Ida_Tin_Clue Startup-Helden

Clue-Gründerin Ida Tin (34)

„Startup-Heldin“ Ida Tin im Interview

Ida Tin ging schon häufiger neue Wege: Die Dänin studierte an der prestigeträchtigen, kreativen Wirtschaftsschule KaosPilots, fuhr mit dem Motorrad um die Welt und schrieb über ihre Reise den dänischen Bestseller „Direktøs“. Im Dezember 2012 ließ sie sich gemeinsam mit ihrem Partner Hans Raffauf auf das nächste Abenteuer Online-Startup und ein echtes Frauenthema ein: Ihre App Clue (www.helloclue.com) hält Frauen über ihren Monatszyklus auf dem Laufenden und unterstützt damit auch bei der Familienplanung. Das Startup beschäftigt derzeit neun Mitarbeiter – mithilfe einer kürzlichen, sechsstellig hohen Business-Angels-Runde sollen es bald noch mehr werden. Zudem arbeiten die Berliner an einem noch geheimen Hardware-Produkt.

Im Gründerszene-Interview erklärt Clue-Gründerin Ida Tin, weshalb sie glaubt, dass Technik die Zukunft der Familienplanung darstellt.

Wofür brauchen Frauen Clue?

In einer US-Studie wurde jüngst gezeigt, dass nur zehn Prozent aller Frauen wissen, zu welchem Zeitpunkt in ihrem Zyklus sie schwanger werden können. Das ist erstaunlich. Clue bietet Frauen ein Werkzeug, um ihre Fruchtbarkeit zu verstehen – wann ihre Periode ansteht, wann sie fruchtbar sind, wann sie PMS bekommen und wie ihr allgemeiner Rhythmus aussieht. Mit diesem Wissen können Frauen um ihren Zyklus herum planen, ihren Körper verstehen und haben ihre reproduktive Gesundheit selbst in der Hand.

Wie bist du auf die Idee zu Clue gekommen?

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In meinen Zwanzigern habe ich damit begonnen, die Pille zu nehmen und litt unter einer Reihe an Nebenwirkungen. Als ich nach anderen Verhütungsmethoden recherchierte, war ich überrascht, dass es seit der Pille keine größeren Entwicklungen in dem Bereich mehr gegeben hat. Trotz der vielen bedeutenden technischen Fortschritte war noch niemand das Thema angegangen, wie man Fruchtbarkeit einfach und datenbasiert verstehen und kontrollieren kann. Ich glaube, dass Technik – in Verbindung mit einem Smartphone – die Zukunft der Familienplanung darstellt.

Ihr habt gerade erst eine Finanzierung erhalten. Wie viel größer kann die App werden?

Bereits jetzt nutzen Frauen in 180 Ländern weltweit die App, anscheinend besteht also ein großer Bedarf, mit Clue zu expandieren. Derzeit ist Clue in den Sprachen Deutsch, Englisch und Dänisch verfügbar und wir planen, viele weitere Sprachen einzuführen. Wir werden weiter neue Funktionen ergänzen, um die App noch wertvoller für Frauen und ihre Partner zu machen. Zudem werden wir das neue Kapital in die Vergrößerung unseres Teams stecken. Momentan suchen wir nach Mitarbeitern in technischen und nicht-technischen Positionen.

Gerade in den USA sind schon einige andere Zyklus-Apps auf dem Markt. Wie setzt ihr euch von euren Konkurrenten ab?

Als ich die Idee für Clue hatte, gab es zwei andere Menstruations-Apps. Viele der heute angebotenen Apps sind nicht sehr weit entwickelt und ähneln sich daher sehr stark. Aber es gibt auch einige sehr gute Konkurrenzprodukte, beispielsweise die amerikanische App Glow. Glow war ursprünglich eine App für Frauen, die schwanger werden wollten. Unsere App hingegen will den Nutzern vor allem dabei helfen, zu verstehen, wie der Körper überhaupt funktioniert. Clue ist so konzipiert, dass unsere Nutzerinnen die Daten jeden Tag schnell einfügen können, damit sie mehr über ihren Körper lernen.

Und: Unsere App ist nicht pink. Das mag jetzt trivial klingen, aber fast alle anderen Apps sind pink. Und es gibt tatsächlich viele Frauen, die das nicht wollen. Außerdem haben wir auch viele männliche Nutzer, die den Zyklus ihrer Frau mitverfolgen wollen.

Möglicherweise sind solche Apps sehr beliebt, weil Frauen immer später schwanger werden wollen.

Definitiv. Viele Frauen sind heutzutage karriereorientierter und wollen ihre Familienplanung immer stärker kontrollieren. Außerdem hat fast jede Frau heutzutage ein Smartphone, dadurch verbreiten sich die Apps natürlich viel schneller.

Kann Clue auch genutzt werden, um eine Schwangerschaften zu verhindern?

Mit Clue können Frauen etwas über ihren Zyklus lernen; die App zeigt ihnen, wann ihr nächste Periode oder fruchtbare Phase eintritt. Clue sollte allerdings nicht als Ersatz für ein Verhütungsmittel genutzt werden oder um eine Schwangerschaft zu verhindern.

Wie genau verdient Clue Geld?

Bisher verdienen wir kein Geld. Wir wollen erst wachsen und bekannt werden, bevor wir Geld verdienen. Wir werden demnächst kostenpflichtige Funktionen ergänzen, über die ich leider noch nichts sagen kann.

Welche Tipps gibst du jungen Gründern nach deinen eigenen Erfahrungen auf den Weg?

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Mein wichtigster Tipp ist: Wenn du darüber nachdenkst, tu es einfach. Meiner Erfahrung nach erweckt die Arbeit an einem großen Problem das Interesse vieler Menschen, darum würde ich sowohl Männern als auch Frauen empfehlen, große Themen anzugehen. Der Weg ist steinig und es braucht eine Menge Engagement, um die Zeit zu überstehen, bis man Ergebnisse sieht. Außerdem benötigt man als Gründer den Mut, neue Wege zu beschreiten und Bisheriges in Frage zu stellen. Ich denke, Frauen haben hier ganz einzigartige Möglichkeiten.

Warum hast du dich dafür entschieden, dein Startup in Berlin zu gründen, und würdest du es wieder tun?

Als mein Mitgründer Hans und ich vor knapp zwei Jahren am Unternehmen zu arbeiten begannen, war das Ökosystem am Wachsen und Erblühen, was für den Aufbau eines Startups essentiell ist. Unsere Technologiepartner sitzen ebenfalls in Deutschland und die „alteingesessene“ Industrie bietet eine Menge relevantes Know-how. Ja, ich würde es definitiv noch mal tun, besonders, weil wir durch den Standort Berlin riesige Talente aus aller Welt anziehen. Unsere Mitarbeiter kommen aus den USA, Australien und ganz Europa.

Mitarbeit: Hannah Loeffler

Ida Tin ist Teil unserer Bildergalerie zu 18 Gründerinnen in Deutschland:

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Anna Alex und Julia Bösch gründeten gemeinsam Outfittery. Das Berliner Startup verschickt individuelle Outfits an Männer. Im Februar 2014 sammelte Outfittery stolze 13 Millionen von mehreren Investoren ein, im Februar 2015 legten verschiedene Investoren noch mal 20 Millionen US-Dollar drauf.

Bild: Hannah Loeffler