Nur 200 von rund 50.000 potenziell Geschädigten meldeten Forderungen an

Vier lange Jahre dauerte das Insolvenzverfahren der Auktionsplattform DealStreet, nun bekommen zumindest jene Geschädigten des Startups, die ihre Forderungen geltend gemacht haben, ihr Geld zurück – und das vollständig. DealStreet war ein Berliner Live-Shopping-Portal, das im Mai 2009 mit Unterstützung von Rocket Internet gestartet war. Neben dem Samwer-Inkubator waren auch die französische Investmentfirma Crédit Agricole Private Equity, der Otto-Ableger eVenture Capital Partners und die Schweizer Hyos Invest Holding an dem Unternehmen beteiligt.

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Nutzer von DealStreat konnten Gebote zu einem festgelegten Preis erwerben, die sie dann für Auktionen einsetzten – vergleichbar mit Spielmarken im Casino. Bei Produkt-Auktionen stieg durch jedes abgegebene Gebot der Gesamtpreis des Produktes um einen Betrag, der jedoch kleiner war als die Summe, die für das Gebot bezahlt wurde. Gleichzeitig verlängerte sich automatisch die Dauer der Auktion und der letztbietende Teilnehmer erhielt den Zuschlag.

Aufgrund des schwierigen Geschäftsmodells trennten sich die Samwer-Brüder im Mai 2010 von DealStreet, das Unternehmen musste Insolvenz anmelden. Zwar soll der Insolvenzantrag damals rechtzeitig gestellt worden sein, doch DealStreet versäumte es, die tagesaktuellen Aktionen einzustellen – die Mehrheit der Gläubiger der Upside Shopping GmbH, die die Auktionsplattform betrieb, waren daher Nutzer, die Gebote erworben und sich an den Auktionen beteiligt hatten.

Rund 50.000 Nutzer hatten offene Forderungen gegenüber DealStreet – sie bezahlten etwa 77.000 Euro für insgesamt 154.530 Gebote. Die Nutzer konnten ihre Forderungen zur Insolvenztabelle anmelden; allerdings machten nach Angaben von Insolvenzverwalter Torsten Martini nur etwa 200 Geschädigte, also ein Bruchteil der Betroffenen, davon Gebrauch, da es sich zumeist um kleinere Beträge gehandelt habe.

Doch für diese 200 Gläubiger sei nun eine Insolvenzquote von 100 Prozent erreicht worden, sagt Martini und fügt hinzu: „Auch die zur Tabelle angemeldeten und festgestellten Zinsen, die seit Eröffnung des Insolvenzverfahrens 2010 erwachsen sind, können anteilig zu rund 80 Prozent befriedigt werden.“

Dass ein Insolvenzverfahren sich über vier Jahre erstrecke, sei normal, so Martini, da zunächst die Gläubiger erfasst und deren Forderungen geprüft werden müssten – teilweise auch vor Gericht. Daher habe man sich an die Bearbeitungsgeschwindigkeit der Gerichte anpassen müssen. „Das dauert einfach“. Die Forderungen sollen voraussichtlich innerhalb der nächsten vier Wochen ausgeschüttet werden.

Bild: © panthermedia.net/Imagedb China