cynk belize city

Belize City, wo sich der Firmensitz des umstrittenen Unternehmens befindet

Eine Geschichte à la The Wolf of Wall Street

Da ist ein Tech-Startup, das kein Vermögen besitzt und keine Umsätze macht, das gerade mal einen Angestellten beschäftigt und dessen Produkt ein offensichtlich funktionsunfähiges soziales Netzwerk ist – und das vier Milliarden US-Dollar wert ist. Zum Vergleich: Die Deal-Plattform Groupon, die 12.000 Mitarbeiter hat und fast 800 Millionen Dollar Umsatz macht, hat eine ähnlich hohe Marktkapitalisierung.

Wie kann das sein?

Möglich wäre, dass wir uns auf dem Weg in die nächste Tech-Blase befinden. Oder aber, und das dürfte eher der Fall sein, dass hier etwas nicht ganz mit rechten Dingen zugeht. Denn der Aufstieg von Cynk, so heißt das im US-Bundesstaat Nevada registrierte Unternehmen mit Sitz im mittelamerikanischen Belize, hat offenbar wenig mit den normalen Gesetzen des Aktienmarkts zu tun.

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Den Anschub für die außergewöhnliche Rallye gaben vermutlich eine Reihe von Twitter-Nutzern, die vor etwa drei Wochen über einen starken Anstieg des Aktienkurses schrieben. Aktien, die im Cent-Bereich notieren, können durch solche Nachrichten schnell nach oben rauschen (und genauso schnell wieder runter).

Das Modell, das wahrscheinlich dahinter steckt, nennt sich „Pump and Dump“: Insider kaufen billige Papiere von mehr oder weniger wertlosen Unternehmen, verbreiten anschließend Gerüchte über einen Kursanstieg und treiben den Kurs damit zusätzlich künstlich in die Höhe. Bei Cynk schien der Plan aufzugehen: In wenigen Wochen stieg die Aktie um über 30.000 Prozent, von 0,10 Dollar am 17. Juni auf über 20 Dollar am Donnerstag.

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Dass das Tech-Startup keinen realen Wert besitzt, zeigt auch ein Blick auf das einzige und mächtig dubiose Produkt des Unternehmens: Über das soziale Netzwerk Introbiz sollen Kontakt-Adressen von Experten und Prominenten gehandelt werden können. Für 50 US-Dollar, so heißt es auf der Webseite, könnten etwa Kontakte zu Johnny Depp, Nicole Kidman oder Tom Cruise hergestellt werden. So „unwiderstehlich wie ein Eimer warmer Spucke“, kommentiert TechCrunch.

Pump-and-Dump-Modelle sind nicht selten, normalerweise aber fallen sie kaum auf. Was diesen Fall besonders macht, so vermutet ein Börsenexperte gegenüber der Süddeutschen Zeitung, seien wahrscheinlich Investoren, die sich mit dem Kauf von Cynk-Papieren verspekuliert hätten. Sie hätten über Leerverkäufe von den sinkenden Kursen profitieren wollen – doch weil nur ein minimaler Teil der Aktien überhaupt auf dem Markt verfügbar ist (den größten Teil hält der einzige Gesellschafter), hätten Leerverkäufer bei unerwartet steigenden Kursen massive Probleme, ihre Positionen wieder glattzustellen. Dieses Phänomen nennt sich „Short Squeeze“ – es führt zu einem Nachfrageüberhang und damit zu weiter steigenden Kursen.

Am Freitagnachmittag schließlich machte die US-Börsenaufsicht SEC dem Spuk ein Ende: Sie stoppte den Handel mit Cynk-Papieren, vorerst bis zum 24. Juli. Der Grund? Es gebe „Befürchtungen hinsichtlich der Richtigkeit und Angemessenheit von Marktinformationen sowie möglicherweise manipulativen Transaktionen mit Cynk-Aktien“.

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