Confide Team

Das Confide-Team: Rich Hong, Jon Brod, Howard Lerman, Dan Sutera und Jeff Grossman

Confide: Wort-für-Wort und Schritt-für-Schritt

„Mal ganz unter uns“ – im Netz funktioniert das nicht so recht, denn alles wird irgendwo gespeichert. Zumindest war das lange so. Dann kam Snapchat und Sexting wurde unter Jugendlichen zum gängigen Begriff. Sogar in der Geschäftswelt wird Snapchat mittlerweile gerne eingesetzt – auch wenn der Bildnachrichtendienst dafür eigentlich nicht gedacht ist.

Gerade in einem solchen Umfeld sollte ein wirklich privater Messenger, mit dem man auch ruhigen Gewissens Gespräche „off the record“ führen kann, doch gute Verwendung finden. Möchte man zumindest meinen. Howard Lerman und Jon Brod waren sich sicher: Im vergangenen Spätsommer machten sie sich daran, genau einen solchen Dienst zu entwickeln. Schon zum Jahresbeginn 2014 ging es mit einer iOS App los, heute veröffentlicht Confide, so heißen sowohl das New Yorker Unternehmen als auch das Produkt, die Android-Version.

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So funktioniert der unverbindliche Messenger: Man verschickt die Nachrichten wie von anderen Diensten gewohnt. Versendet werden sie gut verschlüsselt, so die Confide-Macher. Beim Empfänger angekommen, kann dieser sie nur Wort-für-Wort per Wischgeste lesen – auch damit ganz sicher keine Screenshots gemacht werden können. Ist die Nachricht gelesen, zerstört sie sich von selbst. „Ohne dass man sie wiederherstellen kann“, versichert Confide.

Im Interview verraten die beiden Gründer, wie sie auf die Idee für Confide gekommen sind, wie sie ihren Dienst so schnell aufbauen konnten und wie sie ihre Idee bald als Plattform auch zum vertraulichen Austausch von Emails, Links und Dokumenten ausbauen wollen.

Jon, wie seid Ihr auf die Idee für Confide gekommen?

Jon: Die Idee wurde im August 2013 geboren. Howard war – und ist immer noch – CEO beim Geo-Marketing-Anbieter Yext, ich war ein Senior Manager bei AOL. Wir kannten uns zuvor schon fünf oder sechs Jahre und hatten schon mehrfach darüber gesprochen, etwas zusammen zu machen. Eines Tages schrieb mir Howard und wollte Infos über jemanden haben, mit dem ich zuvor zusammengearbeitet hatte und den er möglicherweise einstellen wollte. Ich antwortete auf die Email, dass ich ihn dazu zurückrufe. Denn ich wollte nicht, dass die Unterhaltung schriftlich festgehalten wird.

Dann kam es direkt zur Idee?

Jon: Nicht ganz. Ich konnte Howard nicht erreichen, sprach ihm auf die Mailbox. Als er mich dann zurück rief, war ich nicht erreichbar. Dann war ich unterwegs für AOL. Insgesamt brauchte es sechs Tage, bis wir endlich miteinander sprachen – und das bei einer solch simplen Anfrage.

Aber aus dem Gespräch heraus haben wir uns an die Idee für Confide herangetastet. Wieso gab es keinen besseren Weg, Dinge digital auszutauschen, die man nicht für schriftlich festgehalten haben will? Und das im Jahr 2013! Es gab einfach keine Online-Möglichkeiten für ein „Gespräch unter uns“. Also stellten wir uns die Frage: Wäre es nicht ein großartiges Tool für Unternehmen, wenn man die „off the record“-Kommunikation, die sich in der Offline-Welt bewiesen hatte, ins Internet bringen würde.

Und diese Frage habt Ihr für Euch mit Ja beantwortet.

Jon: Richtig.

Wobei das Ganze wohl auch vom Erfolg von Snapchat inspiriert gewesen sein dürfte.

Howard: Absolut, und zwar auf folgende Weise: Wir nutzten Snapchat bei Yext als Kommunikations-Tool im Management. Allerdings ist es umständlich, weil man dabei immer etwas fotografieren muss. Aber wir hatten den Beweis, dass es in einem Unternehmensumfeld ein echtes Tool sein kann und das es funktioniert.

Heißt das aber nicht, dass Euer Modell für Snapchat recht einfach zu kopieren ist?

Jon: Das stimmt zwar. Aber Snapchat ist zu 100 Prozent auf private Anwender fokussiert. Klar lassen sich viele Tech-Modelle leicht kopieren. Aber es ist ja auch immer eine Frage dessen, wie man seine Marke positionieren will. Facebook könnte auch Linkedin schnell kopieren. Machen sie aber nicht, weil das nicht ihre Zielgruppe ist. So verhält es sich auch zwischen Confide und Snapchat.

Worin wird Eure Business-Ausrichtung besonders deutlich?

Jon: In drei Punkten. Erstens: Wir sind Text-basiert, nicht Foto-basiert. Zweitens: Man kann sich entweder mit der Telefonnummer oder der Email-Adresse anmelden. Gerade Letztere ist nach wie vor die „Professionelle Identität“ für die meisten Berufstätigen. Drittens: Confide arbeitet vollständig verschlüsselt und ist durch die Wisch-Gesten Screenshot-sicher.

Was waren die ersten Schritte, nachdem Euer Konzept stand?

Jon: Howard und ich haben zusammen Urlaub gemacht. Dann haben wir zwei Entwickler hinzu geholt, um der Idee mehr Leben einzuhauchen. Dann haben wir auch schon damit angefangen, Confide aufzubauen. Im November 2013 war der Messenger dann soweit, dass wir ihn mit rund 300 Leuten als Betaversion testen konnten. Das Feedback daraus haben wir dann recht schnell umgesetzt. Bei Yext und AOL haben wir das Ganze auch im Berufsalltag gestestet.

Also hattet Ihr noch kein eigenes Unternehmen gegründet.

Jon: Das passierte Anfang Dezember 2013, ich war dann noch bis Ende Dezember bei AOL angestellt. Offiziell gestartet ist Confide dann am 8. Januar 2014.

Das sind gerade einmal rund fünf Monate von der Idee bis zum Start. Wie geht das so schnell?

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Howard: Inbesondere weil wir zwei wirklich gute Entwickler hatten, einer davon arbeitete vorher bei Apple. Sie wohnten zusammen während ihrer Zeit bei Carnegie Mellon, einer der Top-IT-Institutionen. Obendrein hatten sie bei einen Sicherheits-Experten als Professor, waren also gut in dem Thema bewandert. Und weil wir alle zusammen Gründer von Confide sind, haben wir am gleichen Strang gezogen.

Und dann kam die erste Finanzierungrunde, mit Google Ventures, First Round Capital, Lerer Ventures, Yelp-CEO Jeremy Stoppelman, David Tisch und Klaus Hommels‘ Lakestar waren bekannte Namen mit an Bord.

Howard: Die Runde haben wir etwa 20 Tage nach dem Start abgeschlossen. Wir hatten nicht mal ein Pitch-Deck. Jon hatte vorher nicht geglaubt, dass es auch ohne geht.

Jon: Das stimmt. Wir haben aber gelernt, dass ein gut funktionierendes Produkt das beste Pitch-Deck ist. Wichtig ist aber auch, dass gerade mit Klaus Hommels jemand dabei ist, der uns hilft, die internationalen Märkte besser zu verstehen. Denn nur wenige Wochen nach dem Start wurde Confide bereits in 110 Ländern genutzt.

Gerade in Europa dürfte sicherlich auch die Prism- oder XKeystroke-Affären sehr geholfen haben.

Jon: Absolut. Aber nicht nur in Europa, auch hier in den USA sind Sicherheits- und Privatsphäre-Aspekte seitdem deutlich wichtiger geworden.

Habt Ihr auch – wie Telegram oder Threema – von der Alternativen-Suche nach dem WhatsApp-Exit an Facebook profitiert? Auch da war Sicherheit ja ein Thema und Confide wurde in vielen Artikel erwähnt.

Jon: Natürlich hat es insofern geholfen, als dass Messenger-Dienste generell diskutiert wurden. Davon haben wir möglicherweise auch etwas profitiert. Allerdings beschränkt sich Confide auf einen sehr speziellen Anwendungsfall und ist nicht für die Breite konzipiert.

Was macht man 1,9 Millionen US-Dollar Seed-Finanzierung?

Howard: Erst mal das Kinn wieder von der Tischplatte aufheben, denn wir waren von der Runde selbst sehr überrascht. Allerdings sind wir auch erst am Anfang. Confide war niemals so angedacht, dass es nur eine App sein soll. Sondern eine Plattform: Angefangen haben wir mit Textnachrichten, aber bald soll Confide auch Emails, Links oder Dateien beherrschen. Wäre es nicht cool, wenn man ein Dokument über Dropbox oder Box teilen könnte, das sich selbst zerstört, nachdem es einmal angesehen wurde?

Wird das nicht technisch sehr hart? Zumindest wenn man sicherstellen will, dass die Informationen auch garantiert nicht in die falschen Hände geraten.

Howard: Zum einen: Fast alle Cloud-Dienste und Email-Provider sind heute als Plattformen aufgestellt. Das heißt, man kann Produkte auf ihnen aufbauen. Zum anderen: Hell yeah, natürlich wird es hart. Ein Unternehmen aufzubauen ist hart. Partnerschaften sind hart. Aber vielleicht schaffen wir es ja.

Jon: Wir gehen den Weg Schritt für Schritt. Und wir setzen Feedback schnell um, damit sich das Produkt in die richtige Richtung entwickelt.

Wie groß soll Confide zum Jahresende sein?

Jon: Ich denke, so zehn bis zwölf Leute. Alle entweder Entwickler oder Designer.

Howard, Jon, vielen Dank für das Gespräch!

Bild: Confide