Delivery-Hero-CEO Niklas Östberg

Ein Börsengang von Delivery Hero könnte Oliver Samwer in diesem Jahr gerade recht kommen: Der Aktienkurs von Rocket Internet schwächelt noch immer und der Lieferdienst-Vermittler, an dem Rocket fast 40 Prozent hält, wurde zuletzt mit drei Milliarden US-Dollar bewertet. Doch Delivery-Hero-CEO Niklas Östberg will sich nicht drängen lassen. „Ich treffe meine Entscheidung gemeinsam mit allen Investoren“, sagte er der Wirtschaftswoche. „Da kann Oliver Samwer Druck machen, wie er möchte.“

Harmonisch scheint es unter den Gesellschaftern nicht zuzugehen. Der CEO stellt klar, dass er die Kontrolle über sein Unternehmen behalten will: „Wir haben mit allen Anteilseignern Vereinbarungen getroffen, die sicherstellen, dass es ein Delivery-Hero-Geschäft bleibt.“

Das Unternehmen prüft einen Börsengang für 2016. Im Juni sagte Östberg, man wolle mit einem IPO warten, bis man einen klaren Nutzen sehe. „Wir haben die gleiche Finanzstärke wie börsennotierte Konkurrenten, während wir sehr langfristig agieren können. Das macht uns zum schlimmstmöglichen Wettbewerber, den man sich vorstellen kann. Deshalb: keine IPO-Pläne für 2015.“

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Rocket Internet hatte im Frühjahr noch Pläne eines schnellen Börsengangs seiner Global Take Away Group kommuniziert – für dieses Jahr, spätestens aber für 2016. Zu der Gruppe gehört auch die fast 40-prozentige Beteiligung an Delivery Hero. Für Östberg hingegen scheint ein Alleingang seines Unternehmens außer Frage. Oliver Samwers Einfluss beim Lieferdienst-Vermittler gilt ohnehin als begrenzt, er sitzt nicht im Aufsichtsrat.

Delivery Hero ist stark finanziert: Allein im Jahr 2014 sammelte es 525 Millionen US-Dollar von Investoren ein. Im Februar 2015 übernahm Rocket 30 Prozent der Anteile an Delivery Hero für 287 Millionen Euro, die mittlerweile auf 38,5 Prozent aufgestockt wurden. Im Juni flossen 110 Millionen US-Dollar von US-amerikanischen Investoren.

Ein Teil des Kapitals wird momentan dafür eingesetzt, eine eigene B2B-Logistik- und Essenslieferfirma aufzubauen: Valk Fleet. Das in London sitzende Unternehmen wurde Anfang Mai von Östberg und Scott Fletcher gegründet. Das Konzept gleicht dem von Food Express, einem kleinen Berliner Startup, an dem sich Delivery Hero kürzlich beteiligte: Valk Fleet stellt Restaurants ohne eigenen Lieferdienst Fahrer und die entsprechende Technologie zur Verfügung, um ihre Gerichte dennoch ausliefern zu können. Die Firma operiert laut TechCrunch bereits in vier Ländern, vor allem in Deutschland und Großbritannien.

In Deutschland sei das Geschäft von Delivery Hero „am Break-Even“, sagte Östberg der Wiwo. In skandinavischen Ländern und der Türkei sei man bereits profitabel. Im Mai hatte Delivery Hero den türkischen Wettbewerber Yemeksepeti gekauft: für 589 Millionen US-Dollar. Der CEO des übernommenen Startups machte kurz darauf Schlagzeilen: Nach dem Exit hatte er jeden seiner Mitarbeiter mit 200.000 Dollar belohnt.

Bild: Delivery Hero