Crowdsourcing, Crowd

Die Internetnutzung insbesondere die Nutzung von Social-Media und Web 2.0 steigt. Immer mehr stehen dabei auch Faktoren wie die Reichweite des Internets als Nutzungsmotiv im Vordergrund. Das Internet wird bereits von x Milliarden Menschen genutzt und allein 500 Millionen davon sind bei Facebook registriert. Genau dieses Ausnutzen der erreichbaren Massen verbirgt sich hinter dem Begriff Crowdsourcing.

Was ist eigentlich Crowdsourcing?

Das Prinzip von Crowdsourcing ist zunächst einfach: der Ansatz besagt, dass die Masse (= die Crowd) intelligenter ist und mit weniger Einsatz viel mehr schafft, als einzelne Personen und man diese Intelligenz der Masse (Wisdom-of-the-Crowd) zum eigenen Vorteil nutzt (Sourcing = Beschaffung, Ursachenfindung, Akquisition). Es wird also davon ausgegangen, dass so für viele Probleme schnell eine bestehende, einfachere, kostengünstigere oder auch bessere Lösung gefunden werden kann. Meist muss man der Crowd dabei auch einen Anreiz bieten, denn warum sollte sich eine große Masse sonst mit dem eigenen Problem befassen?

Crowdsourcing ist ein sehr weit gefasstes Prinzip, dass viele Anwendungs- und Umsetzungsmöglichkeiten hat. Wenn man beispielsweise einen alten Röhrenfernseher abzugeben hat und einen Aushang am schwarzen Brett macht, dann betreibt man ebenfalls Crowdsourcing, denn man macht das Problem (wie werde ich meinen Fernseher los) einer Masse (den Lesern) zugänglich und versieht es mit einem Anreiz (ein kostenloser Fernseher).

Doch die Möglichkeiten, die Crowd zu erreichen, sind im Zeitalter des Internets viel größer geworden. Längst geht Crowdsourcing über die Suche nach Lösungen oder den Verkauf von gebrauchten Gegenständen weit hinaus. Die Masse (Crowd) wird für Akquise, Marketing, Imagepflege, Marktforschung, Innovation und Forschung eingesetzt. Immer neue Ideen werden mit den neuen Möglichkeiten der Internetangebote umgesetzt. Die Zahl und die Verschiedenartigkeit der Beispiele zeigt, wie groß das Potenzial der Idee „Crowdsourcing“ ist.

Warum Crowdsourcing?

Für Crowdsourcing gibt es ganz verschiedene Motive, man sollte auf keinen Fall den Fehler begehen, es nur als Kostensenkungsmittel zu verstehen. Zwar kann man manchmal auch Kosten senken, wichtiger ist aber der Aspekt, durch die Nutzung der Crowd/Masse auf bessere, neuartigere und innovativere Lösungen zu kommen, als man selbst im Stande wäre – und das kann durchaus auch Geld kosten!

Gängige Anwendungsgebiete für Crowdsourcing sind Marketing, Produkteinführung, Image- und Reputationsaufbau, Suche nach (wissenschaftlichen) Lösungen, Ausschreibungen, Marktforschung, Pflege der Kundenbeziehung, Fanbetreuung und Fangewinnung, Spaß am Internet, Innovation. Die meisten dieser Aspekte werden von Unternehmen auch in klassischen Ansätzen wie Anzeigenkampagnen, Kundenpartys, Presseartikeln, Umfragen und in internen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen etc. verfolgt. Was also macht neue Wege wie Crowdsourcing so interessant für Unternehmen aller Größenordnungen und Fachrichtungen? Was sind die entscheidenden Vorteile von Crowdsourcing?

Mit Crowdsourcing versucht man, die Anzahl der Menschen, die sich mit der eigenen Problemstellung befassen, drastisch zu vergrößern. Wenn also etwa ein Problem bei der Entwicklung eines Produktes besteht, und die eigene Entwicklungsabteilung zu lange braucht, nur ineffiziente Lösungen anbieten kann oder schlicht am Rande ihrer Kapazitäten arbeitet, dann kann man versuchen, mit einer großen Crowd, die idealerweise auch noch untereinander kooperiert, den entscheidenden Schritt zu machen.

Ein Beispiel für effektives Crowdsourcing ist Open-Source-Software. Welches Internet-Startup könnte heute noch ohne freie Software, die von tausenden Entwicklern (und damit ihren eigenen Nutzern) weltweit gepflegt und weiterentwickelt wird, existieren?

Wo liegen die Schwierigkeiten von Crowdsourcing?

Crowdsourcing ist auf keinen Fall einfach! Es reicht nicht, das eigene Problem im Internet zu veröffentlichen und zu warten, bis die Lösung von der Crowd geliefert wird. Zunächst einmal muss sich mit einer Reihe von Fragen auseinandergesetzt und strategische Entscheidungen getroffen werden. Je größer und komplexer das Problem, desto mehr Punkte sind zu beachten und eine falsche Strategie kann das Projekt schnell zu einem Misserfolg werden lassen:

  • Eignet sich mein Problem überhaupt für Crowdsourcing?
  • Wen will ich eigentlich erreichen bzw. was für eine Crowd kann mein Problem lösen?
  • Welche Kanäle gibt es, welche sind die richtigen für die Fragestellung und für die Zielgruppe?
  • Wie verbreite ich mein Projekt in der Crowd?
  • Wie schaffe ich Anreize, damit die Masse sich überhaupt für meine Fragestellung interessiert und in die gewünschte Richtung reagiert? Welche Anreize schaffe ich?
  • Welche Grundvoraussetzungen bestehen bzw. habe ich schon die passenden Vorraussetzungen, um meine Crowd zu erreichen (vorhandene Fanpages und Anzahl Fans, Anzahl Freunde und Kontakte, Unternehmensseiten in Netzwerken, Follower, etc.)?
  • Wie filtere ich richtige und falsche Antworten heraus? Wie kann ich mit der Crowd kommunizieren?
  • Wie behalte ich die Kontrolle über den Verlauf, den mein Projekt durch Crowdsourcing nimmt?
  • Wie stelle ich sicher, dass ich am Ende auch die nötigen Rechte am Ergebnis habe?

Um eine geeignete Crowd zu erreichen, sollte diese also zunächst identifiziert und anschließend geeignete Wege gefunden werden, um die Masse auch zu erreichen. Die Vorbereitung eines großen Crowdsourcing-Projektes kann also durchaus der Vorbereitung und Durchführung einer Werbekampagne ähneln. Auch nach Start eines Projektes müssen die im Vorfeld getroffenen Entscheidungen laufend hinterfragt werden – nichts ist so schnelllebig und einem ständigen Wandel unterworfen, nichts wird so stark von persönlichen Vorlieben und Moden geprägt und nichts ist trotz allem so unberechenbar wie das Internet.

Welche Medien stehen für Crowdsourcing überhaupt zur Verfügung?

Es gibt viele verschiedene Plattformen, Startups, Internetportale etc., die sich mit Crowdsourcing in einem bestimmten Bereich spezialisieren. Allerdings sind diese meistens auf diesen einen Bereich beschränkt. Wir können hier nur einige wenige Beispiele nennen, die Auswahl soll die Vielfalt zeigen:

  • Clickworker (www.clickworker.com): Die Plattform Clickworker zerlegt eine Aufgabe in Mikrojobs, die dann an so genannte Clickworker vergeben werden. Am Ende werden die Ergebnisse (Clicks) der einzelnen Clickworker zu einem Gesamtergebnis wieder zusammengesetzt.
  • Innocentive (www.innocentive.com): Exemplarisch für eine Plattform für Open-Innovation ist Innocentive. Hier werden durchaus große Fragestellungen meist wissenschaftlicher Natur veröffentlicht. Der Fragesteller setzt für die Beantwortung der Frage einen Preis aus, den können so genannte Solver (also Löser) mit ihren Lösungen verdienen. Eine Lösung kann auch von mehreren Lösern gemeinsam erarbeitet werden.
  • Bonspin (www.bonspin.de): Bonspin steht stellvertretend für viele andere Brainstormingplattformen. Hier stellen Bonzen Fragestellungen ein und setzen für die besten Ideen Preise aus. Spinner lassen der Fantasie freien Lauf und liefern Ideen, die Besten werden dann mit den ausgesetzten Preisen prämiert.

Eine Sonderstellung nehmen Social-Media-Plattformen wie Facebook und Twitter ein. Sie wurden nicht direkt für Crowdsourcing gemacht, stellen durch die großen Nutzerzahlen und die hohe Viralität aber eine Unzahl von Möglichkeiten zumindest zur Unterstützung von Crowdsourcing dar.

Crowdsourcing-Plattformen nutzen Nutzermassen

Diese Plattformen haben eines gemein: Sie versammeln bereits eine Crowd (die Clickworker, Löser oder Spinner). Die Aufgabe des Nutzers ist dementsprechend, das Projekt einzutragen und mit einem Anreiz (meistens Geld) zu versehen, um so den Prozess in Gang zu setzen und die vorhandene Crowd zu nutzen.

Für Projekte mit spezieller Ausrichtung sind diese Plattformen aber häufig nicht geeignet. Denn sie können maximal kleine Teile dessen bewältigen, was im Gesamtprojekt anfällt. Ein einheitliches Portal, welches Crowdsourcing im großen Stil für alle Fragestellungen ermöglicht, gibt es bisher nicht und wird es wahrscheinlich nie geben. Das liegt an der Komplexität des Themas und seinem Variantenreichtum.

Beispiele für Crowdsourcing-Projekte

Es gibt bereits viele Beispiele für teilweise sehr komplexe Crowdsourcing-Projekte, die auf eigens konzipierten Wegen oder auch Plattformen durchgeführt wurden. Braucht man für ein Projekt eine möglichst große Crowd und ist diese nicht bereits „vorhanden“, dann wird dem Projekt meist eine virale Kampagne vorausgehen, welche genau auf die Zielgruppe ausgerichtet ist.

Folgende Beispiele zeigen, dass Crowdsourcing für sehr verschiedenartige und durchaus auch sehr komplexe und sehr spezifische Projekte geeignet ist. Oft überraschend ist der Inhalt der Projekte wie eine Buchverfilung, der die Vielfältigkeit der Technik aufzeigt.

  • Amazon ist ein Internetriese, der immer wieder in neue Geschäftsbereiche vorstößt. Ein aktuelles Projekt des Konzerns ist der Einstieg ins Filmgeschäft – mit Hilfe der Crowd. Unter studios.amazon.com findet man eine Community von Filmbegeisterten und Filmschaffenden. Dort kann jeder ein Projekt anlegen und so ein Drehbuch oder einen auf bereits hochgeladenen Skripten basierenden Testfilm einreichen. Amazon bekommt ein Vorkaufsrecht für das Material für 200.000 US-Dollar. Monatlich werden Preise für das beste Drehbuch und den besten Testfilm vergeben – dotiert mit bis zu 100.000 US-Dollar für den monatlichen Gewinner. Um aus den Projekten auch wirklich große Hollywoodproduktionen zu machen, hat Amazon einen Deal mit Warner Brothers.
  • Der Schriftsteller Paulo Coelho ist bekennender Internetfan: er führt ein Blog und eine Myspace-Seite, er verbreitet seine Bücher online – und er ließ die Internetgemeinschaft (die Crowd) sein Buch „Die Hexe von Portobello“ verfilmen. Das Projekt wurde auf Myspace ausgeschrieben. Bei derzeit über 44.000 MySpace-Freunden, kann manch eine spezialisierte Crowdsourcing-Plattform mit der erreichten Crowd bis heute nicht mithalten.
  • Tchibo ruft auf seiner Plattform Tchibo-ideas.de seine Nutzer dazu auf, Alltagsprobleme zu nennen, für die sie gerne eine Lösung hätten. Mitglieder der Community können Lösungen für die Probleme einreichen und damit Geldprämien gewinnen.

Sie wollen die Crowd für sich arbeiten lassen? Lassen Sie sich von den unzähligen erfolgreichen Beispielen inspirieren und starten Sie Ihr eigenes Crowdsourcing-Projekt.

Bildmaterial: Bazzo2006