Coding ist die neue Bildung

Ein Beitrag von Rosie Allabarton, Content Manager bei CareerFoundry, aus dem Englischen übersetzt von Tim Fahrendorff.

Steigende Tech-Abhängigkeit: Coding-Erfahrung immer gefragter

Programmieren lernen steht momentan hoch im Kurs. Bedingt durch das starke Gefälle zwischen der Nachfrage nach geeigneten IT-Spezialisten in jedem Industriezweig und der wachsenden Versorgungslücke, die nicht durch ausreichend neue Fachkräfte gefüllt werden kann. Besonders im rezessionsgeplagten Europa wird es zunehmend wichtiger, dass diese Kluft an passend qualifizierten Personal ausgeglichen wird. Nicht nur um Arbeitslosigkeit gerade bei jungen Arbeitssuchenden zu verringern, sondern weil alle Volkswirtschaften in der Zukunft nur noch stärker von Technologie abhängig sein werden.

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Die Wissenslücke in technischen Berufen begründet sich vor allem auf einem Versäumnis in der Bildung und ist somit eine Chance für Weiterbildungssuchende. Mit der Aussicht auf über eine Million Jobs, die allein in diesem Jahr in der Tech-Industrie neu geschaffen werden, wird das Beherrschen von Coding-Fähigkeiten immer attraktiver. Junge Menschen, die sich heute überlegen müssen, mit welchen Fertigkeiten sie auch in Zukunft attraktiv für den Arbeitsmarkt sein können, ziehen daher immer öfter in Betracht, sich auf Tech-Berufe zu spezialisieren.

Programmierfähigkeiten sind auf dem besten Wege, ein entscheidender Faktor in der Entwicklung in Richtung digitaler Zukunft zu werden. Bis heute reagieren sowohl die Politik als auch öffentliche Institutionen wie Schulen oder Universitäten verhalten bis gar nicht auf den digitalen Wandel. Daher beginnen Startups und Entrepreneure, selbst nach einer Lösung zu suchen, wie sie ihren Bedarf an neuen Talenten decken können. Einige von ihnen haben in diesem Zuge begonnen eigene Bildungsinstitute aufzubauen. Ihr wichtigstes Merkmal: Sie sind online.

Welche Startups bieten Programmierkurse an?

CareerFoundry

Programmieren lernen ist einfacher, wenn man nicht allein ist. CareerFoundry hat sein Angebot an Kursen in Web-Entwicklung und UX-Design nach eben dieser Philosophie ausgerichtet. Das erklärte Ziel des Berliner Unternehmens ist es, seine Studenten, die mittlerweile aus 30 Ländern stammen, zu vollständigen Entwicklern auszubilden, die nach ihrem Abschluss in der Tech-Wirtschaft durchstarten können.

CareerFoundrys Ansatz dreht sich um eine von Mentoren begleitete Ausbildung, die vollständig online stattfindet. Dass der mentorzentrierte Ansatz zu hohen Abschlussraten und erfolgreichen Karrierestarts führt, bestätigt auch Mitgründer und CTO Martin Ramsin, der auf ähnliche Weise selbst das Programmierhandwerk erlernte. Schlüssel zu der CareerFoundry Methode ist eine strikte “Learning by Doing”-Ausrichtung, welche die Teilnehmer bereits während der Ausbildung dazu befähigt, eigene Projekte zu verfolgen.

Treehouse

Treehouse ist ein weiteres, ausschließlich online-basiertes Portal, das seinen Hauptsitz in Portland, Oregon hat. Auch Treehouse bietet in seinen Online-Kursen Weiterbildungsmöglichkeiten für Web-Entwicklung an. Die Mission des US-Startups ist es, Anfängern den Einstieg in eine neue Karriere zu ermöglichen. Dazu bietet es Video-Tutorials, interaktive Coding-Wettbewerbe, Tests und Abzeichen für absolvierte Aufgaben. Alles ist darauf ausgerichtet, den Teilnehmern eine Ahnung davon zu geben, wie es ist, in dem auf Problemlösung fokussierten Wirtschaftszweig Fuß zu fassen. Da die Kurse keine Mentoren zur Verfügung stellen, ist es eine günstige Alternative für alle, die ihre ersten Schritte in der Programmierwelt machen.

Bloc

Das aus San Fransisco stammende Bloc.io bietet Kurse in Web Development, iOS-, Android- und UX-Design. Diese können sowohl in Vollzeit als auch in Teilzeit absolviert werden und sind somit gut geeignet für Berufstätige. Die Projekte sind darauf angelegt ein eigenes Portfolio anzulegen und durchgängig von einem Mentor begleitet. Alle Projekte sind so strukturiert, dass man aus dem Kurs heraus seine praktische Karriere starten kann und nicht nur einfach Theorie vermittelt bekommt.

Thinkful

Das Angebot von Thinkful besteht hauptsächlich aus Frontend-Web-Entwicklung für diejenigen, die bereits erste Erfahrungen auf dem Gebiet gesammelt haben. Die elf möglichen Kurse erstrecken sich außerdem auf HTML, CSS, JavaScript, Python, iOS, Node.js, jQuery und Git und werden alle von einem Mentoren begleitet. Studenten können ihre Kurse selbst zusammen stellen und auf einen schnellen Community Support zurück greifen, was das Lernen erleichtert.

Erwerb neuen Wissens wird durch das Internet zu sozialem Austausch

Arbeitet man mit oder in der Startup-Szene, ist zu beobachten, dass es hauptsächlich die Startups und Entrepreneure selbst sind, welche die Innovationen in der IT-Ausbildung vorantreiben. Politiker und Bildungsreferenten sind heute eher geneigt, die Ideen der Startups aufzunehmen und zu reproduzieren, anstatt in dieser Sache selbst die Führung zu übernehmen. Das bemerken vor allem Studenten, die heute selbst nach einem abgeschlossenen IT-Studium oft nicht ausreichend für die eigentliche Arbeit in der freien Wirtschaft qualifiziert sind. Daher müssen sich alle, die in der IT-Welt Fuß fassen wollen, selbstständig online nach zusätzlichen Angeboten umsehen.

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Jeder sollte lernen können, wie man programmiert, egal wo oder wie jemand in der Welt lebt. Das Internet verschafft uns heute die Freiheit, ohne Klassenverbände lernen zu können. Jeder kann in seiner produktivsten Lernatmosphäre und in seinem persönlichen Tempo arbeiten, ohne dabei auf die fachkundige Hilfe eines Mentoren verzichten zu müssen. Online lernen bedeutet aber nicht alleine lernen zu müssen. Der virtuelle Klassenraum einer immer rasanter wachsenden Community steht in einem agilen Austausch, egal wo man sich befindet. Studenten beginnen zunehmend, sich selbst in Communities zu organisieren um gemeinsam Projekte und Webseiten zu verwirklichen.

Das Internet ist demnach keine Ursache für weniger Bildung, sondern erweitert vielmehr die Möglichkeiten der Lernerfahrung. Es macht den Erwerb neuen Wissens über den ganzen Erdball hinweg zu einem sozialen Austausch. Indem jeder die Möglichkeit bekommt, Programmieren zu lernen, werden die hohen Einstiegsbarrieren in die IT-Wirtschaft gesenkt und ermöglichen somit mehr Menschen den Zugang zu diesem lukrativen und gleichzeitig selbstbestimmt-kreativen Arbeitsfeld.

Vor allem Frauen haben so die Chance, in dem bisher männlich dominierten Sektor erfolgreich zu sein. Im Netz zu lernen ermöglicht ihnen eine Familie zu gründen und gleichzeitig zu arbeiten. Genauso ist es nun möglich, neben der Arbeit neue Zusatzqualifikationen zu erhalten. Die erworbenen Fähigkeiten kann man zudem flexibel von zu Hause oder anderen Orten einsetzen und sich seine Zeit dadurch viel besser einteilen, als es mit normalen Jobs der Fall wäre.

Programmierkurse sind heute unerlässlich, um einen hochbezahlten, kreativen und erfüllenden Beruf in fast jedem Wirtschaftszweig zu erlangen – nicht nur in der IT. Solange alte Bildungsinstitute nicht in der Lage sind, ihren Studierenden die Kurse anzubieten, die sie brauchen, um auf dem Jobmarkt erfolgreich zu sein, werden Startups diese Funktion ausfüllen. Je mehr Innovationen sie dabei hervorbringen, desto stärker werden sie sich auch in diesem Feld etablieren.

BILD: NamensnennungWeitergabe unter gleichen Bedingungen BESTIMMTE RECHTE VORBEHALTEN VON Michael Pollak