Coolar

Kühlen mit Wärme? Coolar-Gründerin Julia Römer (vorne links) pitchte die Idee mit Erfolg.

Man merkte ihr die Aufregung vor dem Finale deutlich an. Dabei hatte Julia Römer den Pitch für ihr Startup Coolar bis ins Detail einstudiert – und ihn dann auf der Bühne des internationalen Social-Startup-Wettbewerbs The Venture sehr sympathisch vorgetragen. Zuvor hatte sie sich bereits in mehreren Runden erfolgreich bis ins Finale der besten fünf in New York vorgearbeitet. Am Donnerstagabend fiel dann die Entscheidung der Jury: 50.000 Dollar bekommt Römer, ohne weitere Bedingungen, bar auf die Hand.

Was Römer mit ihrem Startup Coolar macht? Die Gründerin erklärt es im Gespräch mit Gründerszene so: „Wir wollen das Denken über Kühlung verändern – das geht nämlich auch ohne Strom.“ Römer hat einen Kühlschrank entwickelt, der vor allem in den ärmsten Regionen der Welt für positive Veränderungen sorgen soll.

Für das Kühlsystem nutzt das Startup Wasser und Silikat, betont Römer. Konkret für die Technik-Fans: Das Wasser wird durch Solarthermie erwärmt und anschließend wird durch ein spezielles Adsorptionskältesystem die Kühlung erreicht. Umweltfreundlich sei der Coolar-Kühlschrank, er produziere keine CO2-Emissionen und komme ohne umweltschädliche Stoffe aus, verspricht die Gründerin.

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Der aus Römers Sicht wichtigere Einsatzzweck für den Coolar-Kühlschrank ist gar nicht so naheliegend. Neben dem Lagern von Lebensmitteln geht es Römer um einen medizinischen Nutzen: das Aufbewahren von Impfstoffen und Medikamenten, die in Gegenden ohne Strom allzu oft zu Medizin-Müll werden. Und so kooperiert das Berliner Startup bereits mit der Organisation Ärzte ohne Grenzen, derzeit laufe ein Pilotprojekt in Äthiopien, verrät Römer. Auch in Zukunft will sie den Kühlschrank hauptsächlich an Partnerorganisationen verkaufen, nicht an einzelne Haushalte.

Geplant hat die studierte Wirtschaftsingenieurin und engagierte Umweltschützerin ihr Projekt zusammen mit vier Mitgründern bereits seit 2014, direkt nach ihrer Masterarbeit. Darin hatte sie die Realisierbarkeit des stromlosen Kühlsystems belegt. „Richtig gestartet sind wir allerdings erst vor knapp zwei Monaten.“

Mutig und vielversprechend aber noch in den Kinderschuhen sei das Projekt von Römer und ihrem derzeit knapp zehnköpfigen Team, erläuterte die The-Venture-Wettbewerbsjurorin, Schauspielerin und Aktivistin Eva Longoria die Entscheidung der Jury. Zum Entscheidergremium gehörten noch LSTN-Sound-Gründer Joe Huff und Sonal Shah, die Chefin des Beeck Center for Social Impact + Innovation in Washington sowie Alexandre Ricard, der Chef des Wein-und—Whisky-Konzerns Pernod Ricard, der über seine Marke Chivas den Wettbewerb veranstaltet. Über ein Jahr hinweg wurde aus rund 2.500 Bewerbern jeweils ein Startup aus insgesamt 27 Ländern herausgefiltert. Bei The Venture geht es um insgesamt eine Million in bar – ein Viertel davon wird durch eine öffentliche Abstimmung verteilt, der Rest durch die Juroren.

Gegenüber Gründerszene erklärte Ricard, worauf es ihm als Juror ankomme: Dass die Gründer sich in ihre soziale Mission hineinknien, nicht unbedingt in die wirtschaftliche Kalkulation. Die finde sich dann schon. Wie wichtig Innovation bei sozialen Startups ist – schließlich geht es ja oft um simple Grundbedürfnisse? „Das Prinzip für den Coolar-Kühlschrank – um beim deutschen Beispiel zu bleiben – basiert auf einer wissenschaftlichen Erkenntnis aus den 1930ern. Das muss man also erst einmal nicht als innovativ bezeichnen. Viel wichtiger ist aber, was man mit der Technologie erreichen will und kann. Das ist die eigentliche Innovation.“

Die weiteren Finalisten des Wettbewerbs:

  • Conceptos Plásticos: Gründer Oscar Andres Mendez aus Kolumbien hat es sich zum Ziel gesetzt, Plastik- und Gummiabfälle zu Materialien für den Bau von Häusern oder Schulen umzuwandeln. Das Ganze funktioniert im Wesentlichen wie Lego: Aus den Bausteinen sollen sich einfach und schnell Gebäude zusammenbasteln lassen – die dann sogar noch erdbebensicher sind. Die Jury belohnte die Idee mit 300.000 Dollar.
  • WeFarm: Aus Großbritannien kommt Kenny Ewan mit seiner Idee, Bauern weltweit eine Plattform für den Austausch zu bieten. Das Besondere an der Idee: Weil der Großteil der Landwirte keinen eigenen Internetanschluss besitzt, funktioniert die Plattform auch ohne – und greift stattdessen auf SMS zurück. 200.000 Dollar gab es für das Projekt.
  • EyeControl: Menschen mit dem sogenannten Locked-in-Syndrom das Sprechen ermöglichen. Das hat sich der israelische Gründer Or Retzkin vorgenommen. Schaffen will er das mit einem mobilen und preisgünstigen Kommunikationsgerät – das ganz ohne Tastatur oder Spracheingabe auskommt, sondern stattdessen die Augenbewegungen interpretiert. 100.000 Dollar hat er nun auf dem Konto, um sein Gerät weiter zu testen und zu verbessern.
  • Wakami: Das von Maria Pacheco in Guatemala gestartete Projekt will Menschen in armen Gegenden zu Kleinunternehmern machen – indem es von diesen hergestellte Mode-Accessoires wie Armbändchen kauft und über die eigene Plattform weitervertreibt. Für einen überaus gelungenen Pitch gab es 100.000 Dollar.

Für Julia Römer heißt es nun jedenfalls erst einmal abschalten, wenn auch nur ganz kurz. Denn die 30-Jährige will ihr frisches Kapital so schnell wie möglich einsetzen: neue Pilotprojekte starten, weiterentwickelte Prototypen herstellen. Beides sei für Coolar sehr wichtig. Weil sich das Unternehmen noch in einer sehr frühen Phase befindet und nur erste Prototypen vorzuweisen hat, habe sie nämlich immer wieder Probleme, zu Investoren vorzudringen, erklärt die Gründerin. Und hofft mit zufriedener Miene, dass sich das nun bald ändern wird.

Coolar The Venture

Julia Römer vor den The-Venture-Juroren

Artikelbild: Coolar; Foto: Alex Hofmann / Gründerszene; Disclaimer: Die Veranstaltung in New York fand auf Einladung von Pernod Ricard statt.