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Roboter, Fritz-Limo, Euro-Paletten: Der Open Space (mit Hashtag) bietet alles, was bei der Digitalisierung dazu gehört

Mit den Digitalisierungs- und Startup-Bemühungen deutscher Konzerne gibt es gewöhnlich drei Probleme. Erstens, sie sind kaum voneinander unterscheidbar. Zweitens, sie sind selten wirklich ernst gemeint. Drittens, sie kommen ungemein bemüht daher.

Am Dienstag stellte die Commerzbank – Deutschlands zweitgrößte Bank – in Berlin-Schöneberg ihre Digitalisierungsplattform Open Space vor – und wirkte dabei ebenfalls auffällig bemüht. In der Pressemitteilung wimmelt es von Hashtags (#openspace, #SenseOfUrgency, #DigitalLab, #DisruptiveLab), im Veranstaltungsraum stehen als Sitzgelegenheiten die unvermeidlichen Euro-Paletten, als Farbe dominiert orange (soll vermutlich Drive und Elan symbolisieren) und als Anschauungsmaterial stehen VR-Brillen, 3D-Drucker und ein halbwegs intelligenter Roboter namens Pepper bereit. Soweit, so klischeehaft.

Dahinter ist aber durchaus eine durchdachte und unterscheidbare Strategie erkennbar, und ernsthaft betrieben wird die Plattform offenbar auch. Bei der Bank ist man sich bewusst, dass es auf dem Markt schon genug Acceleratoren, Startup-Hubs und Innovationslabore gibt. Im eigenen Haus wirken schließlich bereits seit Jahren der Main Incubator als Brutstätte für junge Fintechs und CommerzVentures als VC-Investor für spätere Wachstumsphasen. Im Herbst kündigte Vorstandschef Martin Zielke zudem einen Digital Campus in Frankfurt an, wo in Zukunft 1.000 Mitarbeiter in agilen Projektteams Digitalisierungsprojekte vorantreiben sollen.

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Wofür jetzt also noch eine Digitalisierungsplattform? Der Open Space soll nicht das bankeigene Geschäft digitalisieren, sondern das der knapp 70.000 Geschäftskunden der Commerzbank. Laut dem Institut erwarteten über 80 Prozent der Mittelständler von ihrer Hausbank Unterstützung bei der digitalen Transformation, immerhin 65 Prozent wünschen sich Hilfe bei der Suche nach digitalen Kooperationspartnern. Das soll der Open Space leisten, indem er Hilfe suchende Mittelständler mit Dienstleistern und Startups vernetzt oder bei Digitalprojekten mit Workshops und langfristiger Beratung hilft.

Damit steht das Commerzbank-Programm eher in Konkurrenz mit den Bemühungen von Unternehmensberatungen, ihren Kunden auch bei digitalen Fragen weiterhelfen zu dürfen. Roland Berger versucht genau das mit dem Digital-Hub Spielfeld. Die Open-Space-Macher halten ihr Programm für überlegen, weil es „von A bis Z“ begleite. Das könnten die Berater nicht leisten, die dem Mittelständler nur von D bis M zur Seite stünden. Und man fülle eine Marktlücke, sagt COO Joachim Köhler: „Es gibt keine etablierten Formate, um Startups und Mittelstand zusammenbringen“, zumindest keine, die über einen Plausch hinausgingen.

Wobei: Die Deutsche Bank versucht bereits seit vergangenem Sommer „Brückenbauer zwischen Mittelstand und Startup-Community“ zu sein, dazu tut ein sogenanntes Startup@Germany-Team in der Berliner Factory Dienst. Vermutlich eint beide Institute die Sorge, dass eine große Zahl digital abgehängter Geschäftskunden in Zukunft auch die Bilanzen der kreditgebenden Banken belasten könnte.

Die Commerzbank-Plattform ist im übrigen nicht als selbstloser Dienst an den Firmenkunden gedacht, sondern soll auch Geld verdienen. Für Digitalberatung und Workshops verlangt die Bank Gebühren, wird erfolgreich eine Dienstleistung über den Open Space vermittelt, soll dafür ebenfalls gezahlt werden. Schon 2017 werde seine Einheit profitabel arbeiten, kündigt CEO Holger Werner an. Werner und COO Köhler nennen sich auch Gründer, allerdings hält nur der CEO auch Anteile an der Openspace GmbH: 17,5 Prozent, der Rest gehört der Commerzbank AG. Neben den beiden Gründern sind bisher fünf weitere Mitarbeiter in der Einheit eingesetzt. Deren Zahl soll aber bald steigen, so Werner, das Wachstum sei fest eingeplant. Schließlich, na klar, verstehe man sich selbst auch als Startup.

Bild: Gründerszene