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Ein Gastbeitrag von Christoph von Einem. Als Anwalt prüft er Unternehmen in einer sogenannten Due Dilience. Er ist Partner bei ARQIS-Rechtsanwälte und aktiver Business Angel.

Die dritte Staffel „Die Höhle der Löwen“ ist am Dienstagabend zu Ende gegangen. Doch eine Vielzahl an Deals kam in den drei Staffeln nach der Show nicht zustande. Sobald sich die TV-Löwen mit den Gründern auf einen Deal geeinigt haben, beginnt die richtige Arbeit erst. Das Unternehmen wird gründlich geprüft, in einer sogenannten Due Diligence.

Wer als Startup in der nächsten Staffel auftreten möchte, sollte die fünf häufigsten Dealbreaker kennen. Denn diese Themen führen dazu, dass Gründer und Investoren doch wieder getrennte Wege gehen.

1. Patentschutz fehlt

Nicht selten stellt sich im Nachhinein heraus, dass Patente oder andere Schutzrechte wie Designs, Urheberrechte oder Marken für die vorgestellten Technologien nicht dem Startup gehören und die Gründer damit gegen bestehende Rechte Dritter verstoßen. Anwälte der Investoren können zudem häufig bereits abschätzen, dass eine beantragte Patentanmeldung keine Erfolgsaussichten hat. Auf der sicheren Seite sind die Gründer, wenn sie im Vorhinein mit eigenen Anwälten die Schutzfähigkeit und -beständigkeit mit ihrer Idee abklären.

2. Wettbewerber unterschätzt

Viele Gründer und auch Investoren überschätzen den Marktwert eines Startups. Erst in der in geschäftlichen Prüfung wird der potenzielle Marktanteil halbwegs realistisch eingeschätzt. Nicht selten empfehlen wir dann eine Neubewertung des Unternehmens. Für die Gründer heißt es dann, dass sie für das gleiche Geld teils deutlich mehr Anteile abgeben müssen. Hier sind es dann die Gründer häufig selbst, die den Deal platzen lassen. Ihnen fällt es zu schwer, sich auf einen realistischen Wert zu einigen oder sich mit bestimmten Investorensonderrechten wie einer Liquidationspräferenz anzufreunden.

3. Zu große Gründer-Egos

Eine Investition wird als zu heikel bewertet, wenn die Gründer selbst als Risiko gesehen werden. Immerhin macht nicht die Idee den wesentlichen Wert eines Startups aus, sondern das Gründer-Team. Denn was hilft einem Investor eine brillante Idee, wenn die Gründer sie nicht umsetzen können.

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Umgekehrt können tolle Teams auch weniger gute Ideen zum Erfolg führen. Sind die Investoren mit großen Gründer-Egos konfrontiert, trauen sie ihnen in einer Stresssituation keinen Zusammenhalt zu. Nicht selten sind die Gründer nicht einmal in der Lage, sich auf sogenannte Vesting-Klauseln zu einigen. Bei dieser Regelung geht es um eine wichtige, aber auch sehr heikle Frage: Auf welche Weise soll einer der Gründer, der sich mit seinen Mitgründern zerstritten hat, aus dem Gesellschafterkreis herausgedrängt werden? Das ist der natürliche Ausgang eines unlösbaren Streits zwischen Gründern und genauso üblich ist es, dass der geschasste Gründer seine Anteile dann nicht freiwillig abgeben will. Wenn es keine Vesting-Klauseln gibt, kann er durch Störfeuer den künftigen Erfolg des Startups zunichte machen.

4. Zugeständnisse an Investoren fallen schwer

Ein Streitthema sind marktübliche Zugeständnisse gegenüber den Investoren, zu denen insbesondere unerfahrenere Gründer nicht bereit sind. Viele Gründer denken, dass sie mit beispielsweise 70 Prozent der Anteile die Entscheidungsgewalt haben.

Die Bedeutung der Investoren wiegt aufgrund ihrer finanziellen Last allerdings so schwer, dass sie auf ein Vetorecht bei strategischen Entscheidungen bestehen müssen. Üblich ist, dass ein Beirat installiert wird, in dem die Investoren vertreten sind und maßgeblichen Einfluss ausüben können. Ebenfalls möglich wäre, dass Investoren im Falle eines Unternehmensverkaufs zu niedrigen Bewertungen vorab ihr Investment ausbezahlt erhalten, bevor der restliche Verkaufserlös auf alle Gesellschafter je nach den Besitzverhältnissen verteilt wird.

5. Ungeliebtes Founders Lock up

Investoren verlangen auch meistens, dass Gründer in den kommenden drei bis fünf Jahre an Bord bleiben müssen, also nicht allein verkaufen dürfen. Ein sogenannter Founders Lock Up. Die Investoren müssen allerdings auf dieses ungeliebte Zugeständnis bestehen. Nur durch das Geld der Investoren wird das Unternehmen meist ganz erheblich aufgewertet und die Gründer könnten sonst an diesem Punkt womöglich mit einem Profit aussteigen – ohne die eigentliche Arbeit getan zu haben. Dann würden die Investoren plötzlich ohne die Gründer und deren Know-how mit einem wertlosen Unternehmensgerippe zurück bleiben. Vor allem: Sie haben in dieser Phase selbst noch keinen Cent Gewinn aus ihrem Investment machen können.

Bild: VOX / Benno Kraehahn