Copycat, Türkei

Copycats sind in aller Munde. Kopien amerikanischer Geschäftsmodelle in Deutschland zu initiieren und anschließend an die amerikanischen Vorbilder zu verkaufen, hat sich als besonders lukrative Gründungsstrategie erwiesen.

Eine erfolgsversprechende Variation dieses Themas ist, in Deutschland erfolgreiche Geschäftsmodelle auf schnell wachsende Märkte zu übertragen. Dabei können Gründer von in Deutschland bereits erworbenem Knowhow profitieren.

Wir haben den türkischen Online-Markt als besonders interessant identifiziert und untersuchen ihn gezielt nach potentiellen Gründungsmöglichkeiten. Für die Türkei sprechen neben der räumlichen Nähe und der wirtschaftsfreundlichen Politik die nackten Zahlen.

Türkei: Wachstum wie in China

Türkei, Internet-HaushalteDie Türkei hat in den letzten Jahren eine fulminante wirtschaftliche Entwicklung genommen. Die jährlichen Wachstumsraten in Höhe von durchschnittlich sieben Prozent liegen auf dem Niveau Chinas. Die Bevölkerung von aktuell 72 Millionen Staatsbürgern wächst kontinuierlich. Mehr als die Hälfte ist jünger als 30 Jahre.

Dies hat zu einem erheblichen Schub für die Internetnutzung und den E-Commerce geführt. Der Anteil türkischer Haushalte mit DSL-Anschluss verdoppelte sich von 15,5 Prozent in 2007 auf 30,5 Prozent im Jahr 2010. Insgesamt verfügen 41,6 Prozent aller Haushalte über einen Internetanschluß.

Die E-Commerce-Umsätze wuchsen von 2,7 Milliarden Euro im Jahr 2007 auf 5,3 Milliarden Euro im Jahr 2009 – verglichen zu 15,5 Milliarden Euro in Deutschland. Im ersten Quartal 2010 stiegen die E-Commerce-Umsätze sogar um 64 Prozent verglichen zum Vorjahreszeitraum.

Der rasante Aufschwung eröffnet nicht nur eine Vielzahl bisher ungenutzter Business-Opportunities, sondern ermöglicht StartUps auch, in kurzer Zeit attraktive Umsätze zu erzielen.

Deutsche Investoren von Anfang an dabei

Spätestens seit sich Ebay im Jahr 2007 an der türkischen Auktionsplattform GittiGidiyor (www.gittigidiyor.com) beteiligte, dürften die letzten Zweifel am Potential der Türkei verflogen sein. Holtzbrinck Ventures und die Samwer-Brüder verzeichneten bereits im Jahr 2008 ihren ersten erfolgreichen Exit in der Türkei: Xing (www.xing.com) erwarb das türkische Pendant Cember.net für insgesamt 6,5 Millionen Euro.

Aktuell sind die Samwers an der Check24 ähnlichen Vergleichsplattform Enuygun (www.enuygun.com) beteiligt. Die für ihre frühen Investments in OpenBC/Xing bekannten deutschen Investoren Klaus Hommels und Oliver Jung haben sich ebenfalls in der Türkei engagiert. Sie beteiligten sich am von dem ehemaligen türkischen Ebay-Geschäftsführer Sina Afra gegründeten Vente-Privee-Copycat Markafoni (www.markafoni.com).

Ein weiteres Beispiel für deutsche Engagements in der Türkei ist die Dating-Site eCift (www.ecift.com). Zu den Investoren gehören hotel.de-Gründer Stefan Morschheuser und Parship-Gründer Konstantin Urban sowie Corporate Finance Partners.

Leichter Einstieg in den türkischen Markt

Die unternehmerfreundliche Politik, die unkomplizierten Gründungsmöglichkeiten in der Türkei und die niedrigen Barrieren, als Deutscher in der Türkei eine Arbeitserlaubnis zu erhalten, vereinfachen den Start in den türkischen Markt.

Einen ersten Eindruck kann man auf Veranstaltungen wie dem NuBridge Venture Summit gewinnen, der türkische Internet-Unternehmen mit internationalen Investoren zusammenbringt oder dem jüngst stattgefundenen Webrazzi-Summit.

Als Standort empfiehlt sich Istanbul, die Metropole des türkischen Internet-Businesses. Unabhängig von der Staatsangehörigkeit oder dem Wohnsitz ist es möglich, die Eintragung und Gründung eines Unternehmens an einem einzigen Tag abzuwickeln. Als Rechtsform bieten sich eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (Limited), eine Aktiengesellschaft (A.S.), eine Niederlassung oder ein Verbindungsbüro an.

Ausländer erhalten ohne Probleme eine Arbeitserlaubnis, soweit der anstellende Betrieb mindestens fünf türkische Bürger beschäftigt und über eine Kapitalrücklage von mindestens 100.000 Türkischen Lira (zirka 50.000 Euro) verfügt.

Für einen erfolgreichen Start unabdingbar sind türkische Mitarbeiter, die die türkische Sprache beherrschen und mit den kulturellen Besonderheiten vertraut sind. In diesem Sinne hat Deutschland mit seiner großen Zahl türkischstämmiger Bürger einen nicht zu unterschätzenden Wettbewerbsvorteil.

Bildmaterial: Radomil