Greta Kreuzer Cosinuss

Greta Kreuzer hat ein kleines Gerät entwickelt, das Puls und Temperatur im Ohr misst und die Daten an das Smartphone überträgt. Bisher nutzen das Sportler und Mediziner, jetzt soll „Cosinuss“ auch für Musik-Liebhaber und Eltern, die die Temperatur ihres Kindes überwachen wollen, zum Einsatz kommen.

Kreuzer ist 31 Jahre alt, studierte BWL an der TU München und gründete anschließend 2011 mit ihrem Mann Johannes Kreuzer die Cosinuss GmbH. Beide leiten das Startup als CEO. Die Cosinuss-Geräte lässt das Ehepaar in der tschechischen Republik, Ungarn und Spanien produzieren. Finanziert wird die acht Mitarbeiter starke Firma durch Business Angels. Für weitere Geldmittel sei man derzeit in Gesprächen mit mehreren großen Investoren, so die Gründerin. Greta Kreuzer im Gespräch.

Greta, dein Gerät misst Vitalwerte wie Puls und Temperatur. Was ist daran neu?

Sportler nehmen für die Pulsmessung normalerweise einen Brustgurt und wenn sie die Körpertemperatur kontinuierlich messen wollen, müssen sie eine Sonde nutzen. Wir machen beides im Gehörgang, das ist angenehmer und liefert die gleichen Werte.

Was sagt die Temperatur im Sport denn aus?

Es wird zum Beispiel angenommen, dass der Puls linear zur erbrachten Leistung des Sportlers verläuft. Das ist aber nicht so, da die Körpertemperatur mit reinspielt. Denn wenn sich der Körper abkühlt, braucht auch das Energie – und damit geht der Puls hoch, obwohl der Sportler nicht mehr Leistung auf die Straße bringt. Wir können beide Werte in Verbindung setzen.

Video: So funktioniert das erste Produkt von Cosinuss

Wo spielt die Temperatur noch eine Rolle?

Sie könnte Aufschluss über das Hydrationslevel geben, also sagen, wann und wie viel man trinken sollte. Aber auch bei der Kalorienberechnung könnte sie hilfreich sein, hier wird derzeit mehr geschätzt als gemessen. Wir sind bei sehr vielen Forschungsprojekten dabei und lernen vieles erst noch.

2011 hast du das Unternehmen gegründet, das erste Produkt kam aber erst 2015 auf den Markt. Was hat euch aufgehalten?

Es hat so lange gedauert, weil wir uns zu Anfang fast nur aus Eigenmitteln finanziert haben. Erst später kamen Business Angels dazu. Und mit jeder Finanzierungsrunde konnten wir dann nur den nächsten Prototypen bauen. Wenn man Hardware baut, braucht man viel Geld.

Die lange Entwicklungszeit war also nicht geplant?

Nein, natürlich nicht. Wir wollten eigentlich mehr Geld einsammeln und nicht immer nur kleine Summen. Als wir damals gestartet sind, waren Wearables noch gar kein Thema. Wir mussten den Investoren deshalb erst viele Fragen beantworten. Mittlerweile stellen auch große Unternehmen wie Samsung und Motorola Wearables für das Ohr her.

Welche Hürden gab es abgesehen von der Finanzierung?

Eine riesige Herausforderung war die Produktion. Es hat ein halbes Jahr gedauert, bis wir Produkte in hunderter Stückzahlen bekommen haben. Weil wir ein kleines Unternehmen sind, wurden wir immer wieder hinten angestellt. Und dann haben wir Produkte bekommen, die qualitativ nicht so sind, wie wir uns das vorgestellt haben.

Hast du wegen der Rückschläge mal daran gedacht, aufzuhören?

Das Gefühl hatte ich nie. Mir lief es nur manchmal zu langsam.

Ihr arbeitet gerade an einem weiteren Produkt für das Ohr, das gleichzeitig Körperwerte misst und ein Kopfhörer ist. Ist der Markt reif dafür?

Ich glaube schon, weil wir dann hauptsächlich als Kopfhörer genutzt werden und nicht als Messgerät.

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In welchen Markt wollt ihr noch?

Wir sehen weitere Anwendungsgebiete im Arbeitsschutz, zum Beispiel könnten unsere Produkte beim Militär, bei der Feuerwehr, der Polizei, aber auch bei Arbeitern an Produktionslinien zum Einsatz kommen. Man könnte schauen, ob die Mitarbeiter noch konzentriert sind oder eine Pause benötigen. In der Medizin kommt die Cosinuss-Technologie bereits zum Einsatz. Da soll es weitere, eigene Produkte geben.

Euer drittes Gerät ist ein kontinuierlich messendes Fieberthermometer im Ohr für Kinder. Die Reaktion einer Kollegin auf diese Idee war: „Oh wie schrecklich, die armen Kinder.“

Das überrascht mich nicht. Die erste Reaktion von Müttern auf das Produkt ist oft abweisend. Ich vermute, dass sie sich in ihrer mütterlichen Kompetenz angegriffen fühlen. Die meisten lassen sich aber mit ein, zwei erklärenden Sätzen überzeugen. Unsere Zielgruppe sind daher vorrangig die Väter. Sie verstehen sehr wohl, warum es gut ist, eine Grundlage für das weitere Vorgehen zu haben.

Wolltest du schon immer Unternehmerin werden?

Nein, eigentlich habe ich nie darüber nachgedacht. Den Grundstein für die Technologie von Coinuss hat mein Mitgründer, der auch mein Mann ist, während seiner Promotion gelegt. Und nachdem es Produktanfragen von Unternehmen gab, haben wir uns entschlossen, es zu probieren. Die einzige Fragestellung war, ob es klug ist, mit meinem Mann zu gründen. Meine Eltern haben mir davon abgeraten. Andererseits ist man sowieso auf gewisse Weise verheiratet, wenn man gründet.

Wie trennst du das private vom beruflichen?

Klar sprechen wir auch in der Badewanne noch über das Startup. (lacht) Und es ist teilweise schwer, über andere Themen zu sprechen.

Bild: Cosinuss