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Cringle oder Cookies: Welche App kann mehr?

Freunden per App Geld schicken ist in den USA oder auch China ein großes Ding. Mit Apps wie Venmo und WeChat erreicht die Idee ein großes Publikum. In Deutschland allerdings, dem Land der Bargeld-Liebhaber, konnten sich solche Apps bisher nicht als Massenphänomen durchsetzen.

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Das Berliner Startup Cringle arbeitet mit acht Mitarbeitern beispielsweise bereits seit dem Frühjahr 2013 an seiner App. Im Google-Play-Store wird die Downloadzahl auf 10.000 bis 50.000 geschätzt. Auch das Startup Lendstar versucht sich schon länger an einem Angebot für das sogenannte Peer-2-Peer-Payment. Dann gründeten vergangenes Jahr zwei ehemalige Number26-Mitarbeiter mit viel Aufsehen ihr Startup Cookies. Die App, die diesen Montag offiziell gestartet ist, soll endlich die Massen davon überzeugen, an Freunde kleine Geld-Beträge über die App zu schicken. Doch das Killer-Feature fehlt bislang.

Die Gründerszene-Redakteurinnen Anne Schade und Christina Kyriasoglou haben nun getestet, wie schnell Nutzer sich bei Cringle und Cookies anmelden können – und wie das Geldversenden funktioniert. Beide haben ihr Gespräch festgehalten.

Christina: Ich öffne Cookies, gebe den Einladungscode ein und beginne, mich anzumelden. Insgesamt dauert es etwas länger als bei Cringle. Dafür ist Cringle aber direkt nach der Anmeldung erst einmal abgestürzt. Erster Eindruck: Das Design von Cookies ist schicker, dafür aber nicht so intuitiv zu bedienen. Cringle ist schlichter und eingängig. Der Freunde-Check fällt in beiden Apps mau aus. Keiner meiner Kontakte nutzt die Apps – bis du dich angemeldet hast, Anne.  Von beiden Apps habe ich direkt eine Push-Nachricht bekommen.

Anne: Das Anmelden in beiden Apps finde ich komplizierter als gedacht. Das liegt aber wohl daran, dass ich den Zugang zum Online-Banking – in meinem Fall die Kontonummer – nicht im Kopf habe. Als ich die gefunden habe, dauert es tatsächlich nur ein paar Minuten, bis ich bei beiden Apps ein Profil habe. Allerdings ist mir auch ein bisschen unwohl, als ich die Daten eingebe. Wie sicher sind meine Daten eigentlich?

Christina: Also, darüber habe ich gar nicht nachgedacht. Die Angst, dass Schlimmes mit meinen Daten passiert, habe ich spätestens abgelegt, als ich Tinder erlaubt habe auf mein Facebook-Profil zuzugreifen. Natürlich müssen sensible Bankdaten gut geschützt werden, die Branche ist aber streng reguliert. Außerdem zeigen Beispiele, dass auch große Banken wie die Deutsche Bank oder die Comdirect die Sicherheit ihrer Kundendaten längst nicht im Griff haben. Deswegen verzichte ich ja jetzt auch nicht auf Onlinebanking.

Anne: Ich bin da skeptisch. Dass die Apps dann aber auch noch die Pin-Nummer für meinen Online-Banking-Account wissen wollen, trägt nicht gerade zu meiner Beruhigung bei. Dennoch gebe ich die Zahlen alle ein, ich will ja wissen, wie gut die Apps sind. Vom ersten Eindruck überzeugen sie mich. Sie sind schön übersichtlich und einfach zu handhaben. Cookies finde ich minimalistischer und stylischer, Cringle wirkt klassischer und seriöser in der Optik, eher wie andere Online-Banking-Apps. Ich klicke umher und brauche bei beiden Apps etwa eine Minute, um die wichtigsten Features zu überblicken. Das geht also schnell.

Christina: So genau habe ich mir die Apps anfangs gar nicht angesehen. Ich wollte erst einmal wissen, wie einfach der Geldtransfer ist. Auf dem Startbildschirm bei Cringle steht unten direkt „request money“ oder „send money“. Ich tippe „senden“ an, kann die Telefonnummer heraussuchen, die Summe eingeben und mit der Touch ID von meinem iPhone bestätigen. Das Ganze dauert tatsächlich nur einige Sekunden. Bei Cookies tippe ich zunächst auf den dicken Smiley in der Mitte. Da komme ich auf die Benachrichtigungen, das wollte ich nicht. Zurück auf dem Startbildschirm tippe ich dann auf das Plus-Zeichen unten rechts, dann läuft alles genauso ab wie bei Cringle. Auch hier geht es fix.

Anne: Man freut sich richtig, wenn Cookies einem so ein kleines Zeichen mit einem fliegenden Geldschein schickt, dass das Geld angekommen ist. Bei Cringle muss ich mein Konto noch verifizieren lassen – das dauert etwa ein bis zwei Tage. Dafür schickt einem die App einen Cent mit einem Code aufs Bankkonto. Und den muss ich dann wieder in der App eingeben, bevor das Geld verschickt wird. Hast du das schon gemacht?

Christina: Nein. Werde ich wohl auch nicht. Die App nutzt ja niemand, den ich kenne – außer jetzt dir. Und du freust dich wirklich über die Emojis bei Cookies?

Anne: Ja! Ein bisschen erinnert mich Cookies an Slack. Wenn ich die App jetzt öffne, fragt sie mich, was hinter meinem schönen Benutzernamen stecke. Und was meine Freunde gerade täten. Auch wenn ich der App nicht direkt antworten kann, würde ich ihr gerne sagen, dass ich das ein bisschen zu neugierig finde. Es macht aber Spaß.

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Christina: Spaß? Vielleicht, wenn man Geld bekommt. Es stimmt schon, Cookies wirkt so, als sei es mehr auf den Gedanken eines sozialen Netzwerks ausgerichtet. Vielleicht kann das künftig einmal Leute tatsächlich davon überzeugen, eine solche App zu nutzen. Mal sehen, was da noch kommt.

Anne: Ich könnte mir auch vorstellen, dass ich Freunden so Geld schicke, wenn wir mal etwas zusammen gebucht haben, beispielsweise ein Ferienhaus. Das ist auf jeden Fall einfacher als bisheriges Onlinebanking. Da muss man für Überweisungen immer Pins, Tans und lange Iban-Nummern angeben. Und es ist umständlich, nachzuschauen, ob das Geld angekommen ist. Bei den Apps geht das schnell, ist übersichtlich und man kann den Freunden auch kleine Textnachrichten mitschicken.

Christina: Klar, das stimmt. Aber du kannst nur 100 Euro pro Monat hin und her senden, das ist gesetzlich vorgeschrieben. Da ist dein Use Case Ferienhaus wahrscheinlich schon wieder dahin. Und dass die P2P-Payment-Apps praktisch sein können, hat bis jetzt auch kaum Kunden überzeugen können, sie herunterzuladen. Ich glaube nicht, dass sich das plötzlich ändert.

Anne: Ja, die 100-Euro-Grenze ist ein großer Nachteil. Paypal können die Apps deswegen bei mir nicht ersetzen. Gut finde ich auch den Käuferschutz von Paypal. Der kostet zwar etwas, während ich für Cringle und Cookies kein extra Geld zahlen muss. Aber er ist schon praktisch.

Christina: Ich bin nicht der größte Paypal-Fan. Zuletzt war ich so genervt, dass ich mein Konto da gelöscht habe. Das Schicksal wird wohl auch meine Konten bei Cringle und Cookies erfahren. Vielleicht lade ich die Apps erneut herunter, wenn sie einmal von mehr meiner Freunde genutzt werden sollten.

Anne: Ich könnte mir schon vorstellen, sie zu nutzen und lösche sie mal noch nicht. Wenn ich mal jemanden schnell Geld überweisen will, werde ich ihm eine der beiden vorschlagen: die, die sich bis dahin mehr durchgesetzt hat.

Titelbild: Gründerszene