Zu schnell gefahren und scharf abgebremst? Diese App registriert jedes Fehlverhalten.

Jeder kennt solche Szenen aus dem Fernsehen oder Netz: Eine an der Frontscheibe angebrachte Dashcam zeichnet eine wilde Verfolgungsjagd aus Sicht eines Polizeiautos auf. Am Ende rast der flüchtige Fahrer in ein anderes Auto und reißt Unschuldige mit ins Verderben. Damit es soweit gar nicht erst kommt, entwickelt ein israelisches Startup eine Dashcam-App für den normalen Verkehrsteilnehmer, die frühzeitig vor Rowdys im Straßenverkehr warnen soll.

Die App Nexar greift dafür auf die Sensor-Informationen und Kamera vom iPhone zu, um die Bewegungen anderer Autos zu registrieren. Ein Algorithmus identifiziert dabei die vorbeifahrenden Wagen. Die Idee: Durch die Aufzeichnung habe man im Fall eines Unfalls gleich das Beweismaterial an der Hand und sei damit auf der sicheren Seite, so das Unternehmen. Doch damit nicht genug.

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Mitgründer Eran Shir plant im nächsten Schritt, eine Art Kartei mit Fahrerprofilen anzulegen, die den App-Nutzer vor auffällig gewordenen Chaoten im Straßenverkehr warnt – etwa, wenn jemand wiederholt bei hohem Fahrtempo zu dicht auffährt und hart abbremst, bekommt der Nutzer eine Warnmeldung eingeblendet. Ein Redakteur von Technology Review hat sich die neue Technology vom Gründer vorführen lassen. Wie auch im Video zu sehen ist, erfasst die App während der Fahrt alle vorbeifahrenden Wagen.

Nexar wurde 2015 von Eran Shir and Bruno Fernandez-Ruiz in Tel Aviv gegründet, der Hauptsitz befindet sich allerdings in Los Angeles. Das Unternehmen hat im Juni 10,5 Millionen Dollar Wagniskapital von Mosaic Ventures und True Ventures erhalten. Zusammen mit der Finanzierung aus dem Vorjahr kommt das Startup auf 14,5 Millionen Dollar Kapital.

Shir zufolge habe die App in den USA bereits zehntausende Nutzer und 300.000 Zwischenfälle dokumentiert, schreibt Technology Review. Nexar sammle über die App Nummernschilder der vorbeifahrenden Autos und erfasse alle risikoreichen Vorfälle. Was Datenschützer hierzulande wohl auf die Palme bringen würde, soll in den USA hingegen legal sein, behauptet der Gründer.

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„Wir reden über Leben und Tod – Menschen wird die Erlaubnis gegeben, große Maschinen zu fahren, die Leute töten können“, sagt Shir gegenüber Reuters. Aus diesem Grund sei es akzeptabel, dass das Fahrverhalten jedes Einzelnen erfasste werde, damit potenziellen Gefährdern frühzeitig ausgewichen werden könne. „Wir machen das nicht, um eine Art Big Brother zu werden“. Vielmehr wolle man jedem Fahrer ein Feedback für seine Fahrentscheidungen geben, betont der Gründer im Video-Interview. Ingesamt wolle man den Straßenverkehr einfach sicherer machen.

Inwiefern sich anhand der Daten tatsächlich relevante Warnhinweise geben lassen, sei eine Frage der Nutzerbasis, so Datenanalyst und Uni-Professor Dan Work. Je mehr Leute ein Auge auf den anderen werfen, desto besser kann die App das Risiko der Fahrer bemessen.

An diesen Einschätzungen und Fahrerprofilen hätten sicherlich auch Versicherer ein großes Interesse. Dass Nexar allerdings in Deutschland zugelassen wird, scheint aus Datenschutzgründen nahezu ausgeschlossen. Denn Nummernschilder gelten als personenbezogene Daten wie der Name oder die Telefonnummer, die nicht einfach ohne Zustimmung von einem Unternehmen gesammelt werden können.

Bild: Nexar