Für spezielle Dienste müssen die Amerikaner in Zukunft wahrscheinlich extra bezahlen.

Wenn wir an dieser Stelle ein Wort hinschreiben würden, das den größten Teil von euch davon abhalten soll, diesen Text zu lesen, dann läge das Wort „Netzneutralität“ sehr gut im Rennen. Irgendwie hat man davon gehört. Es soll ja irgendwie ganz schlecht sein, wenn es keine Netzneutralität mehr gäbe. Aber kaum jemand weiß, was ist da eigentlich genau los ist oder will etwas davon wissen. Warum eigentlich? Denn es geht um unseren täglichen Internet-Konsum und um digitale Geschäftsmodelle, die auf das Netz angewiesen sind.

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Denn Netzneutralität bedeutet, dass alle Daten gleich behandelt und damit auch bezahlt werden. Internetdienstanbieter dürfen bestimmte Unternehmen oder Datentypen nicht bevorzugen, Nutzern für den Zugriff auf bestimmte Seiten und Apps nicht mehr berechnen oder für einen bevorzugten Zugriff auf Seiten sowie Apps von Unternehmen Geld annehmen. Am Dienstag kam der Schock:  Die  US-Kommunikationsbehörde Federal Communications Commission (FCC) gab bekannt, die Regeln zur Netzneutralität abschaffen zu wollen. Der Chef der Kommission wurde übrigens von US-Präsident Donald Trump eingesetzt.

In Portugal kann man bereits sehen, was passieren kann

Sollte die Netzneutralität tatsächlich abgeschafft werden, könnten Internetanbieter von ihren Kunden mehr Geld für bestimmte Leistungen verlangen – beispielsweise für schnelles Streaming von Videos oder Messenger-Dienste. Bestimmte Anbieter könnten ganz gesperrt werden. Die Tech-Konzerne in den USA haben sich inzwischen deutlich gegen diesen Plan ausgesprochen. „Wir sind gegen den Vorschlag“, heißt es von Netflix und bei Reddit sorgt man sich um die Zukunft der Innovationen im Netz. Die Liste der Gegner dieser Entscheidung ist lang.

In Portugal lässt sich jetzt schon beobachten, was passieren kann, wenn es keine Netzneutralität mehr gäbe. Das Medienunternehmen Meo, eine Tochter der Portugal Telecom, lässt Kunden für die Internetnutzung zahlen, einige Kommunikationsarten und Streamingdienste kosten dann extra. Für Netflix und Youtube werden zusätzliche 4,99 Euro verlangt, auch für Musik-, E-Mail- sowie Clouddienste müssen per Paket 4,99 Euro bezahlt werden. Neue, noch unbekannte Dienste werden es schwer haben, gegen diese Fertig-Pakete anzukommen. Auch Portugal sollte sich eigentlich an die Netzneutralitätsrichtlinien der EU halten, doch es gibt einige Schlupflöcher.

Für Startups, die darauf angewiesen sind, dass die Kundschaft ihre Dienste ohne Aufpreis im Internet nutzen kann, wäre eine Abschaffung der Netzneutralität ein Fiasko. Erste Demonstrationen gegen die Entscheidung der FCC sollen Anfang Dezember stattfinden. Doch die Aussichten sind trübe. Denn Aufgrund der republikanischen Mehrheit wird die Behörde FCC bei der Abstimmung am 14. Dezember mit hoher Wahrscheinlichkeit für die Abschaffung der Netzneutralität stimmen. Die Auswirkungen auf Europa sind nicht zu unterschätzen. Experten erwarten, dass europäische Provider aus Gründen des Wettbewerbsgleichgewichts ähnliche Freigaben für Europa fordern, wenn US-Provider zur Finanzierung ihrer Angebote völlig freie Hand bekommen.

Foto: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von The Bode

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