Steht Dir Geld von der Versicherung zu? Claimright will das überprüfen

Im vergangenen Jahr schossen so einige Legaltech-Startups aus dem Boden. Sie erleichtern zum Beispiel Anwälten die Arbeit oder bringen Klagen für Kunden durch. Auch dieses Jahr gibt es neue Mitstreiter in diesem Markt. Das Startup Claimright etwa, das im Februar an den Start ging. Das Kölner Jungunternehmen will Kunden dabei helfen, Lebensversicherungen zu widerrufen und Geld zurückzubekommen.

Die Grundlage für die Arbeit des Startups ist dabei ein Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2015. Dabei kam heraus: Millionen Lebensversicherungspolicen aus den Jahren von 1994 bis 2007 waren fehlerhaft. Demnach haben Tausende Kunden in ganz Deutschland seitdem das Recht, ihre Verträge zu widerrufen.

Portrait Dirk Harlacher

Dirk Harlacher hat Claimright gegründet

Versicherte können die Unterlagen zu ihrer Lebensversicherung bei Claimright hochladen. Das Startup lässt dann von Anwälten und mithilfe von Software prüfen, ob ein Widerruf erfolgreich sein kann. Ist es möglich, erhalten die Kunden ein erstes Angebot des Startups, erzählt Gründer Dirk Harlacher gegenüber Gründerszene. In diesem ist enthalten, wie viel Geld der Kunde zurückbekommen könnte – das ist neben den Einzahlungen auch oft eine Entschädigungssumme. Hierbei handelt es sich jedoch nur um eine erste Einschätzung, die sich noch ändern kann, betont der ehemalige Unternehmensberater. 

Das Startup ist mit diesem Konzept keineswegs allein. Bereits seit Anfang 2016 will das Düsseldorfer Startup Helpcheck Geschädigten zu ihrem Geld verhelfen. Um sich von der Konkurrenz abzusetzen, möchte Claimright vor allem günstiger sein: Man verlange eine Gebühr von mindestens 18 Prozent, sagt der Gründer. Das sei weniger als bei manch einem Wettbewerber. „Das schaffen wir, indem wir die Anträge durch Software effizienter bearbeiten können.“ Zum Vergleich: Helpcheck verlangt knapp 30 Prozent Provision.

Ein One-Stop-Shop für rechtliche Fragen

Doch irgendwann wird die Zielgruppe für Claimright und auch Helpcheck ausgeschöpft sein. „Irgendwann haben sich alle, die in diesen Jahren Lebensversicherungen abgeschlossen haben, damit auseinander gesetzt und eventuell Geld zurückbekommen“, weiß Harlacher. Daher will sich der Gründer mit seinem achtköpfigen Team genau wie das Düsseldorfer Unternehmen Helpcheck in Zukunft auch auf andere Bereiche konzentrieren, zum Beispiel auf das Mietrecht.

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Demnach will das Startup demnächst für Kunden prüfen, ob sie für ihre Wohnung zu viel Miete zahlen. Dass es auch hier bereits Mitspieler auf dem Markt gibt – wie etwa das Unternehmen Mietright aus Berlin, welches die Plattform Wenigermiete.de betreibt – stört ihn nicht. „Wir sind jeweils nicht die ersten, aber das muss kein Nachteil sein“, so Harlach. „So kann man sich ansehen, was Wettbewerber falsch machen und ändern müssen. Das spart Zeit.“

Derzeit benötige Claimright kein externes Geld von Investoren. Eine Finanzierungsrunde möchte der Gründer aber nicht ausschließen: „Wir haben den Vorteil, dass wir nicht frisch von der Uni sind“, sagt der Gründer, der zuvor als Unternehmensberater arbeitete. „Daher können wir die erste Zeit mit eigenem Geld überbrücken.“

Artikelbild: Gettyimages/Hero Images; Bild im Text: ClaimRight