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Die Defrac-Gründer Tim Richter (links) und Joa Ebert

Eine App einmal schreiben und für mehrere Plattformen ausspielen lassen

Die beiden Gründer von Defrac, Joa Ebert und Tim Richter, begegneten sich bei der Arbeit an der Musikproduktions-Plattform Audiotool: Ebert als Gründer, Richter als Freelancer. Dabei entdeckten sie ihr gemeinsames Interesse für die Entwicklung eines eigenen Compilers. Vor zwei Jahren stiegen sie bei Audiotool aus, um sich ganz ihrem neuen Projekt zu widmen, Anfang 2013 gründeten sie Defrac in den USA. Mittlerweile arbeiten sie wieder von Köln aus an dem Tool, das die App-Entwicklung für verschiedene Plattformen erheblich erleichtern soll.

Im Interview mit Gründerszene sprechen die beiden Gründer über ihr Geschäftsmodell, Konkurrenten, Herausforderungen – und darüber, wie sie zehn Millionen Java-Entwickler erreichen wollen.

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Was ihr macht klingt sehr technisch. Worum geht es bei Defrac?

Joa Ebert: Wenn ich heute eine App entwickeln möchte, die sowohl im Web, auf iPhones als auch auf Android-Smartphones funktionieren soll, dann muss ich die Anwendung normalerweise mehrfach schreiben und dafür auch verschiedene Programmiersprachen lernen. Neben den Sprachen kommt aber noch einiges dazu: Libraries, UI Guidelines und so weiter. Das ist nicht nur extrem fehleranfällig, sondern auch sehr kostspielig.

Genau da setzen wir an: Mit dem Software Development Kit (SDK), das wir bereitstellen, kannst du eine Anwendung einmalig schreiben – und sie dann für die verschiedenen Geräte ausspielen. Der Vorteil ist also, dass man die Arbeit und die Kosten nur einmal hat und direkt die verschiedenen Geräte erreicht, ohne sich mit den jeweiligen Spezifika auseinandersetzen zu müssen.

Und wie funktioniert das Ganze?

Joa Ebert: Der Entwickler schreibt seine App in Java und benutzt die Defrac Libraries. Unser Compiler übersetzt diesen Code dann in eine native App für die jeweilige Plattform. Wir gewährleisten dabei, dass der Code sich überall gleich verhält und es zu keinen Überraschungen kommt.

Tim Richter: Außerdem vereinfacht unser SDK die App-Entwicklung an sich.

Ihr seid mit Defrac nicht die Einzigen, die Apps zu mehreren Plattformen exportieren können. Wie wollt ihr euch von euren Wettbewerbern abgrenzen?

Joa Ebert: Das stimmt, wir sind da ganz klar nicht allein. Die meisten fokussieren sich jedoch rein auf den Gaming-Bereich, wie Unity oder Flash. Dann gibt es noch viele Tools, zum Beispiel Appcelerator oder PhoneGap, die mit JavaScript arbeiten. Hier sehen wir ein Problem mit der Geschwindigkeit vor allem in Mobile-Bereich. Außerdem passen PhoneGap und Konsorten den Code nicht noch einmal extra für die Plattform an und im Endeffekt bleibt wieder mehr Arbeit am Entwickler hängen.

Tim Richter: Wir unterscheiden uns von unseren Wettbewerbern dadurch, dass wir die Einzigen sind, die auch zum Web exportieren. Das heißt, Anwendungen, die man mit Defrac erstellt, funktionieren sowohl auf mobilen Endgeräten als auch im Web. Und gleichzeitig ist es so, dass wir für die mobilen Endgeräte immer native Apps erzeugen. Das heißt, der Nutzer muss keine Einschränkungen bei der User Experience hinnehmen: Die generierte App fühlt sich flüssig an, egal auf welcher Plattform sie läuft.

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Eine Nutzerbasis zu schaffen ist trotzdem nicht leicht. Wie wollt ihr eure Zielgruppe erreichen?

Joa Ebert: Wir haben dabei zehn Millionen Java-Entwickler im Blick. Die kann man nicht über einen TV-Werbespot erreichen. Man muss offen und ehrlich kommunizieren, ein solides Produkt entwickeln und Vertrauen schaffen. Unser Vorteil ist, dass unsere Zielgruppe sehr gut vernetzt ist und ein großer Austausch zwischen Entwicklern stattfindet. Zur Zeit generieren wir den Großteil unseres Traffics durch Beispielprojekte, die wir veröffentlichen. Konferenzen, direkte Ansprache und B2B werden weitere Einstiegspunkte für uns sein.

Das SDK bietet ihr kostenlos an. Wie wollt ihr mit Defrac Geld verdienen?

Joa Ebert: Das SDK muss auch immer kostenlos bleiben, um einen einfachen Einstieg zu gewährleisten. Wir setzen also auf Komponenten und Infrastruktur. Wir können bei Defrac oder Drittanbietern fertige Komponenten zum Verkauf anbieten, die die Entwicklung von Apps erleichtern. Infrastruktur-Leistungen wie beispielsweise Cloud-Storage oder -Notifications skalieren dann mit dem Erfolg der Apps, die mit Defrac entwickelten wurden, und führen zu einem größeren Gewinnpotenzial.

Wie seid ihr denn im Moment finanziert?

Joa Ebert: Die Dimensional-Gruppe, zu der auch Audiotool gehört, hat in einer Seed-Runde in Defrac investiert.

Und zukünftig? Welche Herausforderungen kommen noch auf euch zu?

Tim Richter: Der nächste Schritt besteht darin, die nativen Bibliotheken für die jeweiligen Plattformen bereitzustellen, um den Einstieg noch leichter zu machen. Außerdem soll ein neues Komponenten-System beim Export automatisch auf das native Pendant mappen.

Joa Ebert: Für jedes Startup stellen gesundes Wachstum und Skalierung eine große Hürde dar. Ich habe auch schon oft genug miterlebt, wie schwierig es sein kann, gute Talente zu akquirieren. Wir suchen Entwickler die in Static-Single-Assignment-Form träumen – das ist gar nicht so einfach!

Bild: Defrac