Es ist den Londondern sicherlich unwohl in der Magengegend geworden, als fest stand, dass nicht der iTunes-Payment-Dienstleister ClickandBuy, sondern US-Konkurrent PayPal das Facebook-Credit-Programm ausrichten wird. Doch nun bläst das Team rund um Christian von Hammel-Bonten (Senior VP, Head of Product Management) und Charles Fraenkl (CEO) zum Gegenzug: heute geht mit Buxter eine Facebook-App online, die das direkte Übertragen (virtuellen) Geldes bei Facebook ermöglicht.

Schaut man etwas genauer hin, fällt auf, dass sich die Geschäftsmodelle der beiden Payment-Anbieter in diesem Segment eigentlich voneinander unterscheiden. Während Paypals Lösung darauf abzielt, dass Nutzer spezielle Facebook-Items wie Geburtstagsblumensträuße auf der Plattform selbst über eine Facebook-Währung bezahlen können, ist Buxter zum direkten Übertragen von Geld gedacht. Gründerszene testete das Verfahren und es ist wirklich ohne weitere Aufwände möglich, Geld via Facebook zu versenden, zu empfangen oder anzufordern. Als Nutzer wird einem nahezu unheimlich bei dem Gedanken, wie schnell und einfach das eigene Geld den Besitzer wechseln kann.

Die Buxter-Applikation wird es zum Start in den Währungen Euro und US-Dollar geben und steht ab heute unter http://apps.facebook.com/mybuxter zum Download bereit. Der Name leitet sich vom amerikanischen Slang-Wort für einen Dollar ab – one buck. Die von ClickandBuy entwickelte Anwendung ist die bisher erste und einzige, die es den rund 400 Millionen Facebook-Nutzern erlaubt, echtes Geld über das Netzwerk zu versenden. Mit wenigen Clicks registrieren sich die Nutzer und laden ihr eigenes “Buxter E-wallet” mit maximal 50 Euro (für den Anfang) auf. Monetarisiert wird die Anwendung durch eine kleine Fee, die für das Abheben des Geldes vom ClickandBuy-Account fällig wird: 1,9 Prozent oder mindestens zwei Euro bzw. drei US-Dollar.

Spannend ist diese Entwicklung aus verschiedenen Gründen: Facebook könnte sich so von einem Social-Network hin zu einem E-Commerce-Marktplatz wandeln, was neuen Aufwind für Social-Commerce-Projekte verspricht. Als offenes System wäre eine gänzlich neue monetare Vernetzung denkbar, die es Nutzern erlaubt, direkt aus dem Ökosystem Facebook in verschiedene Onlineshops zu wechseln und dort zu bezahlen oder Geschenke für Freunde aus dem eigenen Netzwerk einzukaufen.

“Buxter” wurde so designt, dass es Drittanbietern Zugang über eine “Buxter”-Facebook-API gewährt, sodass es leicht möglich wird, für die eigenen Lösungen Payments via Facebook zu erhalten. Wenn es nach dem 1999 gegründeten ClickandBuy geht, werden auf diese Weise Services wie Spendendienste oder Kinoticketverkäufe über Facebook möglich. Oder noch einfacher: Nutzer können über ihr Profil Geld für das Geburtstagsgeschenk eines gemeinsamen Freundes sammeln.

Auch Exciting Commerce hatte dieser Tage spekuliert: „[…]wenn nicht alles täuscht, versucht Facebook, mit den Credits eine transnationale Web-Währung zu etablieren, die irgendwann zur Standardwährung fürs Web werden könnte.“ So stellen sich fortan also nicht nur spannende Fragen zu möglichen Webwährungen, sondern es bieten sich auch neue Sicherheitsszenarios und Kaufmöglichkeiten im Internet. Stolpersteine wie sie Web.de mit seinen Web-Cents erlebt hatte (dem Unternehmen fehlte es wohl an einer Lizenz für eine virtuelle Währung, welche fällig wird, sobald eine virtuelle Währung sich auch auf externe Plattformen bezieht) werden so in Zukunft hoffentlich minimiert. Man darf gespannt sein, wer im Wettstreit der Payment-Anbieter den längeren Atem hat und wessen Geschäftsmodell eher aufgeht…