IMG_0931-1

Bitte hier drücken. Welcher Preis abgebucht wird, ist nicht so ganz klar. Dafür geht es schnell und bequem.

Nur wenige Themen machen die Gründerszene-Leser wütend. Der Dash-Button von Amazon gehört auf jeden Fall dazu. Seit Kurzem lässt sich der kleine Knopf in die Wohnung kleben, per Knopfdruck kann der Amazon-Kunde dann beispielsweise Waschmittel oder Klopapier bestellen. Schon kurz nach dem Start liefen auch die Verbraucherschützer Sturm: Sie prangern die fehlenden Kennzeichnung und nicht vorhandene Preistransparenz an. Jetzt klagt die Verbraucherzentrale NRW sogar gegen Amazon.

In unserem Kommentar auf Gründerszene haben wir diese Klage als „absurd“ bezeichnet und argumentiert, dass ein mündiger Verbraucher keine Kennzeichnungen am Button braucht. Dieser Text hat einige Leser dann richtig wütend gemacht.
FireShot Capture 13 - Die große Diskussion um den Dash-Butto_ - http___www.gruenderszene.de_allgem
In anderen Anmerkungen, die etwas sachlicher ausfielen, bemängelten die Leser vor allem die fehlende Preistransparenz von Amazon, die im Text nicht erwähnt wurde. Denn: Wer hat schon im Kopf, ob das ausgewählte Produkt des Dash-Buttons zwei Euro teurer ist, als bei einem anderen Online-Händler? Ein weiterer Kritikpunkt: Im Kleingedruckten soll sich Amazon vorbehalten, den Preis für das jeweils ausgesuchte Produkt zu ändern oder Ersatzprodukte zu liefern. Eine Stichprobe der Plattform MyDealz.de hat außerdem ergeben, dass die Dash-Button-Nutzer im Schnitt 27 Prozent mehr zahlen als bei Vergleichsangebote.

Die Kritik wirft unterdessen eine viel dringendere Frage auf: Wer entscheidet künftig über die Preise und Produkte, wenn wir den Verkaufsprozess immer mehr an die Technologie abgeben? Und suchen uns Amazon und andere Anbieter wirklich das günstigste und beste Angebot heraus, wenn wir per Sprachsteuerung ein neues Smartphone bestellen? Amazon startet mit seinem Sprachdienst bald in Deutschland.

Bereits heute ist die Preisfindung im Internet intransparent. „Allein Amazon nimmt jeden Tag 2,5 bis 3 Millionen Preisänderungen vor“, schätzt der Handelsexperte Thomas Täuber von der Unternehmensberatung Accenture im Gespräch mit der Welt. Wer sich entsprechende Tools installiert, kann nachverfolgen, wie stark die Preise für ein jeweiliges Produkt auf Amazon schwanken. Trotzdem den richtigen Zeitpunkt für den Kauf abzupassen, ist schwierig. Apps mit einem Preisalarm können dabei helfen.

Je einfach die Suche, desto teurer das Produkt

Wir erleben gerade eine neue Entwicklung: Je einfacher die Suche und Bedienung, desto undurchsichtiger wird die Preisfindung. Wer zum Beispiel in der App von Amazon Prime Now eine Kiste Bier und Nudeln bestellt, die dann eine Stunde später geliefert sind, der vergleicht nicht, ob das Produkt zu teuer ist. Verbraucher sind an die Abläufe und die einfache Bedienung bei Amazon gewöhnt, deshalb siegt häufig die Bequemlichkeit.

Anzeige
Damit wird eine große Errungenschaft in Frage gestellt, die durch das Internet erst ermöglicht wurde. Preise von Produkten ließen sich plötzlich blitzschnell vergleichen – ohne alle Läden abzuklappern oder Kataloge durchzublättern. Aber durch den Dash-Button oder Shopping per Sprachsteuerung folgt jetzt die nächste Entwicklung. Bestellung und Lieferung werden noch schneller und einfacher, dafür zahlt der Kunde einen höheren Preis. Die Diskussion um den Dash-Button verdeutlicht diese Entwicklung sehr gut.

Aber auch ein Gigant wie Amazon wird die Preise nicht grenzenlos nach oben treiben können. Gerade in Deutschland ist der Kunde sehr preissensibel. Wenn durchsickert, dass bei Bestellungen über Prime oder den Dash-Button erheblich draufgezahlt werden muss, werden sich beide Modelle nicht durchsetzen. Der Markt und die mündigen Kunden werden das regeln. Auch ohne die Oberaufsicht der wackeren Verbraucherschützer.

Bild: Gründerszene