Weltausstellung in a cube: Der Eiffeturm aus dem 3D-Drucker

Es soll in der Vorstellung der Macher so etwas werden wie eine Neuauflage der Weltausstellung vergangener Zeiten, die Wahrzeichen wie den Eiffelturm oder das Atomium hervorbrachten. Heute startet auf der Heureka-Konferenz in Berlin das Netzwerk Cube, das sich als globales Ökosystem versteht, mit dem Ziel, Startups und industrielle Großunternehmen zu vernetzen. „Es geht uns darum, internationale Partnerschaften zwischen Startups und der Industrie möglich und auch sichtbar zu machen“, erklärt Torsten Oelke, der das Projekt leitet. Wie während der industriellen Revolution etwa in Paris sollen die Errungenschaften der vierten industriellen Revolution gefeiert werden, also die der Digitalisierung.

Cube will sich auf drei Sektoren fokussieren: Maschinen und Herstellung, Infrastruktur und Konnektivität sowie den Bereich Foodtech und Agrar, der auch den ersten Themenschwerpunkt darstellt. Was Cube dabei leisten will, ist vor allem das Matchmaking. Konkret heißt das: Exklusive Meetings oder Dinner für CEOs aus Startups oder Industrie. Aber auch Arbeitsplätze sollen als Co-Working-Space in Berlin zur Verfügung gestellt werden, an denen die gemeinsamen Projekte verfolgt werden können.

Die Ambitionen von Cube sind dabei nicht auf Deutschland beschränkt. Unter dem Label Global Touch Points sollen internationale Veranstaltungen etwa in Israel oder Shanghai dazu genutzt werden, wichtige Kontakte auch jenseits der deutschen Landesgrenze aufzubauen. Und ja, auch ins Silicon Valley sollen die Fühler ausgestreckt werden. Demo-Sessions soll es ebenfalls geben und alles soll in einer Konferenz Mitte Mai 2017 in Berlin zusammenlaufen.

Ungefähr ein halbes Dutzend der teilnehmenden Startups können dann auf dem Schlussevent pitchen, ausgewählt werden diese von Cube. Der Gewinner bekommt immerhin eine Million Euro – in bar und ohne weitere Bedingungen, versichert Oelke. Das Geld werde von den Industriepartnern zur Verfügung gestellt.

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Insgesamt etwa 2.000 Teilnehmer will Cube pro Durchgang in das Netzwerk aufnehmen. Dafür gibt es einen Bewerbungsprozess der bis August läuft. Finanzielle Unterstützung ist abgesehen vom Preisgeld von Seiten Cubes allerdings nicht vorgesehen. Will heißen: Startups nehmen auf eigene Rechnung an den Veranstaltungen teil, auch Kapital will Cube selbst nicht bereitstellen. „Das Netzwerk wird die für etwaige Reisen entstehenden Kosten mehr als wett machen“, verspricht Oelke. Allein für die Aufnahme ins Netzwerk sollen aber keine Kosten entstehen.

Um zu zeigen, wie wichtig Kooperationen für Startups sein können, hat Cube gleich vier „Testimonials“ parat – dabei ist es eine willkommene Abwechslung, wenn die mal aus der Startup-Szene selbst kommen. Das Münchener Startup NavVis etwa, so erklärt Gründer Felix Reinshagen, kann sein Indoor-Navigationssystem nur dann für die Industrie verfeinern, wenn es ordentliche Testumgebungen gibt. Ideen wie der intelligente (Industrie-)Handschuh ProGlove von Gründer Thomas Kirchner schlagen in die selbe Kerbe, das ebenfalls bayerische Startup hat gerade eine Millionenfinanzierung unter anderem von Intel bekommen.

In städtischen Umgebungen kann der Schlüssel-Ersatz Kiwi.ki nur dann Verbreitung finden, wenn zum einen Klingelanlagenhersteller es unterstützen und zum anderen Firmen wie die Post es nutzen. Auch 3D-Produktfotografie, wie sie Fast Forward Imaging anbietet, hat einen klaren Adressaten: „Können Sie auch Fisch“, wurde Gründerin Anna Rojahn einmal von einem großen Schweizer Hotelzulieferer gefragt.

Initiiert wurde Cube währenddessen von der Messe Berlin. „Wir haben einen guten Weltmarktanteil, und den wollen wir halten“, sagt CEO Christian Göke. Und er verdeutlicht die Ambitionen für das neue Projekt: „Cube soll das Nummer-eins-Event in der Welt werden.“ Dafür will die Messe ihr bestehendes Netzwerk anzapfen, mit unterschiedlichen Veranstaltungen habe man gute Kontakte auch in Hongkong, Singapur und anderswo aufbauen können.

Als sogenannte Konnektoren sollen Cube aber bekannte Tech-Größen wie der israelische Startup-Pate Yossi Vardi, Singularity-Evangelist Pascal Finette oder Betahaus-Mitgründer Madeleine von Mohl dienen, ergänzt Cube-Chef Oelke. Die sollen Ihr Netzwerk für die Startups des Programms öffnen. Gleichermaßen tritt der Volkswagen-Konzern als einer der ersten Unterstützer des Programms auf. Auch VCs, Konzerne und mittelständische Unternehmen sollen in das Netzwerk mit aufgenommen werden.

Was sich die Cube-Macher für die Abschlusskonferenz in einem Jahr wünschen? „Dass wir ganz konkrete Erfolge präsentieren können, nicht Konzepte oder Absichtserklärungen“, sagt Torsten Oelke. Ein Eiffelturm als Ergebnis entspricht da allerdings kaum dem digitalen Zeitgeist – es sei denn, er kommt aus dem 3D-Drucker.

Bild: Anil Yanik / Gettyimages