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Till Faida, Geschäftsführer von Eyeo

Die Firma Eyeo, die hinter dem Werbebocker Adblock Plus steckt, lebt von der Schädigung des Geschäftsmodells anderer. Werbung, mit der Webseiten Einnahmen generieren, wird unterdrückt. Wer seine Werbung an der Software vorbeischleusen will, muss zahlen – das nennt sich dann Whitelisting.

Doch mittlerweile gibt es Unternehmen und Initiativen, die das Geschäftsmodell von Eyeo attackieren. Nicht nur vor Gericht. Denn dieses hat Schwachstellen: Eyeos Software Adblock Plus ist als Plugin auf einen Browser angewiesen, in den es installiert werden muss.

Opera und Firefox machen Eyeo überflüssig

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Einen der aggressivsten Kurse fährt der Opera-Browser, der im März und Mai Updates mit vorinstallierten Adblockern herausbrachte und Eyeo-Erweiterungen für seinen Browser damit über Nacht obsolet machte. Anders als Eyeo will Opera nicht mit Whitelisting Geld machen, sondern die Ladegeschwindigkeit seines Browsers erhöhen. Da Opera mit seinem nativen Blocker beim Laden von Webseiten bereits früher als Eyeo Werbung unterdrückt, müssen noch weniger Daten übertragen werden. Das erhöht das Tempo und schont die Bandbreite. Zudem muss Opera seinen Blocker nicht vermarkten und lässt anders als der Platzhirsch Adblock Plus keine Werbung von Firmen durch, die sich einkaufen. Auch die vorinstallierten Browser von Asus und Samsung setzen mittlerweile auf integrierte, eigene Block-Software. Für Eyeo bedeuteten die softwareinternen Blocker verlorene Märkte.

Mozillas Firefox, das schon lange für seine Aversion gegen alle Arten von Überwachung bekannt ist, geht einen ähnlich aggressiven Weg. Der Browser blockiert zwar nicht per se alle Werbung, setzt jedoch in privaten Browser-Tabs alle Werbe-Tracker vor die Tür. Ist die Werbung zu sehr am Surf-Verhalten des Nutzers interessiert, wird sie von Firefox nicht dargestellt. Damit hat Firefox beim privaten Surfen de facto einen Blocker. Der Adblock Plus von Eyeo ist damit auch hier nicht mehr nötig.

Noch relativ unbekannt auf dem Markt ist das neue Projekt des Mitbegründers von Mozilla Brendon Eich. Sein Browser Brave, der derzeit schon verfügbar aber noch in der Entwicklung ist, geht einen komplizierten Deal zwischen Usern, Publishern und Werbe-Treibenden ein. So soll aufdringliche Werbung von Brave mit ausgewählten Anzeigen ersetzt werden, die den User nicht aggressiv mit Pixeln, Trackern und Cookies verfolgt. 55 Prozent der Werbeerlöse gehen dabei an den Webseitenbetreiber, 15 Prozent will Brave an den surfenden Nutzer auszahlen. So sollen User einen Anreiz bekommen, Werbung nicht komplett zu blockieren. Lieblingsseiten der User sollen zudem besonders gefördert werden können. Letztlich gilt auch hier: Eyeo mit seinem Whitelisting ist raus aus dem Spiel.

China will Adblocker womöglich verbieten

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Um seine Abhängigkeit von Browsern zu verringern, hat Eyeo deswegen in eigene Surf-Software investiert: Der Adblock-Browser funktioniert jedoch nur auf Mobilgeräten und erreicht bei weitem nicht die Marktanteile, die Eyeo mit seinen Browser-Plugins aufweist. Vielversprechender sind dahingegen Kooperationen mit bereits bestehenden Browsern wie dem chinesischen Maxthon, der Adblock Plus als vorinstallierte Software mit ausliefert. Doch da China noch in diesem Monat womöglich Adblocker generell verbieten wird, dürfte auch dieser Markt für Eyeo wegbrechen.

Neben Regierungen und Browserbetreibern, die Eyeos verbannen, gibt es auch Unternehmen, die das Geschäftsmodell des Adblockers dezidiert attackieren. Anti-Adblocker-Technik bieten zum Beispiel Sourcepoint und Pagefair an. Sie wollen Werbung an der Software von Eyeo vorbeischmuggeln. Allerdings führte dies in der Vergangenheit lediglich zum wechselseitigen Aufrüsten. So gibt es mittlerweile sogar Programme, die sich gegen Adblock-Blockierer richtet. Mit anderen Worten: Anti-Anti-Anti-Werbungs-Software.

Doch gerade der technische Fortschritt dürfte Eyeos derzeitiges Geschäftsmodell mittelfristig untergraben. Zu leicht können andere Browser-Anbieter ähnliche Angebote in ihre Software integrieren. Schon jetzt gibt es bessere Alternativen. Eyeos Adblock Plus lebt derzeit vor allem von einem: seinem bekannten Namen. Auf Dauer ist das zu wenig.

Eyeo-Gründer: „Du kannst nicht disruptiv sein, ohne kontrovers zu sein“

„Du kannst nicht disruptiv sein, ohne kontrovers zu sein“

Eyeo betreibt den Werbeblocker Adblock Plus von Köln aus. Wir haben mit dem Gründer Till Faida über sein Unternehmen und die Kritik gesprochen.

Bild: Eyeo; Hinweis: Axel Springer ist Gesellschafter der Vertical Media GmbH, dem Medienhaus von Gründerszene, und befindet sich derzeit in Rechtsstreit mit der Eyeo GmbH. Weitere Informationen zur Vertical Media GmbH hier: www.vmpublishing.com.