chinesische Online-to-offline Immobilienserviceanbieter, in einer Series-B sage und schreibe 863 Mio. US-Dollar ein und markierte damit das Ende der Top 10 der höchsten Finanzierungsrunden im vergangenen Jahr. Angeführt wird die Spitze der größten Finanzierungsrunden 2016 von Didi Chuxing, einem Vermittler von Mitfahrgelegenheiten, dem es gelang, 7,3 Mrd. US-Dollar einzusammeln. Allein 1 Mrd. davon kam vom Elektronikriesen aus Cupertino mit dem Apfel-Logo. Wenn man bedenkt, dass Didi Chuxing und der Rest der Top 10 somit mehr Venture Capital eingesammelt haben als im vergangenen Jahr insgesamt in die europäische Startup-Szene geflossen ist, dann wird deutlich, dass China bereits jetzt in einer Liga spielt, die selbst im Silicon Valley Unternehmern und Investoren gleichermaßen das Fürchten lehrt.

Der Grund für derartig hohe Runden liegt dabei auf der Hand. Denn China ist mit mehr als 1,37 Mrd. Einwohnern nicht nur die Heimat von 20 Prozent der Weltbevölkerung. Ein Großteil dieser Bevölkerung gilt sogar als „targetable“. In den USA besitzen 190 Mio. Menschen ein Smartphone. In China sind es mehr als 600 Mio., während diese Zahl bis 2021 auf über 700 Mio. ansteigen wird. Und während rund 200 Mio. US-Amerikaner regelmäßig einen digitalen Einkaufswagen beim Shoppen füllen, sind es bereits jetzt mehr als 510 Mio. Chinesen, die online einkaufen. Tendenz weiterhin deutlich steigend, mit viel Raum nach oben.

Was bedeutet das für westliche Startups?

Aber genau das ist Fluch und Segen zugleich, auch und insbesondere für westliche Startups und Firmen, die versuchen, in China Fuß zu fassen. Denn allein ein riesiger Markt darf kein Anreiz für Startups aus Europa und dem Rest der Welt sein, im Reich der Mitte die ersten Gehversuche zu unternehmen. Viel wichtiger ist es, mit der Konkurrenz und somit mit dem atemberaubenden Tempo in China Schritt halten zu können. Dabei liegt der Grund für diese enorme Geschwindigkeit im Reich der Mitte in der Mischung aus Marktgröße und der riesigen Bereitschaft auf der Anwenderseite, Neues auszuprobieren und Funktionierendes in den persönlichen Alltag einzubinden. Kombiniert man diese Mixtur mit dem unternehmerischen Heißhunger junger chinesischer Gründer auf Erfolg, ergibt sich ein schwindelerregendes Potenzial für Skalierbarkeit.

Eine Skalierbarkeit, mit der deutsche Gründer spätestens in China so ihre Schwierigkeiten haben dürften. Insbesondere dann, wenn es sich um unerprobte Geschäftsmodelle handelt und nicht um Produkte, die andernorts bereits ihre Daseinsberechtigung unter Beweis gestellt haben. Darüber hinaus ergibt sich – und zwar aus selbigen Grund – eine Konkurrenzlandschaft, die weltweit ihres Gleichen sucht.

Startups mit B2B-Fokus sind bei Techcode gut aufgehoben

Genau dieser Umstand ist dann auch einer der Gründe, warum sich Techcode außerhalb von China, und zwar nicht nur in Berlin, sondern auch in Seoul, Tel Aviv, Silicon Valley und im kürzlich eröffneten Standort in Helsinki zunächst einem bestimmten Startup-Klientel widmet. Insbesondere Unternehmen, die im Bereich New Materials, Erneuerbare Energien, Aritificial Intelligence und MedTech unterwegs sind bzw. über eine starke Hardwarekomponente verfügen und sich im B2B-Umfeld bewegen, stehen im Fokus. Hier sind die Bauen-Messen-Feedback-Zyklen wesentlich ausgedehnter. Ein Umstand, der – und ja, diese Formulierung ist mit Blick auf China in diesem Fall nur allzu treffend – kriegsentscheidend sein kann.

Stärken deutscher Gründer, die im Reich der Mitte gefragt sind

Denn wenn Feedbackprozesse länger sind, weil ein Geschäftskunde nun einmal langsamer implementiert und ein Startup wesentlich mehr Zeit hat, um betreffendes Feedback einzusammeln, bedeutet das wiederum, dass die Vorteile, die chinesische Wettbewerber gegenüber westlichen Startups zumindest in Hinsicht auf die Geschwindigkeit haben, weil sie näher am Markt sind, verpuffen. Wichtig ist das vor allem während der Pilotphase, die ein Startup gemeinsam mit Techcode vorwiegend aus dem Heimatstandort heraus steuert, bevor es im nächsten Schritt sein Lager in einem der zwölf Standorte, die Techcode in China betreibt, aufschlägt.

Mit Blick auf die speziellen Stärken der deutschen Gründerszene und einem Markteintritt in China kann ein weiterer Wettbewerbsvorteil übrigens schlichtweg in der Fähigkeit bestehen qualitativ hochwertige Produkte zu entwickeln und parallel ein gut funktionierendes Distributionsnetzwerk aufzubauen. Eine Kombination, die chinesischen Startups in den meisten Fällen schlichtweg fehlt. Und darüber hinaus ein Umstand, der auch für deutsche Mittelständer, die intensiv über ein Engagement auf dem chinesischen Markt nachdenken, interessant sein dürfte. Denn mit CFLD verfügt Techcode über einen strategischen Partner in China, der Zugang zu einem, selbst für chinesische Verhältnisse, beeindruckendem Netzwerk hat. Die China Fortune Land Development Co., Ltd., mit einem Jahresumsatz von mehr als 5,5 Mrd. US-Dollar einer der größten Real Estate Entwicklern des Landes, unterhält landesweit mehr als 40 Industrieparks, die sich noch dazu auf ganz spezielle Industrien fokussieren, wie zum Beispiel New Materials, Erneuerbare Energien, Life Science, MedTech und Biotech, um nur einige zu nennen. Techcode ermöglicht somit auch deutschen Mittelständern in China Zugriff auf eine kaum überschaubare Anzahl potenzieller Kunden, die insbesondere – und das ist ja bekannt – deutsche Ingenieurskunst und Expertise zu schätzen wissen.

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