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Stimmt die Bewertung beim Online-Werbeanbieter?

Es war kein kleiner Schlag, mit dem der Online-Werbeanbieter Criteo sein Börsendebut an der US-amerikanischen Nasdaq gab. Um stolze 30 Prozent schoss der Kurs der Anteilsscheine nach Handelsbeginn nach oben. Mehr als 41,50 US-Dollar erreichte das Papier in der Spitze. Lange dauerte es allerdings nicht, bis sich die Aktie wieder leicht oberhalb des Ausgabepreises bei gut 36 US-Dollar einpendelte.

Zuerst hatte das in Paris, München und New York ansässige Criteo nach eigenen Angaben einen IPO-Preis von 23 bis 26 US-Dollar geplant, dann wurde zunächst auf 27 bis 29 US-Dollar und schließlich auf 31 US-Dollar aufgestockt. Erst in den nächsten Wochen wird sich zeigen, ob der Online-Werbe-Retargeter – beziehungsweise seine IPO-Berater – damit zu hoch gepokert hat. Erst vor gut einem Monat wurden die Absichten Criteos bekannt – nur wenige Tage nachdem auch Twitter ein entsprechendes Vorhaben angekündigt hatte.

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Genau das war bekanntlich Facebook bei seinem IPO passiert: Weil die beratenden Banken meist nach IPO-Summe bezahlt werden und somit gerne den Preis in die Höhe schrauben, war der Börsenkurs des sozialen Netzwerks kurz nach dem Rekord-Börsengang schnell abgestürzt. Weil das Unternehmen zuletzt gute Ergebnisse vorweisen konnte, hat sich der Börsenwert allerdings wieder weitestgehend erholt.

Der Zeitpunkt stimmt

Derweil kam der Criteo-Börsengang zum richtigen Zeitpunkt. Zwar hatten es besonders Werbe-Tech-Firmen zu Beginn des Jahres schwer. Die IPOs der Video-Werbeanbieter YuMe und Tremor Video, wie auch Adage berichtet, verliefen eher enttäuschend. Gleichermaßen hatte die „Demand-Side“-Plattform Rocket Fuel ihren Wert in wenigen Stunden nach dem Börsenstart verdoppelt – und diese Bewertung hält sich seitdem annähernd aufrecht. Criteo sorgt dafür, dass Internet Surfer solche Werbung zu sehen bekommen, die ihrer Seitenbesuchshistorie entsprechen.

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Zuletzt hatte die Branche sehr auf Expansion gesetzt, was sich mitunter auch in den Ertragsrechnungen niederschlug. Bei dem 2005 gegründeten Criteo stand für die ersten sechs Monate des laufenden Jahres noch ein sattes Minus von 6,4 Millionen US-Dollar zu Buche. In den drei Jahren von 2010 bis 2012 war das Unternehmen nach eigenen Angaben profitabel.

Im vergangenen Jahr hatten die Umsätze bei 354 Millionen US-Dollar gelegen. Vor dem Börsengang belief sich die Gesamtfinanzierung laut Crunchbase von Criteo auf 63 Millionen US-Dollar, unter anderem engagierte sich auch Index Ventures. Die Bewertung dürfte nach dem IPO deutlich jenseits der Milliardenmarke liegen.

Bild: 139569 (Christian Pauschert) / PantherMedia