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CleanAgents war der First Mover auf dem deutschen Markt: Als erstes Startup vermittelte es frei arbeitende Putzkräfte über seine Plattform an private Kunden. Gründer Sergiej Rewiakin startete den Service im Juni 2013, doch dann kam mächtiger Wettbewerb auf. Im Frühjahr 2014 traten das Rocket-Internet-Venture Helpling und Konkurrent Book A Tiger in den Markt ein – beide mit Millionen an Kapital ausgestattet.

CleanAgents konnte danach nie richtig abheben, ein Jahr später schluckte Helpling schließlich den First Mover. Nun zieht die Übernahme das Ende der Marke mit sich: CleanAgents wird Ende Dezember geschlossen. Dies teilte der Dienst am Donnerstagabend in einer E-Mail seinen Kunden mit.

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Auf Nachfrage erklärt Helpling, man konsolidiere das Markenportfolio in Deutschland und konzentriere sich auf die Weiterentwicklung der Marke Helpling. Es werde durch die Schließung zu keinen Kündigungen kommen. Man habe die Putzkräfte außerdem bereits im August über die Schließung der Plattform informiert. Ihnen sei freigestellt, ob sie ihre Kundenbeziehungen selbst weiterführen oder diese nun über die Helpling-Plattform verwalten möchten.

Als Fehler bewertet Helpling die CleanAgents-Übernahme nicht. „Sie war ein wichtiger Schritt im Rahmen unserer Expansionsstrategie. Die Plattform war bereits kurz nach der Übernahme profitabel und hat kontinuierlich positive Ergebnisse erzielt“, heißt es. „Zudem konnten wir wichtige Erfahrungen durch den Betrieb der Plattform sammeln und unsere Prozesse weiter optimieren.“

Schätzungen von Similar Web zeigen, dass zuletzt nicht mehr viele Nutzer die Seite von CleanAgents besuchten: Etwa 7.000 Visits im Monat werden verzeichnet. Helpling ist da deutlich größer: Im November lag die Zahl bei etwa 120.000 Visits für die deutsche Webseite. Allerdings: Anfang 2015 waren es noch mehr als 400.000.

Rocket hat 12 Millionen Euro auf Helpling abgeschrieben

Denn auch Helpling kämpft seit längerem gegen einen Abwärtstrend. Zu schnell wollte das Startup expandieren – im Oktober 2015 mussten fast 20 Prozent der Mitarbeiter gehen. Aus Brasilien, Schweden, Spanien und Kanada zog sich Helpling wieder zurück.

Bisher sollen etwa 56 Millionen Euro Risikokapital in das Venture geflossen sein. Beteiligt haben sich namhafte Investoren wie Point Nine CapitalKite Ventures oder Lakestar. Vergangenen Sommer bewerteten diese Geldgeber Helpling noch mit 140 Millionen Euro. Doch im ersten Halbjahr dieses Jahres schrieb Rocket Internet 12,4 Millionen Euro auf seinen 25-prozentigen Anteil an Helpling ab, also ein Drittel des von Rocket zugemessenen Werts. Eine Erfolgsgeschichte sieht anders aus.

Bringt ein Pivot die Rettung? Nicht nur will das Startup in diesem Jahr viel am Produkt gearbeitet und viel in die Technologie investiert haben, auch versucht Helpling neuerdings, weitere Geschäftsfelder erschließen. Jetzt können auf der Plattform nicht nur Privatpersonen die üblichen Haushaltshilfen buchen, sondern auch Unternehmenskunden verschiedene Dienstleistungen anfragen. Darunter sind beispielsweise die Reinigung von Treppenhäusern, Winterdienste, Gartenpflege oder ein Hausmeisterservice. Das Startup gibt sich weiter zuversichtlich: „Helpling wird die führende Marke für die Vermittlung haushaltsnaher Dienstleistungen.“

Mitarbeit: Ann-Katrin Schade; Bild: Michael Berger