Fahrt auf der Autobahn, plötzlich wird vor einem scharf gebremst – ein Stau hat sich gebildet. Nervös schaut man in den Rückspiegel, ob die Fahrer das Bremsen mitbekommen haben, oder doch im Kofferraum enden. Derartige Situationen ließen sich verhindern, würden Autos miteinander kommunizieren. Und genau daran arbeitet die Industrie seit 2007, aber voran kommt sie mit der Sache nicht. Nach acht Jahren ist das Ergebnis, dass keiner der Hersteller die Kommunikation wirklich umsetzt. Daimler aber dauert das zu lange: Der Konzern will nun mit einem eigenen System voraus preschen.

Trivial ist die flächendeckende Einführung der Systeme, die untereinander kommunizieren können, nicht. Zumindest nicht bei Autos. Die gelesenen Umgebungsparameter müssen erst einmal richtig erkannt werden und das zu möglichst 100 Prozent, da der Fahrer in die Kommunikation zwischen den Fahrzeugen nicht eingeschaltet wird. Einige Anläufe der Industrie scheiterten schon daran, dass die Firmen sich nicht auf einen gemeinsamen Übertragungsstandard einigen konnten. Während einige Hersteller die Fahrzeuge per WLAN miteinander reden lassen wollten, setzten andere auf UMTS. Im letzten Jahr einigte sich die Industrie zunächst auf UMTS, Daimler setzt nun dieses System ein. Der Grund: Per UMTS lassen sich größere Distanzen überbrücken.

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Die im neuen „Command Online“-Infotainmentsystem integrierte „Car-2-Car“-Kommunikation funktioniert nur zwischen Fahrzeugen von Daimler. Sie vermelden Staus, Gefahrensituationen wie ein liegengebliebenes Auto oder Geisterfahrer. Viel ist das nicht, aber es ist ein erster Schritt. Eingeführt wird die Technologie in der neuen E-Klasse, die 2016 auf den Markt kommen soll. Viel davon werden die ersten Nutzer allerdings nicht haben: Da es kaum Fahrzeuge mit dem System auf der Straße geben wird, werden auch nützliche Warnmeldungen ausbleiben.

Natürlich könnten die Straßen mit der Technologie irgendwann ein Stück sicherer werden, aber es gibt noch mehr Herausforderungen. So bleiben andere Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer „dumm“. Sie werden nur als Hindernisse wahrgenommen, nicht als aktive Teilnehmer des Straßenverkehrs. Ein anderes Problem ist, dass sich Fahrer zu sehr auf die automatischen Warnungen verlassen und ihre Aufmerksamkeit nachlassen könnte. Das könnte wieder zu mehr Unfällen führen.

Bis die „Car-2-Car“-Kommunikation flächendeckend vorhanden ist, wird es noch dauern. Mercedes schätzt, dass etwa 20 Prozent aller Autos mit einem solchen System ausgerüstet sein müssten, damit überhaupt ein positiver Effekt zu spüren sei. Bei über 50 Prozent bestünde eine gute Abdeckung für das autonome Fahren, doch das werde vermutlich frühestens zwischen 2025 und 2030 passieren.

Bild: Daimler AG