Dass der Mann umstritten ist, ist längst nicht nur in der Gründerszene bekannt. Spätestens, seit die Bild-Zeitung über die „Schampus-Abzocke“ von Christian Lutz Schoenberger berichtete, bekam der Fall große Aufmerksamkeit. Schoenberger ist seit 2013 wegen gewerbsmäßigen Betruges angeklagt: Es geht um hunderte Kunden, die ihre Bestellungen über den Onlineshop Stardrinx zwar bezahlt, aber die Getränke nie bekommen haben sollen. 2015 folgte eine zweite Klage mit ähnlichen Vorwürfen: Darin geht es um die Machenschaften bei dem früheren Schoenberger-Shop Welovedrinks.de. Champagner und andere alkoholische Drinks wurden dort besonders günstig verkauft.

Nachdem der Hamburger Unternehmer Anfang 2016 wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft saß, gibt es nun Neuigkeiten: Schoenberger kündigte vor wenigen Tagen in der Wirtschaftswoche exklusiv sein „Comeback als Internet-Unternehmer“ und die Gründung neuer Plattformen an. „Jetzt ist er zurück im Geschäft und kämpft um seinen Ruf“, heißt es in dem Artikel.

Doch das Magazin hat ein entscheidendes Detail übersehen: Gegen Christian Lutz Schoenberger besteht seit Ende 2013 eine rechtskräftige und vollständige Gewerbeuntersagung. Das bestätigt das Bezirksamt Hamburg-Nord, das die Untersagung beschieden hat, gegenüber Gründerszene. Heißt: Schoenberger darf in der gesamten Bundesrepublik kein Gewerbe betreiben. Bei einem Verstoß drohen Ordnungsgelder in Höhe von mehreren tausend Euro.

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Doch darum scheint sich Schoenberger nicht zu scheren. Der Wirtschaftswoche schildert er, dass er mehrere Domains gekauft habe, um neue Online-Plattformen zu starten – zum Beispiel Bio.de.com, Fashion.de.com und Drinks.de.com. Über die wolle er günstige Produkte anderer Verkäufer vermitteln. Verdient wird beim sogenannten Affiliate Marketing an einer Provision pro Weiterleitung an das Partnerunternehmen.

Für seine eigene Vermarktungsagentur – die „Schoen-Gesehen Digital Experts Agency“ – hat Schoenberger laut dem Artikel eine neue Web-Präsenz gelauncht, auf der er namhafte Referenzkunden wie die Metro und die Otto Group erwähnt. Einziges Problem: Bei der prominenten Kundschaft kann sich niemand an eine Zusammenarbeit mit Schoenberger erinnern. Beide Konzerne geben auf Nachfrage von Gründerszene an, sie gehörten nicht zu Schoenbergers Kunden. Die Logos der Unternehmen sind mittlerweile wieder von der Agentur-Webseite verschwunden.

„Ich wäre ja dumm, wenn ich die nicht nutzen würde“

Für seine neuen Unternehmungen werde Schoenberger laut WiWo nicht nur seine „Erfahrung als Internet-Unternehmer“ einsetzen, sondern auch eine prall gefüllte Kunden-Datenbank: Er sei im Besitz der Adressen von etwa 900.000 Kunden, erworben über 15 Jahre mit dem Betrieb verschiedener Online-Shops. „Ich wäre ja dumm, wenn ich die nicht nutzen würde“, so Schoenberger gegenüber dem Magazin. Ende Januar zum Beispiel schickte er seinem alten Kundenstamm einen Newsletter mit Werbung für ein neues Schnäppchenportal namens EuroDealz, das vom Holsteiner Hotelunternehmer Töns Haltermann betrieben wird. Eigentlich müssen Kunden der Weitergabe ihrer Daten zustimmen, bevor ihre Adressen weitergereicht oder verkauft werden – sonst ist das illegal.

Auf eine Gründerszene-Anfrage zu diesen Punkten schrieb Christian Schoenberger bei Facebook: „Alle von mir versendeten Emails unterliegen selbstverständlich den Voraussetzungen des deutschen Datenschutzes.“ Der Gründungsvorgang seiner neuen Agentur sei außerdem noch nicht völlig abgeschlossen. Weiterhin besteht er auf die Zusammenarbeit mit Otto sowie der Metro. Zu der rechtskräftigen Gewerbeuntersagung äußert Schoenberger sich nicht. Er schreibt lediglich: „Durch die negative Berichterstattung über meine Person und mein Privat-Leben möchte ich mich nicht weiterhin an Spekulationen beteiligen.“

Zuletzt hatte Schoenberger Gründerszene mit rechtlichen Schritten gegen die kritische Berichterstattung gedroht. Gründerszene berichtete in der Vergangenheit exklusiv über die Klage gegen den Unternehmer, die 2015 eingereicht wurde, ebenso über die Untersuchungshaft.

Bis heute gibt es weder in der Anklage aus dem Jahr 2015 noch in der aus 2013 ein Urteil. Das Hamburger Landgericht informierte auf Nachfrage, dass es in den Verfahren noch keinen neuen Stand gebe. In einem würden derzeit Nachermittlungen laufen, in dem anderen seien umfangreiche Nachermittlungen erst kürzlich abgeschlossen worden.

Vergangenen Sommer hatte Schoenberger übrigens schon einmal neue, große Pläne verkündet: mit dem Portal Echteschuhe.de. Die Seite ist heute nicht mehr erreichbar.

Vorschaubild: James Meyer/Getty; Bild: Facebook