88 Millionen Dollar für Delivery Hero

Kommt schon bald die nächste Finanzierungsrunde?

Es war eine der größten Finanzierungsrunden Berlins: Insight Venture, die bereits Twitter und Trivago zu Millionenexits gebracht haben, steckten 88 Millionen Euro in Delivery Hero. Mit dem frischen Geld in der Kasse stellt sich die Frage, was die nächsten Schritte für den Lieferdienst-Vermittler sein werden. Drei wahrscheinliche Szenarien: eine schnelle nächste Finanzierungsrunde, Zukäufe inklusive der Übernahme des Team-Europe-Schwesterunternehmenes 9Cookies und ein Börsengang 2015.

Zukäufe sind für Delivery Hero (www.deliveryhero.com) mit dem neuen Kapital erst einmal denkbar, auf diese Weise würde sich das Berliner Unternehmen auf einen Schlag einen Vorsprung verschaffen. Der Wettbewerb der Lieferdienst-Vermittler in Deutschland ist hart, auch international haben sich eine Handvoll Anbieter herauskristallisiert: Grubhub etwa aus den USA, das sich im vergangenen Jahr mit dem direkten Konkurrenten Seamless zusammengeschlossen hatte, Just-Eat aus Großbritannien, Takeaway.com aus den Niederlanden, das hierzulande als Lieferservice.de agiert. Der Druck auf kleinere Anbieter wie etwa Lieferando könnte auf lange Sicht also deutlich steigen. Rocket Internets Foodpanda sieht sich gerne als „globalster aller Lieferdienste“, hat derzeit aber noch keine nennenswerten Umsätze zu vermelden.

Das Knifflige bei Zukäufen: Derzeit sind die Bewertungen (zu) hoch, dessen ist sich Delivery-Hero-Chef Östberg bewusst. Gleichzeitig ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Märkte konsolidieren. Es gilt also, den richtigen Zeitpunkt abzupassen. Zu lange gewartet, kommen Delivery Hero die Wettbewerber zuvor. Zu früh zugekauft, würde unnötig Geld ausgegeben. Will sich Delivery Hero potenzielle Partner nicht von der Konkurrenz wegschnappen lassen, wird man dennoch gutes Geld in die Hand nehmen müssen.

Abseits des Kerngeschäfts läge derweil als kleinerer Schritt die Übernahme des Restaurant-Software-Anbieters 9Cookies nahe. Zum einen verfügt der Lieferdienst-Vermittler bereits über Kontakte zu den Restaurantbesitzern, diese stellen die Zielgruppe beider Unternehmen dar. Zum anderen würde der Schritt dem Company Builder Team Europe helfen, sich weiter zu fokussieren9Cookies war mit Unterstützung von Team Europe zunächst in Partnerschaft mit Delivery Hero gestartet, später verschwand das Heldenlogo dann aber von der Webseite.

Börsengang als Langfrist-Ziel

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Egal ob durch Zukäufe oder durch organisches Wachstum wird die Expansion für Delivery Hero immer teurer werden: Neue Kunden müssen abseits von Zukäufen entweder vom Bestellen über das Internet erst noch überzeugt oder von den Wettbewerbern abgeworben werden. Da sich die einzelnen Lieferdienste kaum voneinander unterscheiden, kostet eine Profilierung über das Marketing viel Geld.

Am wahrscheinlichsten dürfte für Delivery Hero daher sein, dass bereits versucht wird, schnell die nächste Finanzierungsrunde auf die Beine zu stellen. 88 Millionen Dollar aus der jüngsten Finanzierungsrunde, bei der bestehende Investoren rund vier bis fünf Prozent ihrer Anteilen abgaben – ein sogenannter Secondaries-Deal –, sind zwar eine durchaus bemerkenswerte Summe. Mit einer schnellen Aufstockung könnte man sich aber noch stärker und schneller auf Produkt und Marketing konzentrieren – und hätte die Gedanken an eine weitere Anschlussfinanzierung vom Tisch.

Langfristig dürfte man bei Delivery Hero ohnehin mit einem Börsengang liebäugeln. Zwar erklärte Unternehmenschef Östberg gegenüber Gründerszene bereits, dass ein IPO für 2014 nicht geplant sei. Dass er er einen solchen Schritt für 2015 allerdings offen ließ, spricht eine deutliche Sprache. Spätestens nach der nächsten Finanzierungsrunde dürfte dies ohnehin der einzig gangbare (Exit-) Weg nach vorn sein.

Durch einen Börsengang hätte Delivery Hero genug Gewicht, um sich gegen die Wettbewerber zu positionieren. Und es wäre genug Kapital für weiteres Wachstum da. Der Zeitpunkt für den Schritt auf das Parkett wäre günstig: Twitter, King und vermutlich auch Zalando haben dann die Börse für Online-Unternehmen vorgewärmt, eine ganze Welle an Tech-IPOs ist für 2014 und 2015 zu erwarten. Gerade erst vor wenigen Tagen hat zudem Delivery-Hero-Konkurrent Grubhub seinen IPO angemeldet, was dem aus Chicago stammenden Unternehmen volle Kriegskassen bescheren wird. Dessen Börsenentwicklung wird man in Berlin sicherlich als Entscheidungshilfe nutzen.

Die größte Wette der Team-Europe-Partner

Sollten die Pläne der Berliner aufgehen, hätte sich Delivery Hero beachtlich gemausert. Obwohl das vor zweieinhalb Jahren gestartete Unternehmen keineswegs der erste Anbieter im Markt – Grubhub etwa ist bereits seit 2004 aktiv –, hat Delivery Hero mittlerweile eine führende Rolle übernommen. Auf dem Papier sind die Berliner bereits größer als der US-Konkurrent: 28.000 Restaurants in 600 Städten bei Grubhub gegen 50.000 Delivery-Hero-Gaststätten in 14 Ländern von Deutschland und Großbritannien über Schweden, Finnland und Russland bis hin zu China, Mexiko und Indien. In Grubhubs Heimatmarkt USA ist Delivery Hero bisher nicht aktiv. Hinsichtlich ihrer Ertragslage schweigen sich die Anbieter natürlich aus.

Längst ist Delivery Hero das Vorzeige-Projekt des Berliner Company Builders Team Europe, der sich in den vergangenen Monaten von der Mehrzahl seiner Engagements getrennt hat. Es verwundert also wenig, dass man dort gerade den Lieferdienst-Vermittler als Fokusobjekt auserkoren hat. Gleichzeitig ist Delivery Hero damit zur größten Wette von Lukasz Gadowski und Kolja Hebenstreit geworden.

Bild:Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von Mark Turnauckas; Disclaimer: Team Europe ist Gesellschafter der Vertical Media GmbH, dem Medienhaus von Gründerszene. Weitere Informationen zur Vertical Media GmbH hier: www.vmpublishing.com.