Data Deals


Ein Beitrag von Peter von Aspern, Leiter der digitalen Services beim Trend- und Innovationsforschungsunternehmen TrendONE.

Neue Angebote lassen Nutzer von Selbstvermarktung seiner Daten profitieren

Die Diskussion um die Weitergabe von persönlichen Daten und Privatsphäre ist in vollem Gange. Vor diesem Hintergrund mehren sich Angebote, die den Nutzer von der Selbstvermarktung seiner Daten profitieren lassen. So bieten Startups wie Reputation oder Handshake Marktplätze für persönliche Informationen. Im Austausch gegen monetäre oder materielle Leistungen wird zum Beispiel die Offenlegung des eigenen Gehalts mit Rabatten vergütet.

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Wurden Daten früher hinter verschlossenen Türen von Unternehmen an Dritte weitergegeben, treten nun mit Data Deals Transparenz und Emanzipation der Datenbesitzer an die Oberfläche. Zusätzlich überträgt sich diese Erweiterung des Datenmarktes auch positiv auf nachfragende Unternehmen und ermöglicht einen fairen Austausch mit den Kunden.

Die folgenden Beispiele zeigen, wie sich dieser Trend bereits in konkreten Geschäftsmodellen und neuen Startups niederschlägt:

Plattform verbindet Marken mit Zukunftsmärkten

Das Bostoner Startup Jana ermöglicht es Entwicklern, ihre mobilen Anwendungen und Webdienste in Wachstumsmärkten zu testen und Daten über die neue potenzielle Zielgruppe zu sammeln. Auf der Plattform „mCent“ interagieren Nutzer mit den zu testenden Inhalten und erhalten im Gegenzug kostenlose Gesprächsminuten für ihr Telefon. Den Nutzern werden die zu ihnen passenden Inhalte angeboten, wobei Standort, Sprache, Interessen und bisheriges Nutzerverhalten berücksichtigt werden. Bisher gestaltete sich die Marktforschung in Ländern wie Nigeria oder Bangladesch als schwierig, da zwar viele Menschen ein Smartphone besitzen, es aus Kostengründen aber sparsam nutzen.

Mit eigenen Daten Geld verdienen

Mit der App Citizenme können Nutzer ihre persönlichen Daten aktiv selbst vermarkten. Die App listet hierfür alle über soziale Netzwerke geteilten Informationen auf und speichert sie lokal ab. Zudem informiert die Anwendung über Nutzungsbedingungen und weist auf kritische Passagen hin. Auf Basis des Nutzerverhaltens und seinen Posts wird eine Charakterisierung erstellt, die anzeigt, mit welchen Attributen der Nutzer anhand seiner Postings verbunden wird. In späteren Versionen sollen auch Details zu Standorten oder zum Gesundheitszustand mit einfließen. Diese Daten können dann Werbetreibenden gegen ein Entgeld zur Verfügung gestellt werden.

Verkaufsplattform für persönliche Daten

Das in New York ansässige Startup DataCoup bezahlt Privatpersonen monatlich acht US-Dollar, wenn diese ihre persönlichen Daten aus sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter sowie ihre Zahlungsdaten Partnerunternehmen zur Verfügung stellen. Die Daten werden von DataCoup so anonymisiert, dass die Identität der Nutzer verborgen bleibt. Das Unternehmen will Nutzern damit die Möglichkeit geben, ihre Daten, die bereits von zahlreichen Webseiten automatisch bei der Nutzung gesammelt werden, bewusst und direkt zu veräußern.

WLAN-Zugang nach dem Log-in über soziale Medien

Die Morgans Hotel Group testet in Zusammenarbeit mit dem Softwareunternehmen Voyat einen kostenlosen WLAN-Zugang, bei dem Nutzerdaten anhand eines Log-ins über soziale Netzwerke gesammelt werden. Die Hotelgäste wählen dafür zwischen Facebook, Twitter oder Google+ und geben ihre Zugangsdaten ein, um das WLAN nutzen zu können. Die im jeweiligen Netzwerk geteilten Informationen werden vom Hotel dafür verwendet, die Angebote von Partnerunternehmen zu personalisieren sowie Kundeninformationen zu gewinnen, die durch Buchungen auf externen Seiten verloren gehen.

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Das Bewusstsein über den Wert der eigenen Daten ermöglicht einen neuen, positiveren Umgang mit der Freigabe der Nutzerdaten. Die Nutzer verlangen ihre Datensouveränität zurück und möchten selbst über die Weiterverwertung von Daten bestimmen. Daher liegt die Herausforderung bei den Datensammlern, ihren Nutzern den Mehrwert deutlich zu machen, den sie durch das Sammeln und Verwerten der Daten für die einzelnen Nutzer erzielen. Zum Beispiel relevantere Informationen, eine bessere Vorauswahl und damit Zeitersparnis. Alternativ kann auch eine direkte Vergütung der Nutzerdaten erfolgen, wie einige der oben genannten Beispiele zeigen.

Bild: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von Marius B