Gründerszene Frischlingsfragen Startupvorstellungen Interview

Die eigene Geschäftsidee vor potenziellen Geldgebern und anderen Interessierten zu pitchen, ist eine der Fertigkeiten, die jeder Gründer beherrschen sollte. Und da ein Fahrstuhl ein reichlich ungeeigneter Ort dafür ist, haben junge Startups im Format „Frischlingsfragen“ von nun an die Möglichkeit, sich und ihr Geschäftsmodell kurz und präzise vorzustellen: Gründerszene stellt zehn Fragen, und dieses Mal antwortet Cultoria (www.cultoria.de).

1. Wer seid Ihr und was macht Ihr?

Unser Team ist angetreten, um die Art und Weise, wie Schulen mit Informationen umgehen und Menschen ihren Bildungsweg gestalten, nachhaltig zu verändern. Mittels unserer Schulplattform Anton bilden wir sämtliche Abläufe des Schulalltags zentral und ortsungebunden im Internet ab. Damit vereinfachen wir die Verwaltungsaufgaben, die Lehrer und die Schulverwaltung tagtäglich zu bewältigen haben, ganz entscheidend.

Aber viel wichtiger: Eltern und Schüler erhalten auch Zugriff auf diejenigen Daten, die sie spezifisch betreffen. Das bringt eine ganz neue Transparenz in die Zusammenarbeit und hilft damit vor allem aus pädagogischer Sicht, den Fortschritt der Kinder in der Schule optimal zu gestalten. Wir denken, dass nur mit solchen Werkzeugen die anstehenden Herausforderungen im Bildungssektor überhaupt auch nur ansatzweise zugunsten aller Mitglieder der Schulfamilie zu bewältigen sind – was auch die zahlreichen Schulen, die an unserer Pilotphase teilnehmen, bestätigen.

Daneben bieten wir weitere Dienste rund um die Gestaltung des persönlichen Bildungswegs an, wie beispielsweise unsere Universitäts- und Schulsuche, mit der jeder die Bildungseinrichtung seiner Wahl finden kann – auch anhand von Kriterien wie Größe der Bildungseinrichtung, Geschlechterverhältnis oder Einwohneranzahl der Stadt, in dem die Einrichtung gelegen ist. Solche „weichen Faktoren“ sind enorm wichtig für den Bildungserfolg.

2. Hinter jedem Erfolg steckt eine Vision. Wie seid Ihr auf Eure Idee gestoßen?

Noch während unserer eigenen Schulzeit fiel uns auf, in welch geringem Maße der allseits vorhandene digitale Fortschritt bei den Schulen (alleine in Deutschland circa 45.000) angekommen ist. Es herrscht ein gigantischer Papierkrieg und allgemein ein hoher Frustrationsgrad durch enorme Effizienzverluste und das Fehlen ernsthafter Möglichkeiten, hier Abhilfe zu schaffen. Wir sind der festen Überzeugung, dass viele der momentan existenten Probleme von Schulen gebessert oder vollständig gelöst werden könnten, würden endlich solche Systeme wie Anton Einsatz finden.

Deshalb kamen wir auf die Idee, eine Plattform zu entwickeln, die sämtliche administrative sowie kommunikative Abläufe eines Schulalltags, unter Berücksichtigung aller Beteiligten der Schulfamilie, gesamtheitlich abdeckt. Damit letztlich jeder Schüler eine intensivere Betreuung genießen kann.

3. Noch wichtiger als die Idee ist häufig das Team. Wer sind die Gründer, was habt Ihr vorher gemacht und wie habt Ihr zueinander gefunden?

Tim Hammermann und Max Diez studieren an der Universität St. Gallen; Philipp Hartz an der KU Ingolstadt. Philipp und Tim kennen sich schon seit Kindertagen, was die Zusammenarbeit natürlich enorm erleichtert. Tim und Max haben, vor der Gründung Cultorias, bereits unabhängig voneinander erste unternehmerische Erfahrungen sammeln dürfen – Tim im Textilbereich, wo er ein neuartiges Individualisierungskonzept erfolgreich in den Schweizer Markt einführte. Max führte ein IT-Outsourcingunternehmen, das die IT-Infrastruktur kleiner und mittlerer Unternehmen im süddeutschen Raum verwaltete. Seitdem ist für sie klar, dass sie Unternehmer sein wollen.

4. Viele Gründungsideen sind nicht gänzlich neu. Was ist Euer USP und was macht Ihr anders als alle anderen?

Die Idee, Verwaltungsabläufe in Schulen im Internet abzubilden, ist tatsächlich nicht gänzlich neu – in den USA beispielsweise sind vergleichbare Systeme sehr erfolgreich. Solche Systeme können jedoch nicht einfach für den deutschsprachigen Markt übernommen werden, da die rechtlichen Rahmenbedingungen und allgemein die Anforderungen der Schulen an ein solches System einfach ganz andere sind.

Unsere Lösung  ist 100-prozentig datenschutzkonform (das ist sehr wichtig, denn ansonsten dürfte sie gar nicht im staatlichen Sektor eingesetzt werden) – bezieht als einzige die Eltern als ausschlaggebenden Faktor für den Bildungserfolg der Kinder mit ein – ist keine Mehrbelastung für die Schulen, sondern vereinfacht Abläufe dank durchdachter und mit Praktikern erarbeiteten Funktionen.

5. Zum Business: Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell? Und wie groß ist das Marktpotenzial?

Wir haben zwei Umsatzströme. Zum einen stellen wir den Schulen einen jährlichen Betrag in Rechnung – haben hier aber einen Preis gefunden, den sich wirklich jede Schule leisten kann. Denn, das ist uns wichtig: Wir wollen mit Anton auch etwas Positives für die Gesellschaft bewirken. Zum anderen sind für Eltern bestimmte Funktionen auf unserer Plattform kostenpflichtig – beispielsweise, wenn sie einsehen möchten, wo ihr Kind mit seinen Leistungen im Vergleich zur gesamten Jahrgangsstufe steht (Notenvergleich).

Die Basisfunktionen der Plattform für die Eltern sind aber immer kostenfrei. Und damit auch die Schulen davon profitieren, erhält eine von ihnen gewählte karitative Einrichtung (wie beispielsweise der Förderverein) einen Prozentsatz der von den Eltern auf Anton getätigten Umsätze.

6. Ideen umzusetzen kostet Geld. Wie finanziert Ihr Euch?

Wir wurden eingangs durch einen erfahrenen Business-Angel finanziert, der einen sechsstelligen Betrag in unser Unternehmen investierte. An dieser Stelle haben wir wieder einmal gesehen, dass sich der Tipp, den man vielerorts liest, bewahrheitet: Einen Investor zu suchen, der einem nicht nur Geld gibt, sondern auch Türen öffnen kann. Einen solchen suchen wir nun auch für die nächste Finanzierungsrunde, die in den kommenden Monaten stattfinden wird.

7. Gibt es etwas, das Euch noch fehlt? Ein Mitarbeiter, ein Investor oder ein Büro?

Der Bildungsbereich ist ein Sektor, für den es bis dato noch keine lehrbuchmäßige Vertriebsstrategie gibt. Mit diesem Problem kämpfen nicht nur wir, sondern auch große Player wie beispielsweise Schulbuchverlage. Wer uns also auf der Suche nach dem „heiligen Gral“ der Vermarktung auf dem Bildungsmarkt unterstützen will, ist jederzeit sehr willkommen. :-) Und Investoren stehen unsere Türen natürlich auch offen!

8. Gibt es ein großes Vorbild für Euch?

Ja. In anderen Ländern, wie beispielsweise im skandinavischen Raum, läuft auf Seiten der Bildung vieles sehr viel besser als bei uns in Deutschland. Nicht umsonst sacken die Mal um Mal PISA ein. Insbesondere die Verwaltung ist dort deutlich effizienter strukturiert, weil man einfach viel progressiver und unternehmerischer an die Dinge herangeht und dabei auch mal gewisse Risiken eingeht, wenn es darum geht, neue Prozesse zu etablieren oder andere Werkzeuge einzusetzen. In Deutschland braucht es einen Mentalitätswechsel – und wir möchten unseren Teil dazu beitragen, dass unser Land nicht für alle Zeit auf der PISA-Verliererseite steht.

9. Stellt Euch vor, Ihr könntet ein Lunch gewinnen. Wen würdet ihr aus der deutschen Startup-Branche gerne mit an den Tisch holen?

Die Kultusministerkonferenz. Wenn den Ministern wirklich am Weiterkommen der Schüler gelegen ist, müssten sie unser System flächendeckend einführen.

10. Wo steht Ihr heute in einem Jahr?

In irgendeiner Schule. :-)